Zappenland

Alt-Ohlisch mit Philippenau

Falkendorf

Kamnitzleiten

Stimmersdorf mit Rainwiese

Arnsdorf

Heidenstein

Losdorf

Windisch-Kamnitz

Binsdorf

Herrnskretschen

Neu-Ohlisch

 

Dittersbach

Hohenleipa

Rosendorf

 

Elbleiten

Jonsdorf

Schemmel

 

 

 

Zum Zappenland zählten ursprünglich die fünf Orte Arnsdorf, Binsdorf, Elbleiten, Jonsdorf und Rosendorf. Später kamen noch Kamnitzleiten, Alt- und Neu-Ohlisch sowie Stimmersdorf dazu. Als mit der Herausgabe der Heimatzeitung „Trei da Hejmt“ ab 1948 auch viele Familiennachrichten zu den einzelnen Orten veröffentlicht wurden, fasste man aus redaktionellen Gründen auch die anderen oben genannten Orte zum Gebiet „Zappenland“ zusammen. Die Herkunft des Namens ist unklar und es gibt mehrere Deutungen. Am wahrscheinlichsten scheint eine Ableitung aus der Häufigkeit der Koniferen-Zapfen (mundartlich „Zappen“) zu sein. 

Alt-Ohlisch mit Philippenau

Alt-Ohlisch: Strandbad
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Die Gemeinde Alt-Ohlisch, im Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz gelegen, bestand aus der Ortschaft Alt-Ohlisch mit den Ortsteilen Hadergrund, Philippinau und Bauscheibe. Das 462 ha umfassende Gemeindegebiet ist ein Hügelland, das durch zahlreiche Sandstein-Felsbildungen und Talgründe touristisch interessant ist. Oberhalb des Ortes Alt-Ohlisch fließt der von Güntersdorf kommende Dorfbach durch die Wolfsschlucht, in welcher durch Aufstauung von 1900 bis 1908 die „Austria Klamm” mit Kahnfahrt und Restauration bestand. Die Anlage wurde infolge eines Hochwassers zerstört. Alt-Ohlisch war wegen seines Waldreichtums eine beliebte Sommerfrische. Der als Badesee beliebte Ohlischer Großteich wurde durch den Herrschaftsbesitzer Hans von Salhausen um 1570 mittels eines Dammes aufgestaut. Seine Größe beträgt etwa 18 ha. Alt-Ohlisch, Bauscheibe und Philippinau sind trotz des Fehlens von bedeutenden Industriebetrieben keine reinen Bauerndörfer gewesen, denn der größere Teil der Bevölkerung, rund 54 %, fand sein Auskommen in industriellen und handwerklichen Berufen außerhalb der Gemeinde. Auf Land- und Forstwirtschaft entfielen nur 24 % der Arbeitsplätze. Im Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr waren 10 % der Bevölkerung tätig.

Kirchlich gehörte Alt-Ohlisch mit seinen zugehörigen Ortsteilen stets zur Pfarrei St. Georg in Güntersdorf. Mit diesem war Alt-Ohlisch ab etwa 1540 bis 1645 evanglisch und nach der Rekatholisierung bis 1725 der Pfarrei St. Martin in Markersdorf unterstellt. Von den Kirchenbüchern sind die Taufmatriken ab 1616, die Traumatriken ab 1602 und die Sterbematriken ab 1616 erhalten. Das älteste Grundbuch beinhaltet Eintragungen aus der Zeit von 1561 bis 1620. Nachdem darin Schöppen verzeichnet sind, hat sicherlich ein Erbgericht bestanden, das später in ein Ortsgericht umgewandelt wurde. Von 1610 bis 1612 war Thomas Bendel und 1712 ein Knothe der Ortsrichter. Das Gericht wurde 1849 aufgelöst. Philippinau hatte einen eigenen Ortsrichter. Von 1850 bis 1875 war Neu-Ohlisch nach Alt-Ohlisch eingemeindet.

Alt-Ohlisch
Es scheint wahrscheinlich, dass Alt-Ohlisch durch den Ausbau eines älteren Kleinstsiedlungsplatzes, z.B. einem gaugräflichen oder herrschaftlichen Wirtschaftshof, entstand. Der Ortsname geht vermutlich auf einen vordeutschen Geländenamen zurück, der aus dem altsorbischen Wort für Erle hervorgegangen ist. Im ältesten Kamnitzer Stadtbuch von 1380 wird Ohlisch als „Olusch” erwähnt. 1412 und 1451 heißt es „czur olysch” und 1488 „von der Olisch”. Die ältesten Einwohnernamen von „Olisch” sind (im Kamnitzer Stadtbuch) Hempel Blahut (1380), Bendel (1412 und 1451), Stelzig (1488) sowie Schiemann oder Schimmel (1586). 1654 gab es 26 Häuser in Alt-Ohlisch, die Bauern hießen Bendel, Gautsch, Tietze und Hübel. Die Gärtner waren Füger, Großer, Knechtl, Mengemann und Schimmel. 1713 standen 36 Häuser, die von zwölf Wirten und 24 Häuslern bewohnt waren. 1787 waren es 45 bzw. mit den zugehörigen Ortsteilen Philippinau, Hadergrund und Bauscheibe sogar 73 Wohngebäude. 1833 standen 66 Häuser, in denen 343 Einwohner lebten. Einschließlich der Ortsteile waren es 93 Häuser und 493 Einwohner. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden für die gesamte Gemeinde 551 bzw. 479 deutsche Einwohner festgestellt. 1934 waren die häufigsten Namen in Alt-Ohlisch Schimmel, Knothe, Bendel, Kühnel, Hein, Lorenz, Sturm, Ahne, Paudler und Stelzig. In Philippenau waren es Bendel und Tröschel. In Bauscheibe waren die Familien Neumann, Zahn, Morche und Knothe zuhause.

Der Meierhof von Alt-Ohlisch ist 1496 von der älteren Herrschaft Scharfenstein eingerichtet worden und wurden später auch von der Herrschaft Bensen bzw. vom Gut Markersdorf (Rotenhof) bewirtschaftet. Anfang des 16. Jahrhunderts und nach dem 30-jährigen Krieg wurde der Meierhof durch eine bzw. weitere zwei Bauernstellen vergrößert.

Hadergrund
Der Name Hadergrund dürfte von einem Streit herrühren, der einmal wegen der dortigen Besitzverhältnisse geführt worden war. Als Geländename ist er seit dem 16. Jahrhundert belegt. Die Besiedlung erfolgte jedoch erst seit 1611. Das eine und später das zweite Haus von Hadergrund standen unweit des Ortsrandes von Windisch Kamnitz.

Bauscheibe
Bauscheibe wurde vermutlich für einige Arbeiter des neu errichteten Meierhofes Alt-Ohlisch als Häuslersiedlung im Jahre 1530 angelegt. Der Name bedeutet Hausbauten an einer Wegkrümmung („Scheibe”). 1833 lebten 29 Einwohner in vier Häusern. 1890 gab es 26 Bewohner und 1930 lebten nur noch 12 Menschen in Bauscheibe.

Phillippinau
An der Stelle von Philippinau befanden sich ursprünglich drei Bauerngüter mit dem Namen „Audörfel”. 1708 begann Franz Graf von Thun eine neue Ortschaft anzulegen, die er nach seiner Gattin Philippine benannte. 1709 sind die 12 Siedler im Feldverpachtungsprotokoll genannt: Dürr (als Förster), Dietze, Neumann, Walter, Palm, Bittner, Püsche, Mühle, Knote, Böhm, Michel und Zumpe. 1713 wurden für „Neu-Philipps-Bau” 12 Häuser verzeichnet. 1787 und 1833 standen 23 Häuser mit (1833) 130 Einwohnern. Zahlreiche Einwohner lebten von der Weberei. 1857 lebten 145, 1869 und 1890 nur noch 133 bzw. 113 deutsche Einwohner im Ort. Die in Philippinau mehrfach vorkommenden Namen waren 1934 Bendel, Tröschel, Knothe, Langer und Richter.

Heute gehört die tschechische Gemeinde Stará Oleška (= Alt-Olisch) zusammen mit Nová Oleška (= Neu-Ohlisch) und Františkův Vrch (= Franzberg) zur politischen Gemeinde Huntířov (= Güntersdorf). 1961 lebten 137 Menschen in der mit Nová Oleška vereinten Gemeinde Stará Oleška. Am 28.08.2006 wurden in der Gesamtgemeinde 728 Einwohner registriert. Bauscheibe und Hadergrund bestehen heute nicht mehr und Philippinau wird nicht mehr eigens erwähnt.

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Arnsdorf

Arnsdorf, Dinnebiers Sommerwohnung   Arnsdorf: Kirche, Gasthaus   Arnsdorf
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Die Gemeinde Arnsdorf im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus dem Ort Arnsdorf und den Ortsteilen Arnshaide und Krümmerbaude (bzw. Krümmerwand). Arnsdorf liegt auf der Hochebene des „Zappenlandes” nordöstlich von Tetschen, welche steil vom Dürrkamnitzbachtal unterbrochen wird. Das Gemeindegebiet umfasste 558 ha Fläche und bestand zur Hälfte aus Waldboden und zu 40 % aus landwirtschaftlichen Flächen, meist mittelschwere Lehm-Lößböden und teilweise auch Sandböden. Bis 1945 blieb Arnsdorf ein Bauerndorf ohne eigene Industrie, wobei der Anteil der von Land- und Forstwirtschaft lebenden Einwohner nur rund 15 % betrug. Auf die industriellen und handwerklichen Berufe entfielen über 45 % und auf Handel und Verkehr über 20 %.

Die Pfarrei Maria Himmelfahrt in Arnsdorf wurde nach dem Catalogus Cleri der Diözese Leitmeritz im Jahre 1240 gegründet und gehört damit zu den ältesten Pfarreien des Kreises. Die Kirchenbücher sind seit 1785 erhalten. Die älteren Matriken und das seit 1562 bestehende Pfarrarchiv sind beim großen Brand von 1906 vernichtet worden. Arnsdorf ist eine deutsche Rodungssiedlung des frühen 13. Jahrhunderts und hatte seit Anbeginn ein Erbgericht, was aus dem Vorhandensein einer Dorfruge von 1543 hervorgeht. Der Name geht auf den Taufnamen Arnold zurück, wie die lateinische Nennung von 1352 „Arnoldi villa” zeigt. Arnold dürfte der Lokator (der Gründer) des Ortes gewesen sein.

Als früheste genannte Familiennamen sind für Arnsdorf bis zum Ende des 16. Jahrhunderts überliefert: Pechlerner (bis 1570), Beutel, Dietrich bzw. Dittrich, Fiedler, Gaudernack, Stelzig und Weigel. In der Steuerrolle von 1654 sind elf Bauern, zwei Gärtner und 23 Häusler auf Gemeindegrund angeführt. Es standen somit 36 Häuser. Die Bauern trugen die Namen Seidl, Beutel, Weigl, Peh und Stolz, die Gärtner hießen Gaudernack und Stelzig. Von den 23 Häuslern trugen 13 die Namen Stelzig, Teufel (tschechisch übersetzt „Cziert”), Gaudernack und Seidel. 1713 lebten in Arnsdorf 13 Wirte und 18 Häusler, somit hatte der Ort 31 Häuser. 1787 gab es 67 Hausnummern und 1833 105 Häuser mit 619 Einwohnern, wovon drei Häuser auf den neu entstandenen Ortsteil Arnsheide entfielen. 1843 wurde Arnsdorf zur Marktgemeinde (mit dem Recht zur Abhaltung von drei Märkten) erhoben. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte der Ort 835 bzw. 822 deutsche Einwohner. 1906 wurden bei einem Großbrand zahlreiche Häuser sowie die Kirche und die Pfarrei samt Pfarrarchiv vernichtet.

Meierhof Arnsdorf und Arnsheide
1614 war auf den nordwestlich von Arnsdorf gelegenen Feldern des ehemaligen Erbgerichtes ein kleiner Meierhof gebildet worden. Nach seiner Auflösung im Jahre 1796 entstand dort der Weiler Arnsheide (auch Arnshaide geschrieben), der 1833 drei Häuser mit 16 Bewohnern hatte und sich bis 1945 nicht wesentlich vergrößerte.

Die häufigsten Familiennamen waren 1933 Beutel, Weigel, Fiedler, Dietrich, Fischer, Keßler, Gaudernack, Hegenbart, Guth, Seidel, Kleinpeter, Richter, Schöbitz, Dinnebier, Hanke und Stelzig.

Die tschechische Gemeinde Arnoltice (= Arnsdorf) hatte 1961 noch 898 Bewohner. 2006 lebten 224 Einwohner in der Gemeinde.

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Binsdorf

Binsdorf: Blick von der Binsdorfer Höhe   Binsdorf: Gasthaus Zum Touristenheim, Gasthof Zur alten Schänke, Schwertners Kolonialwarenladen
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Die Gemeinde Binsdorf im früheren Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Binsdorf und der Einschicht Gasthaus Hainhübel oder „Binsdorfer Höhe”. Binsdorf liegt in einer Meereshöhe von etwa 300 m und umfasste eine Gemeindefläche von 632 ha. Die Hochfläche von Binsdorf, welche ein Teil des „Zappenlandes” ist, fällt nach Südosten zum wildromantischen Heidegrund steil ab. Im Westen wird das Dorf vom 430 m hohen Hainhübel – auch Binsdorfer Höhe genannt – überragt. Vom Gemeindegebiet entfallen 35 % auf landwirtschaftliche Flächen und gut 60 % auf Waldboden. Die Gemeinde war bis 1945 im wesentlichen ein Bauerndorf geblieben und hatte, da es keine Industrieansiedlungen gab, seit 1890 einen allmählichen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. 22 % der Bevölkerung ging einem landwirtschaftlichem Beruf nach, 37 % waren in Industrie und Handwerk und knapp 24 % im Bereich Handel und Verkehr vor allem in Tetschen und Laube beschäftigt.

Binsdorf war seit jeher nach Arnsdorf eingepfarrt und mit diesem ab 1553 für etwa 70 Jahre auch evangelisch. Die Matriken sind wie alle Kirchenbücher von Arnsdorf seit 1785 erhalten. Die älteste (evangelische) Matrik von 1562 existiert nicht mehr, weil das Pfarrarchiv 1906 abbrannte. In den ersten Jahrhunderten seines Bestehens hatte Binsdorf vermutlich ein Erbgericht. Bis zur Errichtung der politischen Gemeinde im Jahre 1850 gab es ein Ortsgericht.

Binsdorf ist eine deutsche Rodungssiedlung, deren Gründung in der Form des Waldhufendorfes im 13. Jahrhundert erfolgt sein dürfte. Der Name Binsdorf ist wahrscheinlich herzuleiten vom Vornamen Albin (Koseform „Binz”) und benennt wohl den Gründer des Ortes. Nach der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Schlegel`schen Chronik von Bensen bestand Binsdorf (mindestens) im Jahre 1385. Als ältester Name taucht der Richter Thomas Ettrich im Jahre 1568 auf. Von 1590 ist der Name Beutel überliefert. 1654 hatte der Ort 30 Häuser, in denen zehn Bauern, ein Gärtner und 19 Häusler lebten. Dazu kamen noch die herrschaftlichen Gebäude der Grundbesitzer - dies war die Familie Clary-Aldringen (Binsdorf gelangte von den Salhausen an die Familie von Wartenberg und 1612 an die Familie Kinsky; nach der Beschlagnahmung 1634 im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges kam die Herrschaft in den Besitz des Feldmarschalls Johann von Aldringen). Die Namen der in der Steuerrolle von 1654 verzeichneten Einwohner waren Itze, Seidel, Dittrich, Lösel, Richter, Stelzig, Ullrich und Weigel.

Einen Aufschwung brachte die Zusammenfassung der Verwaltung der Grundherrschaft Clary in Binsdorf (Binsdorf war zwischen 1700 und 1850 Sitz des Clary`schen Herrschaftsamtes) und die Erbauung des Schlosses zwischen 1703 und 1710. Vom Schloss aus wurde damals eine schnurgerade Allee zum vier Kilometer entfernten Belvedere an der Elbe angelegt. 1713 standen 32 Häuser. Bei der Häusernummerierung 1770 standen 50 Häuser und 1787 wurden 60 Hausnummern gezählt. 1833 lebten 548 Bewohner in 86 Häusern in Binsdorf. 1778 und 1813 musste der Ort mehrfach militärische Einquartierungen von Kroaten, Russen und Preußen über sich ergehen lassen. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte Binsdorf 613 bzw. 625 deutsche Einwohner.

Die häufigsten Familiennamen von 1934 waren Dinnebier, Ullrich, Weigel, Beh, Ettrich, Kohlschitter, Beutel, Itze, Fischer, Neumann, Gaudernack, Grasse, Kunert, Richter, Schellmann und Winter.

Die tschechische Ortschaft Bynovec (= Binsdorf) hatte 1961 genau 286 Bewohner. Bei der Volkszählung am 28.08.2006 lebten 259 Menschen in Bynovec.

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Dittersbach

Dittersbach mit Kaltenberg   Dittersbach: Michels Gasthof   Dittersbach: Fiedlers Weinschank   Dittersbach: Marienfelsen
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Die Gemeinde Dittersbach im Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz bestand aus der Ortschaft Dittersbach mit dem einschichtigen Ortsteil Grüsselmühle sowie der Ortschaft Hinter-Dittersbach. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 1.665 ha. Dittersbach liegt reizvoll in einem sanften Talkessel, der von zahlreichen Bergen und Sandsteinfelsen umgeben ist. Dieses Gebiet, die „Dittersbacher Schweiz”, ist ein Teil der „Böhmischen Schweiz” bzw. des Elbsandsteingebirges. Der Boden ist vorwiegend sandig und wird nur an wenigen Stellen von Basaltstöcken durchbrochen. Rund zwei Drittel der Gemeindefläche sind von Wald bedeckt und nur gut 10 % dienten der landwirtschaftlichen Nutzung. Dittersbach hatte bis 1945 trotz des starken Fremdenverkehrs seinen ländlichen Charakter erhalten. Fast ein Drittel der Einwohner lebte von land- und forstwirtschaftlichen Berufen. Die gewerblichen Arbeitnehmer hatten einen Anteil von 24 % und waren hauptsächlich in den Rabsteiner Fabriken und in Schönlinde tätig. Mit einem Anteil von 15 % war ein beträchtlicher Teil der Erwerbsbevölkerung in den Bereichen Handel und Verkehr (insbesondere Fremdenverkehr und Gastgewerbe) selbständig.

Dittersbach gehörte ursprünglich zur Pfarrei Windisch-Kamnitz, bis es 1628 im Zuge der Gegenreformation nach Böhmisch Kamnitz eingepfarrt wurde. Sämtliche Matriken des Dittersbacher Kirchspiels sind seit 1752 erhalten. Ältere Daten finden sich in den Matriken von Windisch-Kamnitz ab 1712. Das Gotteshaus in Dittersbach, dem Hl. Johannes von Nepomuk geweiht, wurde 1748 bis 1752 in spätbarockem Stil errichtet und 1787 erweitert. Das alte Erbgericht von Dittersbach befand sich in der Schenke „Michelhof” und hatte den Hausnamen „Altes Gericht”. Es wurde bereits 1387 im Kamnitzer Stadtbuch genannt.

Dittersbach entstand als deutsche Rodungssiedlung mit Waldhufenanlage wahrscheinlich in der Zeit um 1300 oder bald danach. Der Ortsname überliefert möglicherweise den Gründer Dietrich oder Dieterich. Von 1381 bis 1509 sind die folgenden Namen überliefert: Fritsche, Dachze, Heintze, Högeler, Kestner, Kolbe, Megerynne (?), Merkel, Meyseler, Limpacher, Kny, Peschke und Michel. Seit seiner Gründung gehörte Dittersbach zur älteren Herrschaft Scharfenstein, kam 1535 an die damals neu gebildete Herrschaft Kamnitz und wurde 1850 dem Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz zugeteilt. 1654 hatte der Ort 20 Häuser. Die Familiennamen der Bauern lauteten damals Fiedler, Hieke, Michel, Griesel, Kny und Roß. 1713 standen 31 Häuser und 1787 ist Dittersbach mit 67 Hausnummern und seiner Kirche erwähnt. 1833 umfasste der Ort 90 Häuser, in denen 528 Einwohner lebten. Seit den 1820er Jahren entwickelte sich Dittersbach zu einem Fremdenverkehrsort und war damit einer der ältesten Sommerfrischen Nordböhmens, welche auch von Berlin, Dresden und Leipzig aus viel besucht wurde. Bei den Volkszählungen von 1860 und 1890 hatte die Gemeinde 580 bzw. 593 deutsche Einwohner.

Die häufigsten Familiennamen in Dittersbach einschließlich Hinter-Dittersbach waren 1934 Michel, Grohmann, Grüßel, Worm, Fiedler, Keßler, Richter, Günter, Grasse, Wagner, Weidlich und Wenzel.

Grüsselmühle
Diese Einschicht, auch Grieselmühle genannt, liegt 1 km südlich von Dittersbach am Kreibitzbach unweit des Paulinengrundes und bestand sicher schon seit dem 17. Jahrhundert. Der Name stammt von einem Besitzer mit dem in der Gegend weit verbreiteten Namen Griesel.

Hinter-Dittersbach
Dieser Ortsteil, anfangs „Kirnschbrücke” genannt, entwickelte sich erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts als ständige Siedlung. Sicher aber standen dort an dem bereits 1457 erwähnten, die böhmisch-sächsische Grenze bildenden Kirnischbach schon früher Unterkünfte für Forstpersonal.

Falkenstein
Nördlich vom östlichen Ortsausgang von Dittersbach befindet sich der felsengekrönte Berg Falkenstein (377 m), der die im 13. Jahrhundert zum Schutz des „Böhmer Weges” angelegte Burg Falkenstein der älteren Herrschaft Scharfenstein trug. Die Burg spielte 1444 in der Wartenberger Fehde mit den Lausitzer Sechsstädten eine Rolle, war 1457 noch bewohnt, wurde dann aber bald aufgelassen. Da sie wahrscheinlich unter Ausnutzung der natürlichen Steinwände fast ausschließlich aus Holz gebaut war, sind außer einigen Einlassungen in den Fels und dem 25 m tiefen Brunnen keine Überreste vorhanden. Im 19. Jahrhundert wurden dort mehrere Waffen- und Gerätereste gefunden.

Heute besteht die tschechische Gemeinde Jetřichovice (= Dittersbach) aus den Ortschaften Jetřichovice, Rynartice (= Rennersdorf), Všemily (= Schemmel) und Vysoká Lípa (= Hohenleipa). 1961 lebten in Jetřichovice 192 Einwohner. In der Gesamtgemeinde wurden bei der Zählung am 03.07.2006  417 Einwohner ferstgestellt.

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Elbleiten

Die Gemeinde Elbleiten im ehemaligen Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Elbleiten und dem gut einen halben Kilometer westlich gelegenen einschichtigen Gasthaus „Belvedere”. Die Hochebene des Zappenlandes reicht bei Elbleiten weit nach Nordwesten und hat infolge des Steilabfalls zur Elbe und zur Dürrkamnitzschlucht nur nach Südosten eine Verkehrsverbindung. Im Gemeindegebiet herrscht Sandboden vor, nur östlich des Dorfes ist etwas Löß, der an einer Stelle von Basalt durchbrochen wird. Vom Gemeindegebiet entfallen 50 % auf landwirtschaftliche Flächen und 45 % auf Waldboden, fast 5 % sind Felsengebiete. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 288 ha. Ein Viertel der Bevölkerung hatte in der Land- und Forstwirtschaft ihre hauptsächliche Existenzgrundlage. 30 % der Erwerbsbevölkerung war in Industrie und Handwerk beschäftigt. Der Sektor Handel und Verkehr spielte mit 32 % eine relativ große Rolle, denn viele Männer waren in der Elbschifffahrt und früher auch in der Flößerei tätig. Wegen der hohen Unfallquote bei den gefährlichen Berufen in der Schifffahrt und Flößerei wurde Elbleiten früher auch als „Witwendorf” bezeichnet.

Elbleiten war stets nach Arnsdorf eingepfarrt gewesen und mit diesem seit der Mitte des 16. Jahrhunderts für rund 100 Jahre evangelisch. Die Matriken sind seit 1785 erhalten. Die älteren Kirchenbücher und das Pfarrarchiv sind beim großen Brand des Jahres 1906 in Arnsdorf vernichtet worden. Im Jahre 1643 wurde das älteste Grundbuch für Elbleiten angelegt. Mindestens seit dem 16. Jahrhundert bestand ein Ortsgericht im Dorf. Elbleiten ist eine deutsche Rodungssiedlung und wurde als Waldhufendorf in der Zeit um 1400 angelegt; damit ist es eines der jüngsten Dörfer des Zappenlandes. Der Ortsname sagt aus, dass das neue Dorf an der Elbleite, d.h. am Abhang zum Elbtal angelegt worden ist (analog dem Ort Kamnitzleiten). Die älteste bekannte Nennung erfolgte 1467 unter der Bezeichnung „Hinteres Neudorf”. Ursprünglich gehörte der Ort zur älteren Herrschaft Scharfenstein, kam dann 1562 an die Herrschaft Binsdorf und mit dieser 1612 an die Herrschaft Kamnitz. 1635 wurde sie dem Feldmarschall Graf Johann von Aldringen zugesprochen. Im Besitz der Familie Clary-Aldringen blieb Elbleiten bis zur Auflösung der Grundherrschaft 1850 und kam dann zum Gerichtsbezirk Tetschen.

Gemäß der Steuerrolle von 1654 hatte „Neydorf elbleyte” 17 Häuser. Die Bauern trugen die Namen Beutel, Dietrich, Hanke, Seidel, Stelzig und Ulrich. Die Häusler hießen Hanke, Beutel, Dittrich und Weber - meistens Schiffknechte, die bis Hamburg unterwegs waren. 1713 hatte „Neundorff Elbleuten” 19 Häuser und 1787 wurden 39 Hausnummern gezählt. 1833 lebten 435 Einwohner in 59 Häusern. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden 572 deutsche Einwohner in 110 Häusern gezählt. Die häufigsten Familiennamen von Elbleiten waren 1934 Dittrich, Hanke, Beutel, Keßler, Kleinpeter, Weigel, Flietel, Heindörfer und Walter.

Belvedere
Dieser Aussichtspunkt wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts nahe bei Elbleiten, 158 m hoch über der Elbe begründet und bald nach 1700 erweitert. 1889 wurde das Belvedere neu erschlossen und in der Nähe eine Gastwirtschaft erbaut. Auch heute noch ist es ein wunderschöner Aussichtspunkt.

Die tschechische Ortschaft Labská Stráň (= Elbleiten) hatte 1961  272 Einwohner. Bei der Volkszählung am 28.08.2006 wurden 203 Einwohner registriert.

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Falkendorf

Falkendorf gehört heute zur Stadt Tetschen, wird aber als ehemaliger Ortsteil der Gemeinde Losdorf in der dortigen Beschreibung behandelt.

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Heidenstein

Heidenstein dürfte bereits seit dem 13. Jahrhundert eine kleine Veste, vielleicht eine Wegeburg an der Gabelung der „Böhmer Straße“ und des „Lausitzer Steiges“, mit einem Meierhof gewesen sein und gehörte ursprünglich zur Herrschaft Scharfenstein. Die Besitzer dieser Veste sind erst um 1600 namentlich bekannt und lauten Heidenreich und Reichenauer. Der Ortsname dürfte wohl auch auf die Familie Heidenreich, vielleicht auch auf das früher hier sehr verbreitete Heidekraut zurückzuführen sein. Anfang des 17. Jahrhunderts gehörte der kleine Rittersitz Heidenstein den Herren von Bünau als Besitzer der Herrschaft Tetschen. 1850 kam der Ort nach Auflösung der Grundherrschaften zum Gerichtsbezirk Tetschen. Im Jahre 1781/82 sind noch die Gebäude des „Heidensteinmayerhofes“ verzeichnet und etwas nördlich davon das neu gegründete „Heidensteindörfel“ oder „Neuheidenstein“. 1787 gab es 40 Hausnummern und 1833 schon 58 Häuser, in denen 341 Einwohner lebten, darunter ein Jägerhaus. 1890 hatte Heidenstein 359 Einwohner und 1910 nur noch 336 Bewohner. Die häufigsten Familiennamen von Heidenstein waren im Jahr 1934 Kunert, Lorenz, John, Theißig, Hain, Hieke, Hietel, Richter, Siebiger, Baum, Dittrich, Geier, Hegenbart, Kretschmer, Parsche und Wagner.   

Heidenstein war früher ein Teil der Gemeinde Losdorf und ist heute eine selbständige politische Gemeinde. In der tschechischen politische Gemeinde Kámen (= Heidenstein) wurden am 28.08.2006 nur noch 159 Einwohner erfasst.

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Herrnskretschen

Prebischtor
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Die Gemeinde Herrnskretschen im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Herrnskretschen und den Einschichten Dürrkamnitz und Prebischtor. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 828 ha. Die Ortschaft Herrnskretschen liegt rechtselbisch 12 km nördlichen von Tetschen in etwa 120 m Meereshöhe an der tiefsten Stelle Böhmens. Die West- und Nordgrenze der Gemeinde ist gleichzeitig Landesgrenze zwischen Böhmen und Sachsen. Das Gemeindegebiet ist fast durchwegs bergig und felsig. Es reicht von 113 m Meereshöhe am Elbespiegel bis etwa 490 m hinauf zu den Hängen des Großen Winterberges. Oberhalb der Ortschaft verengt sich das Kamnitztal zum 1,5 km langen Edmundsgrund, der in die 1 km lange Edmundsklamm übergeht; ein Stück weiter folgt die Wilde Klamm - beides sind heute Naturschutzgebiete. Der Norden und Nordosten des Gemeindegebietes ist von ausgedehnten Sandsteinfelsbildungen erfüllt. Der bedeutendste Fels ist das Prebischtor – eine ausgehöhlte, freistehende Felsbrücke mit 20 m Höhe, 30 m Länge und einem 3 bis 4 m dicken Torbogen. Es zählt als europäisches Naturwunder und wurde schon im 15. Jahrhundert in einer Urkunde als „Hohes Tor” bezeichnet; der Name geht vermutlich auf den Familiennamen „Prebis” zurück. Vom Prebischtor führt der berühmte „Gabrielensteig” nach Rainwiese. Von der Herrnskretschener Gemeindefläche entfallen 84 % auf Waldboden, 12 % auf felsiges Gelände und nur 4 % auf landwirtschaftliches Kulturland. Von den Wirtschaftsbereichen dominierte in Herrnskretschen mit Abstand der Handel (insbesondere Holzhandel) und der Verkehr (Bahn, Schifffahrt, Flößerei) sowie das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe mit über 55 % Anteil an der Wohnbevölkerung.

Bis 1786 gehörte Herrnskretschen zum Kirchsprengel der schon 1240 gegründeten Pfarrei Arnsdorf. Seitdem war der Ort eine Lokalie von Arnsdorf, ab 1853 wurde Herrnskretschen eine selbständige Pfarrei. Die Pfarrkirche ist dem Hl. Johannes von Nepomuk geweiht. Sämtliche Matriken sind seit 1785 erhalten.

Die Geschichte von Herrnskretschen reicht in die Blütezeit der deutschen Siedlungstätigkeit des frühen 14. Jahrhunderts zurück, obwohl es selbst keine landwirtschaftliche Rodungssiedlung ist. Um 1310 entstand eine herrschaftliche Mahl- und Sägemühle. Der Name Herrnskretschen bedeutet wohl „Felswirtshaus” („Kretscham” = Wirtshaus), das an einem scharf vorspringenden Felsen (einem „Horn” oder „Gehörn”) liegt. Die älteste bekannte urkundliche Nennung von Herrnskretschen erfolgte 1445, als Bartel Lühne, „Kretschmer an der Kamnitzbach” einen Kaufvertrag mit dem Tetschner Bürger Haußen abschloss. Die Familiennamen der Steuerrolle von 1654 lauten Kürschner, Purschberg (?), Richter, Ullrich, Ehrlich (oder Ettrich), Guth, Hansel, Hübl (oder Hebl), Jäger, Kalb, Kühnel, Linhart und Wirsam. 1713 hatte „Herns Kratschen” 27 Wirte. Die Namen lauteten Seidel, Guth, Neise, Jäger, Reinert, Wirsam, Dittrich, Ettrich, Hebel, Peche, Richter, Stelzig, Uhmann, Weber und Wurm. 1740 wurden 42 Häuser mit 220 Bewohnern gezählt und 1787 hatte „Herrnskrätschen” 63 Häuser mit etwa 380 Einwohnern. 1833 lebten 442 Menschen in 74 Häusern im Ort, wovon neun Häuser elbabwärts als Niederkretschen genannt wurden.

Niederkretschen
Dieser Ortsteil zwischen Kamnitzbachmündung und Landesgrenze hat bereits im 18. Jahrhundert bestanden. 1835 standen dort 10 Häuser.

Dürrkamnitz
Die Einschicht entstand 1793 durch Errichtung einer Mahlmühle, die 1882 abbrannte. Zeitweise befanden sich dort auch eine Brettmühle und eine Lohstampfe sowie drei Wirtshäuser.

Prebischtor
Die Einschicht Prebischtor wurde 1826 als einfache Schenke gegründet, die 1881 durch ein Hotel ersetzt wurde.

Die häufigsten Familiennamen in Herrnskretschen waren 1934 Richter, Wirsam, Dittrich, Grünzner, Guth, Schlögel, Wurm, Beutel, Clar, Pieke, Seidel, Bienert, Fischer, Günther, Tischler, Wischolit, Ettrich, Klügel und Neise.

Die tschechische politische Gemeinde Hřensko (= Herrnskretschen) hatte zunächst den gleichen Gebietsumfang wie der frühere deutsche Ort. 1961 waren dort noch 186 Einwohner. Bei der Volkszählung am 03.07.2006 lebten in der erweiterten Gemeinde, zu der nun auch die beiden Ortschaften Mezná (= Stimmersdorf) und Mezni Louka (= Rainwiese) gehören, 361 Menschen.

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Hohenleipa

Hohenleipa mit Rosenberg   Hohenleipa   Hohenleipa: Umgebung
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Die Gemeinde Hohenleipa im Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz bestand aus der Ortschaft Hohenleipa mit dem einschichtig gelegenen fürstlich Clary'schen Jagdschloss und dem Weiler Kirnischt (der zusammen mit dem zur Gemeinde Dittersbach gehörenden Weiler Hinter-Dittersbach eine Siedlungseinheit bildete). Hohenleipa liegt inmitten der Böhmischen Schweiz und war wegen seiner schönen Lage ein beliebtes Ausflugsziel. Der nördliche Teil des Gemeindegebietes ist erfüllt von einem Hügelland mit zahlreichen Höhen und Felsbildungen. 86 % war von Wald bedeckt und 12 % wurden landwirtschaftlich genutzt. Im Ort befanden sich zwei Hegerhäuser und beim Jagdschloss außerdem eine Försterei. Wegen des Fehlens jeglicher Industrie hatte Hohenleipa seinen ursprünglichen Charakter vollkommen bewahrt. Der Anteil der von Land- und Forstwirtschaft lebenden Einwohner betrug 1939 knapp 40 %, in Industrie und Handwerk waren 31 % und im Bereich Handel und Verkehr 12 % der Einwohner beschäftigt.

Hohenleipa gehörte schon im 14. Jahrhundert zur Pfarrei St. Wenzel in Windisch-Kamnitz. Von etwa 1624 an wurde Hohenleipa durch die Stadtpfarrei St. Jakob in Böhmisch Kamnitz betreut. Seit der Errichtung der selbständigen Pfarrei St. Johannes von Nepomuk 1787 im Nachbarort Dittersbach war Hohenleipa dorthin eingepfarrt. Die Matriken sind für Dittersbach seit 1752 erhalten; für die vorherige Zeit befinden sich die Eintragungen in den 1630 beginnenden Matriken von Böhmisch Kamnitz.

Die alte Erbrichterei wurde schon 1387 im Kamnitzer Stadtbuch in „Hoeleype” erwähnt. Hohenleipa ist eine deutsche Rodungssiedlung mit fast nur einreihiger Waldhufenanlage nach Osten. Die Gründung dürfte spätestens in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgt sein, doch ist die Einbeziehung einer früheren kleinen vordeutschen Siedlung in den deutschen Ausbau nicht auszuschließen. Der Ortsname ist offensichtlich aus einer Gelände- und Waldbezeichnung übernommen worden, deren zweiter Namensbestandteil möglicherweise auf „lipa” (= slawisch Linde) zurückgeht. In den Aufzeichnungen der Steuerrolle von 1654 sind acht Bauern, drei Gärtner und 13 Häusler verzeichnet. Somit standen 24 Häuser im Ort. Die Familiennamen der Bauern lauteten Dinnebier, Guth, Richter, Gabriel und Rasche. Die drei erstgenannten Namen sind schon seit dem 16. Jahrhundert in Hohenleipa nachgewiesen. 1713 lebten in „Hohe Leipa” neun Wirte und 16 Häusler, wodurch die Zahl der Häuser 25 betrug. Ein Haus davon war die Schenke. Die Erbauung des Jagdschlösschens am Fuße des Schlossberges im Jahre 1760 brachte einige Belebung in den Ort. 1787 wurden deshalb auch schon 47 Hausnummern gezählt.

Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wies Hohenleipa 538 bzw. 511 deutsche Einwohner auf. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Keßler, Richter, Fiedler, Grasse, Bayer, Dinnebier, Hegenberger, Kleinpeter, Guth, Günther, Hackel, Jäger, Parsche und Wenzel.

Raubschloss Hohenleipa oder Schauenstein
Auf dem einen km nördlich von Hohenleipa gelegenen Felsblock, dem „Raubschloss”, stand die von den Herren von Berka auf Wildenstein gegründete Burg Schauenstein, die von 1431 bis 1451 wiederholt urkundlich genannt wurde. Im 16. Jahrhundert lag die Burg aber schon wüst.

Weiler Kirnischt
Diese Bezeichnung trugen zwei Häuser, die nahe bei der Häusergruppe „Hinter-Dittersbach” standen (welche zur Gemeinde Dittersbach gehörte). Als ständige Siedlung entstand Kirnischt oder Kirnischbrücke erst Anfang des 19. Jahrhunderts. Sicher befanden sich dort aber schon früher zeitweilige Unterkünfte für Forstpersonal, woraus sich dann das Hegerhaus mit der Kirnischtschenke entwickelte. Der Ortsname kann entweder auf einer sorbischen Wurzel „krnica” (= verkümmertes Wasser) beruhen oder aber von einer Verballhornung von „Gehörn” (= Felsen) entstanden sein. Es bestand eine Autobusverbindung mit dem nur 3 km entfernten Hinterhermsdorf in Sachsen.

Die heutige tschechische Ortschaft Vysoká Lipa (= Hohenleipa) gehört zusammen mit Jetřichovice (= Dittersbach), Rynatrice (= Rennersdorf) und Všemily (= Schemmel) zur politischen Gemeinde Jetřichovice. In Vysoká Lipa lebten 1961 genau 125 Bewohner.

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Jonsdorf

Die Gemeinde Jonsdorf im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Jonsdorf und der Einschicht Kuttelburg. Die Gesamtfläche betrug 466 ha. Die Hochfläche von Jonsdorf ist ein Teil des Zappenlandes, welche nach Norden zum Kamnitzbachtal (Edmundsklamm) und nach Süden zum Erbischbachtal steil abfällt. Im Norden herrscht Sandboden, im Süden schwerer Lößboden vor. Das Gemeindegebiet bestand je zur Hälfte aus landwirtschaftlichen Flächen und aus Waldboden. Die schöne Lage und die gute Waldluft machten Jonsdorf zu einer gern besuchten Sommerfrische. Der Großteil der Arbeitnehmer musste seinen Verdienst außerhalb von Jonsdorf suchen. 15 % der Bevölkerung hatten in der Land- und Forstwirtschaft ihre Existenzgrundlage, 48 % waren in den Wirtschaftsbereichen Industrie und Handwerk und 19 % in Handel und Verkehr beschäftigt.

Jonsdorf war stets zur benachbarten Pfarrei Maria Himmelfahrt in Arnsdorf eingepfarrt, die schon 1240 bestand. Die Tauf-, Trauungs- und Sterbematriken sind seit 1785 erhalten. Ältere Matriken seit 1562 sind bei dem Brand des Pfarrarchivs im Jahre 1906 verloren gegangen. Jonsdorf besaß eine Kapelle St. Johannes der Täufer von etwa 1750, jedoch ohne Gottesdienstberechtigung. Das ehemalige Dorfgericht hatte als Privilegien eine Freihufe sowie das freie Schlacht- und Backrecht.

Der Ort ist eine deutsche Rodungssiedlung und es gibt Anhaltspunkte, dass Jonsdorf 1304 unter Benedikt von Michelsberg gegründet wurde. Der Name stammt zweifellos vom Taufnamen Johann ab, der in der Tetschner Gegend zu John verkürzt wurde. Die erste bekannte urkundliche Nennung stammt von 1410 aus dem Kamnitzer Stadtbuch. Die ältesten Namen von Jonsdorfer Einwohnern sind ebenfalls im Kamnitzer Stadtbuch zu finden und lauten 1451 Nickel von der Leiten und Schuler sowie 1488 Kral. Aus dem 16. Jahrhundert sind an Namen überliefert: Richter, Erbisch, Hanke, Jäger, Uhmann, Grosse, Guth, Kühnel, Krüger, Pöhlig, Ohnesorge und Porsche. 1583 standen 16 Häuser. In der Steuerrolle von 1654 wurden für „Jonasderfl” 37 Häuser ausgewiesen. Jonsdorf hatte damals elf Bauern, zwei Gärtner und 24 Häusler (auf Gemeindegrund). Die Bauern trugen die Namen Richter, Ansorge, Erbisch, Grosse, Hanke, Jäger, Pöhlig, Porsche und Worm.

Im Jahre 1669 flohen aus Jonsdorf elf Familien mit 50 Personen, die nicht wieder katholisch werden wollten, nach Sachsen. 1713 wurden 13 Wirte und 41 Häusler nachgewiesen, zusammen standen somit 54 Häuser im Dorf. Die Bauern hießen zu dieser Zeit Richter, Erbisch, Grosse, Hanke, Porsche und Renkl. Zwei der Gärtner trugen den Namen Richter. 1787 wurden 97 Hausnummern registriert und 1833 standen 139 Häuser, in denen 852 Bewohner lebten. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1910 hatte Jonsdorf 1.124 bzw. 1.213 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Richter (kam 59 Mal vor), Dittrich, Jäger, Bienert, Dinnebier, Stelzig, Guth, Kleinpeter, Hanke, Hieke, Uhmann, Büchse, Beutel, Fischer, Grießel, Schubert, Flegl und Keßler.

Kuttelburg
Die 2 km östlich von Jonsdorf gelegene Einschicht Kuttelburg wurde um 1850 gegründet und entwickelte sich später zu einem Weiler mit fünf Häusern. Das Gasthaus „Zur Kuttelburg” war ein beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner der umliegenden Dörfer. Der Ortsname entstand dadurch, weil das erste Haus aus herumliegenden Sandsteinen („Kutteln”) erbaut worden war.

Die heutige tschechische Ortschaft Janov (= Jonsdorf) zählte am 28.08.2006 noch 263 Einwohner.

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Kamnitzleiten

Die Gemeinde Kamnitzleiten im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Kamnitzleiten und der Einschicht Grundmühle mit Ausnahme eines zu Windisch-Kamnitz gehörenden Hauses. Kamnitzleiten liegt am östlichen Rand der Hochebene des Zappenlandes, die Grundmühle dagegen im tief eingeschnittenen Tal des Kamnitzbaches. Von der Grundmühle nach Süden erstreckt sich die mit Booten schiffbare Ferdinandsklamm bis Windisch-Kamnitz. Das gesamte Gemeindegebiet von Kamnitzleiten besteht aus sandigem Untergrund und Sandsteinboden. Annähernd 60 % der 258 ha großen Gemeindefläche entfielen auf Waldungen, rund 30 % auf landwirtschaftliche Flächen und 10 % auf Felsengebiete. Die Land- und Forstwirtschaft war bis 1945 der mit Abstand stärkste Erwerbszweig und ernährte fast 40 % der Einwohner. Nur ein knappes Viertel der Bevölkerung fand ihren Haupterwerb in Industrie und Handwerk und 18 % der Einwohner waren im Bereich Handel und Verkehr beschäftigt.

Seit seiner Gründung gehörte Kamnitzleiten zur Pfarrei St. Peter und Paul in Rosendorf; die Kirchenbücher sind seit 1658 (Tauf- und Sterbebücher) bzw. 1670 (Trauungsbücher) erhalten. Der Ort gehörte ursprünglich zur Herrschaft Scharfenstein (innerhalb dieser zum Gut Hohenleipa) und kam 1562 in den Bereich der späteren Herrschaft Binsdorf und ab 1612 an die Herrschaft Kamnitz. Mit Auflösung der Grundherrschaft im Jahre 1850 gehörte die Ortschaft zunächst zu Rosendorf, bis es 1875 eine selbständige politische Gemeinde wurde.

Kamnitzleiten dürfte alle Wahrscheinlichkeit nach eine rein deutsche Rodungssiedlung aus der Zeit vom Ende des 14. Jahrhunderts sein. Noch 1654 wurde es als „Neydorf Kemniczer” also „Kamnitzer Neudorf” bezeichnet. Der Ortsname besagt, dass das neue Dorf an der Kamnitzleite, d.h. am Abhang zum Kamnitzbach, angelegt worden war (mittelhochdeutsch „lite” (Leite) = Berglehne, Talabhang). Die älteste bekannte Nennung von Kamnitzleiten datiert von 1410. In einer Urkunde von 1444/1451 wird es „Newdorf” genannt. In der Steuerrolle von 1654 hatte der Ort vier Bauern mit den Namen Adam, Dinnebier, Richter und Keßler sowie einen Gärtner und vier Häusler – zusammen also neun Häuser. 1713 gab es zehn Häuser und 1787 wurden in „Kamnitz Leite” 18 Hausnummern gezählt. 1833 lebten 161 Einwohner in 25 Häusern. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 zählte Kamnitzleiten 232 bzw. 200 deutsche Einwohner in 49 Häusern. Von 42 Familien trugen 1934 tatsächlich 21 den Namen Keßler, vier den Namen Richter und je zwei hießen Dinnbier, Fiedler und Heinrich.

Grundmühle
Die älteste bekannte Nennung der Grundmühle stammt von 1515, als ihre Zugehörigkeit zur Herrschaft Scharfenstein erwähnt wird. Die Gründung selbst dürfte aber um 200 Jahre weiter zurückliegen. Die ersten namentlich bekannten Müller waren Andreas Schöbel (1584), Christoph Schwarzer und Matthäus Schwarzer (1614). 1787 gab es vier Häuser und 1833 lebten 24 Einwohner in drei Häusern dort. Das „Chaluppengütchen” (= die Gärtnerwirtschaft) gehörte aber zur Herrschaft Kamnitz. Heute ist die früher so malerische Grundmühle völlig verfallen.

Die tschechische Ortschaft Kamenicka Stráň (= Kamnitzleiten) bildet heute zusammen mit der Ortschaft Růžová (= Rosendorf) die politische Gemeinde Růžová. Bei der Volkszählung am 02.10.2006 lebten 378 Menschen in der Gemeinde.

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Losdorf

Die Gemeinde Losdorf im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus den Ortschaften Losdorf, Falkendorf und Heidenstein. Bis Ende des 19. Jahrhunderts schloss die Katastralgemeinde Falkendorf auch das heute zu Tetschen gehörende Gomplitz ein. Die Gesamtfläche betrug 1.381 ha, davon gehörten zu Losdorf mit Heidenstein ca. 1.130 ha und zu Falkendorf ca. 250 ha. Die Ortschaften Losdorf und Heidenstein liegen auf der Südabdachung der Hochfläche des Zappenlandes in einer langgestreckten Talmulde, die vom Laubenbache durchflossen wird. Im Westen – gegen die Elbe zu – wird die Mulde vom Rosenkamm begrenzt. Falkendorf liegt südöstlich am Westhang der Doberner Höhe. Der überwiegend bewaldete Nordwesten des Gemeidegebietes besteht aus Sandboden, der südöstliche Teil mit den drei Ortschaften meist aus Lößboden. Obwohl es in der Gemeinde Losdorf keine Industriebetriebe gab, betrug der Anteil der von Land- und Forstwirtschaft lebenden Bevölkerung nur 12 %. Die Anteile an Industrie und Handwerk umfassten 40 % und an Handel und Verkehr 26 %.

Losdorf und Falkendorf waren seit ihrer Gründung nach Tetschen eingepfarrt. Heidenstein gehörte stets zur Pfarrei in Arnsdorf. Die Matriken für Losdorf und Falkendorf sind seit 1596 wie alle Tetschner Kirchenbücher und die von Heidenstein seit 1785 erhalten. Losdorf hatte eine Ortskapelle aus dem Jahre 1770 mit Zwiebelturm und Dorfglocke. Auch Falkendorf besaß eine kleine Kapelle an der Straße gegen Birkigt. Seit der Ortsgründung hatte Losdorf ein Erbgericht. Die älteste erhaltene Dorfruge von Losdorf stammt aus dem Jahre 1466 und ist damit die älteste im ganzen Kreisgebiet Tetschen. Von 1570 bis 1609 war Lorenz Kretschmer Erbrichter in Losdorf. Ob auch Falkendorf zum Gerichtsbezirk gehörte, ist nicht nachgewiesen. Heidenstein bestand damals noch nicht.

Losdorf
Der Ort ist eine deutsche Rodungssiedlung mit zweireihiger Waldhufenanlage, deren Gründung Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgt sein dürfte. Der Name Losdorf ist vom Vornamen Ludwig (= Ludwigsdorf) herzuleiten und benennt wohl den Lokator, der die Einrichtung des Dorfes leitete. Die älteste bekannte Ortsnennung erfolgte 1425 als „Ludwici villa”. Aus dem 16. Jahrhundert sind folgende Familiennamen bekannt: 1530 Püschel, 1554 Teufel und 1570 Kretschmer. Im Herrschaftsurbar von 1620 ist „Loßdorff” mit 20 Wirten und sieben Häuslern verzeichnet. Die Namen der Wirte waren Kunert, Guth, Hegenbarth, Püschel, Siebiger, Kretschmer, Lerche, Parsche und Theißig. Gemäß der Steuerrolle von 1654 gab es 19 Bauern, zwei Gärtner und sieben Häusler, insgesamt standen also 28 Häuser. Die Namen der Bauern waren Kunert, Siebiger, Püschel, Theißig, Hegenbarth, Kretschmer, Lerche, Stiegl und Süßmilch, die Namen der Gärtner lauteten Püschel und Püsche. 1713 standen 51 Häuser. 1787 hatte „Loosdorf” 74 Häuser und 1833 schon 90 Häuser mit 550 Einwohnern. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 zählte die Gemeinde 1.177 bzw. 1.310 deutsche Einwohner in 114 Häusern. Die häufigsten Familiennamen von Losdorf waren 1934 John, Kunert, Siebiger, Theißig, Kretschmer, Richter, Ahne, Lorenz, Beutel, Böhm, Krebs, Schieche, Schneider, Blumentritt, Dörre, Gautsch, Piesche und Strache.

In Losdorf steht seit 1893 das sogenannte Kudlich-Denkmal, das der Losdorfer Ortsvorsteher und Landtagsabgeordnete Laurenz Parsche, ein Freund des Bauernbefreiers Hans Kudlich (dieser stellte 1848 im Wiener Parlament den Antrag zur Aufhebung der Leibeigenschaft der Landbevölkerung) aus Losdorf Nr. 14 initiiert hatte.

Heidenstein
Heidenstein dürfte bereits im 13. Jahrhundert eine kleine Veste, vielleicht eine Wegeburg an der Gabelung der „Böhmer Straße” und des „Lausitzer Steiges” mit einem Meierhof gewesen sein und gehörte ursprünglich zur Herrschaft Scharfenstein. Wahrscheinlich stammt der Ortsname vom Familiennamen Heidenreich ab, vielleicht auch von dem hier früher sehr verbreiteten Heidekraut. Aus dem Meierhof, von dessen Gründen die Grafen Thun 1737 – 1739 Felder an Kleinbauern für eine Ansiedlung verkauften, entwickelte sich der Ort nach und nach. 1782/82 sind noch die Gebäude des „Heidensteinmayerhofes” verzeichnet, etwas nördlich davon aber war bereits „Heidensteindörfl” bzw. „Neuheidenstein” auf der Karte eingezeichnet. 1787 hatte der Ort 40 Häuser und 1833 waren es schon 58 Häuser und 341 Einwohner. 1890 wurden 359 und 1910 mit 336 etwas weniger Einwohner gezählt. Die häufigsten Familiennamen von Heidenstein waren 1934 Kunert, Lorenz, John, Theißig, Hain, Hieke, Richter, Siebiger, Baum, Dittrich, Geier, Hegenbart, Kretschmer, Parsche und Wagner.

Falkendorf
Die Entstehung von Falkendorf liegt zweifellos ebenso weit zurück wie die von Losdorf. Hier bestanden wahrscheinlich in der Frühzeit des Tetschner Gaues zwei Althöfe, die der Versorgung der Burganlage Tetschen dienten. In der Zeit der ersten deutschen Rodungsperiode ab Anfang des 13. Jahrhunderts wird es wohl zur Aufteilung der beiden Grundkomplexe auf deutsche Bauern gekommen sein. Der Name Falkendorf lässt erkennen, dass die Bewohner oder ein Teil von ihnen Bedienstete der Burg für die Falkenjagd waren. Die erste bekannte urkundliche Nennung erfolgte 1387 im Zusammenhang mit dem damals eingerichteten „Falkendorfer Priesterzins” für die Pfarre Tetschen. Aus dem 16. Jahrhundert sind von den Einwohnernamen überliefert: 1544 Prautsch, 1554 Brosche, Hübner, Teufel, Tille und Vogel, 1559 Sehackel sowie 1570 Preidel. In den Urbaren der Jahre 1620 und 1624 lauten die Namen der Wirte auf Seidel, Hübner, Hiekl, Philipp, Preidel, Sehackel und Strache. Die Steuerrolle von 1654 nennt sechs Bauern, einen Gärtner und zwei Häusler. Der Ort umfasste somit neun Häuser. Die Bauern hießen John, Preidel, Strache, Seehackel und Philipp. 1713 standen zwölf Häuser und 1787 schon 30 Häuser im Dorf. 1833 gab es unverändert 30 Häuser mit nun 194 registrierten Einwohnern. Der mit Abstand häufigste Familienname in Falkendorf war 1934 John, der 17 Mal vorkam, gefolgt von den Namen Preidel, Kriesche, Parsche, Schaloudek, Schneider und Theusser.

Gomplitz
Das kleine Dorf wird schon 1387/88 und 1395 erwähnt unter dem Namen „Gompolcz” (= Gumpoldsdorf). Die Bauern trugen im 16. Jahrhundert die Namen Töpfer, Guth und Kral (1547) sowie Nitsche, Lerche und Hieke (alle 1554). Vom Ende des 16. Jahrhunderts sind die Namen Stolz und Vogel überliefert. 1620 hatte Gomplitz zwei Bauern namens Nitsche und Stolze. 1675 wurde im Ort von den Grafen von Thun ein Gestüthof errichtet. 1787 wurde ein einschichtiges Gasthaus „Bey drey Linden” mit einem Jägerhaus und dem Gestüthof erwähnt. 1833 nannte sich der Meierhof „Gomplitz oder Gestüthof” wozu auch das Gasthaus „Drei Linden” zählte. 1890 standen vier Häuser, in denen 25 Menschen lebten. Die Eingemeindung in die Stadt Tetschen erfolgte Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem Gomplitz zeitweise zur Gemeinde Birkigt gehört hatte. Der Meierhof wurde nach dem Ersten Weltkrieg aufgelassen.

Die heutige Gemeinde Ludvíkovice (= Losdorf) hatte 1961 (zusammen mit den Ortsteilen Kámen (= Heidenstein) und Folknaře (= Falkendorf) 1.045 Einwohner. Folknaře wurde später zu Březiny (= Birkigt) eingemeindet und gehört heute (wie auch Březiny) zur Stadt Děčín als Děčín XXXVIII. Kámen ist wieder eine selbständige Gemeinde. Am 28.08.2006 hatte Ludvíkovice 776 Einwohner.

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Neu-Ohlisch

Neuohlisch
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Die Gemeinde Neu-Ohlisch im Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz bestand aus der Ortschaft Neu-Ohlisch mit den zwei Ortsteilen „Ohlischgrund” und „Ziegelofen” - eine einschichtig gelegene Ziegelei. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 235 ha. Die Gemeindefläche wird von einem Hügelland eingenommen, dessen zahlreiche Hänge und Leiten an vielen Stellen von Sandsteinfelsen durchsetzt sind. Die das Ohlischer Tal einrahmenden Berge und Felsen liegen durchwegs in anderen Gemeinden. Die anmutige und wasserreiche Landschaft um Neu-Ohlisch mit interessanter Vegetation hat den Ort schon früh zu einer gern besuchten Sommerfrische werden lassen. Knapp die Hälfte des Gemeindegebietes wurde landwirtschaftlich genutzt, die andere Hälfte war von Wald bedeckt. Das kleine Bauerndorf war seit dem 19. Jahrhundert überwiegend zu einem Wohnort von Arbeitnehmern geworden, die häufig außerhalb des Ortes in Industrie, Handwerk, Handel und Verkehr beschäftigt waren. 1939 zählte knapp 20 % der Erwerbsbevölkerung zum Bereich Land- und Forstwirtschaft, 45 % arbeiteten in Industrie und Handwerk und 15 % der Einwohner waren im Bereich Handel und Verkehr beschäftigt.

Neu-Ohlisch gehörte stets zum Kirchspiel Güntersdorf und war mit diesem nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1725 der Pfarrei Markersdorf unterstellt. Die Taufmatriken sind, wie alle Güntersdorfer Kirchenbücher, seit 1616 für die Tauf- und Sterbeeinträge sowie ab 1602 für die Trauungen vorhanden. In den Jahren 1824/25 wurde auf Initiative des Bauern Benedikt Paudler und des Handelsmannes Franz Ahne eine Gebetskapelle zur Hl. Dreifaltigkeit erbaut, die 1843/45 erweitert wurde. In ältester Zeit war Neu-Ohlisch dem Schöppengericht von Alt-Ohlisch zugeteilt, zu dem es einen Schöppen stellte. Das älteste Schöppenbuch begann 1563. Im Jahre 1760 löste Neu-Ohlisch diese alte Bindung mit Alt-Ohlisch und errichtete eine eigene, selbständige Dorfrichterei. Zu diesem Gerichtsbereich gehörten ab 1784 auch Bauscheibe und Philippinau. Bei der Einführung der modernen Gemeindegliederung 1850 wurde Neu-Ohlisch mit den genannten Ortschaften der Gemeinde Alt-Ohlisch angegliedert und erhielt erst ab 1875 seine Selbständigkeit als eigene politische Gemeinde zurück, jedoch ohne die Ortsteile Bauscheibe und Philippinau, die beiden zu Alt-Ohlisch kamen.

Neu-Ohlisch ist eine deutsche Gründung des späten 14. Jahrhunderts, die als einseitiges Reihendorf mit Waldhufen angelegt wurde. Auf Grund seines Ortsnamens ist es sehr wahrscheinlich, dass der Ort ursprünglich eine Zurodung, also eine Erweiterung von Alt-Ohlisch war. Beim Ortsnamen dürfte ein altslawischer Geländename zugrunde liegen, welcher soviel wie Erle (olse) bedeutet. Die frühesten Erwähnungen von Ohlisch im ältesten Kamnitzer Stadtbuch enthielten zunächst keine gesonderte Benennungen (Alt- bzw. Neu-) des Ortes, sondern nur die Angaben „Olusch” (1380) und „czur Olysch” (1412 und 1451). 1563 waren die Familien Kühnel, Stelzig, Bendel, Böhm und Krombholz in Neu-Ohlisch wohnhaft. Bald darauf besaß ein Valentin Fritsche die Sandschenke (Nr. 10). In der Steuerrolle von 1654 wurden in „Nowa Olyss” 17 Häuser registriert; die Familiennamen der Wirte waren überwiegend die gleichen wie 100 Jahre vorher, jedoch gab es die Kühnel und Krombholz nicht mehr, während Mühln, Großer und Dörre neu auftraten. 1713 waren die Namen der Bauern Mühln, Gautsch, Böhm, Dörre, Ahne und Bendel. 1747 wurden die Flurgrenzen zwischen Alt- und Neu-Ohlisch festgelegt und 1760 erfolgte die Trennung der beiden Orte. Von diesem Zeitpunkt an waren Bauscheibe und Philippinau mit Neu-Ohlisch vereinigt und kamen erst 1850 zu Alt-Ohlisch. 1787 standen 39 Häuser im Dorf und bis 1833 war die Zahl der Häuser auf 48 gewachsen; die Einwohnerzahl betrug 282. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1880 hatte der Ort 284 bzw. 360 Einwohner. Die Zahl ging dann ab 1890, wo Neu-Ohlisch 337 Bewohner hatte, wieder allmählich zurück. Die häufigsten Familiennamen in Neu-Ohlisch waren 1934 Tschakert, Richter, Ahne, Marschner, Grams, Patzelt, Kunert, Mühln, Finke, Richter und Weber. Die am längsten auf ihren Höfen sitzenden Bauernfamilien waren Mühln Nr. 1 (seit 1610), Dörre Nr. 4 (seit 1635) und Ahne Nr. 6 (seit 1696).

In Neu-Ohlisch wurde 1830 der Glasmaler Josef Ahne geboren, der durch seine ausgezeichneten Glas- und Porzellanmalereien bekannt wurde und seine Werkstatt in Steinschönau betrieb. 1873 und 1878 war er auf den Weltausstellungen in Wien und Paris beteiligt. Auch seine Söhne Gustav und Theodor (beide in Steinschönau geboren) waren hervorragende Glaskünstler.

Die tschechische Ortschaft Nová Oleška (= Neu-Ohlisch) bildet heute zusammen mit Stará Oleška (= Alt-Ohlisch), Huntířov (= Güntersdorf) und Františkův Vrch (= Franzberg) die politische Gemeinde Huntířov. 1961 lebten 102 Einwohner in Nová Oleška. 2006 wohnten 728 Menschen in der Gesamtgemeinde.

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Rosendorf

Rosendorf
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Die Gemeinde Rosendorf im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Rosendorf und den Ortsteilen Neudorf, Neue Welt und Rosenberg. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 1.529 ha. Die langgezogene Talmulde von Rosendorf auf der Hochebene des „Zappenlandes” wird im Osten vom Hutberg, im Südosten vom Gutsimsberg, im Süden vom Petersberg mit Windmühle und im Westen von einem Hügel eingeschlossen. Während die flachen Kegel aus Basaltgestein bestehen, herrschen auf der Hochebene der Sandstein und Sandboden vor. Lößboden ist nur teilweise vorhanden. Der mächtige Rosenberg selbst besteht aus Basalt auf Sandsteinunterlage und bietet mit seinen 618 m Höhe eine herrliche Rundsicht und wurde wegen seiner eindrucksvollen Gestalt auch „Nordböhmischer Olymp” genannt. Das Gemeindegebiet bestand zu gut 50 % aus landwirtschaftlichen Flächen und zu 40 % aus Wald. Trotz der im 19. Jahrhundert eingetretenen Landflucht befanden sich in Rosendorf bis 1945 noch 35 % der Bevölkerung in land- und forstwirtschaftlichen Berufen. Die Wirtschaftsbereiche Industrie und Handwerk beschäftigten 37 % und Handel und Verkehr 13 % der Einwohner.

Rosendorf war schon 1352 Pfarrei. Ab 1562 wurde es von protestantischen Pastoren verwaltet und wurde nach der Rekatholisierung 1647 als Filiale der Pfarrei Arnsdorf unterstellt. Erst 1786/87 wurde Rosendorf wieder zur selbständigen Pfarrei erhoben. Eingepfarrt waren außer Rosendorf mit allen Ortsteilen auch Stimmersdorf, Rainwiese, Kamnitzleiten, Grundmühle und Edmundsklamm. Ursprünglich besaß Rosendorf ein Erbgericht, später eine Dorfrichterei. Von 1849 bis 1875 gehörte die Ortschaft Kamnitzleiten zur politischen Gemeinde Rosendorf.

Rosendorf ist eine deutsche Rodungssiedlung aus der Zeit zwischen dem Ende des 12. Jahrhunderts bis etwa 1300 und wurde als zweireihiges Waldhufendorf angelegt. Der Ort lag damals an der sogenannten „Böhmerstraße” von Bautzen nach Tetschen. Der Ortsname stammt vermutlich von dem mittelhochdeutschen Wort „rosze” (= steil). Auch wenn der Ort selbst ziemlich eben liegt, so hat doch der mächtige Rosenberg beachtlich steile Hänge. Es liegt nahe, dass der Name dieses markanten Berges namengebend für den Ort wurde. Die älteste bekannte urkundliche Nennung erfolgte in den Papstzehentregistern, in denen 1352 „Rosndorf” auftaucht. Als älteste überlieferte Familiennamen sind für 1393 Schubert und Lindner bekannt. Weitere Namen sind für 1530 Dinnebier und Keßler, 1570 Enderlin, Keil, Mühlhansel und Pablenz, 1573 Weber, 1576 Brehmer, 1587 Fürtig und 1598 Czirnstein. Nach der Steuerrolle von 1654 hatte Rosendorf 45 Häuser. Die Bauern hießen Guth, Fiedler, Hille, Keßler, Wurm, Zumpe, Fischer, Hegenbarth, Michel, Richter, Schubert, Baltzer, Becher, Bendel, Brehmer, Dietz, Dinnebier, Füger, Köpert, Kleinpeter, Kühnel, Mitscherling und Wagner. 1713 gab es 76 Häuser in der Gemeinde, 1787 waren es 174 Häuser und 1833 schon 216 Häuser mit 1.386 Einwohnern. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte Rosendorf 1.657 bzw. 1.643 deutsche Bewohner. Wegen der Abwanderung zu gewerblichen Arbeitsplätzen erfolgte ein langsamer Bevölkerungsrückgang. Die beiden charakteristischen Familiennamen waren 1934 Schubert und Richter, die 24 bzw. 22 Mal im Ort vorkamen. An Häufigkeit folgten Ettrich, Fiedler, Seidel, Weigel, Keßler, Winter, Dittrich, Hille, Kleinpeter, Ritschel, Scherze, Hegenbarth, Uhmann, Beutel, Brehmer, Dinnebier, Peche, Raubach, Wenzel, Bendel, Fritsche, Guth, Hieke und Jäger.

Neudorf und Neue Welt
Der Ortsteil Neudorf am Abhang des Hutberges wurde 1786 gegründet. 1833 standen 23 Häuser, in denen 151 Einwohnern lebten. Die Siedlung „Neue Welt”, ein weiterer Ortsteil von Rosendorf, entstand erst im 19. Jahrhundert.

Libinsdorf
Im Jahre 1789 wurde auf der Böhmisch-Mährischen Höhe in der Nähe von Iglau der Ort Libinsdorf durch Siedler aus dem Zappenlande angelegt, von denen die meisten davon, nämlich 20 Familien, aus Rosendorf stammten. Die Siedler und ihre Nachkommen hatten ihre deutsche Muttersprache teilweise bis 1945 erhalten.

Die tschechische Gemeinde Růžová (= Rosendorf) umfasst heute auch den Ort Kamenicka Stráň (= Kamnitzleiten). 1961 hatte die Ortschaft Růžová 377 Einwohner. Bei der Zählung am 02.10.2006 wurden 378 Einwohner in beiden Ortschaften registriert.

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Schemmel

Schemmel mit Folge   Schemmel
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Die Gemeinde Schemmel im Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz bestand aus der Ortschaft Schemmel sowie den weilerartigen Ortsteilen Vordere, Hintere und Niedere Folge, die meist zusammen als „Schemmler Folgen” bezeichnet wurden. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 485 ha. Die Gemeinde liegt beiderseits des Unterlaufes des Kreibitzbaches. In und um Schemmel prägen zahlreiche malerische Sandsteinfelsbildungen das Landschaftsbild. Den nördlichen Teil des Gebietes nimmt ein Bergland mit Hochflächen ein, das nach Norden und Westen steil und felsig abfällt. Das Gemeindegebiet wurde zu 49 % forstwirtschaftlich und zu 43 % landwirtschaftlich genutzt. Schemmel ist bis 1945 ein echtes Bauerndorf geblieben, was in dem relativ hohen Anteil von 35 % der Erwerbstätigen im Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft zum Ausdruck kommt. Der auf Industrie und Handwerk entfallende Bevölkerungsteil lag bei über 40 %. Im Bereich Handel und Verkehr waren 6 % der Einwohner tätig. Eine kleine wirtschaftliche Belebung im Ort brachte die Errichtung eines Kindererholungsheimes der Gemeinde Nestomitz Ende der 1920er Jahre. Eine besondere Sehenswürdigkeit stellt auch heute noch die Felsenkapelle mitten im Ort dar, die in einem freiliegenden Felsblock eingehauen wurde. Der Innenraum ist 12 bis 16 Schritte lang und fasst zwei Bankreihen mit je fünf Bänken.

Schemmel gehörte schon im 14. Jahrhundert zur Pfarrei St. Wenzel in Windisch-Kamnitz und wurde ab 1630 wie der ganze Pfarrsprengel von Windisch-Kamnitz durch die Stadtpfarrei St. Jakob in Böhmisch Kamnitz betreut. 1775 wurde es der in Windisch-Kamnitz neu geschaffenen Filialkirche zugewiesen, die 1856 wieder zu einer selbständigen Pfarrei erhoben wurde. Die Matriken für Schemmel sind wie alle Windisch-Kamnitzer Kirchenbücher seit 1712 erhalten. Für die vorherige Zeit finden sich Eintragungen in den 1630 beginnenden Matriken von Böhmisch Kamnitz. Seit seiner Gründung hatte Schemmel ein Erbgericht, welches 1381 im Kamnitzer Stadtbuch erwähnt ist. Später - bis 1849 - bestand ein Ortsgericht.

Allem Anschein nach ist Schemmel eine deutsche Rodungssiedlung vom Anfang des 14. Jahrhunderts. Nicht auszuschließen ist, dass bei der deutschen Gründung eine in der Nähe gelegene ältere Kleinsiedlung wendisch-sorbischer Herkunft in den neuen Ort mit aufgenommen wurde und den Namen gab. Die bisherigen Erklärungen des Ortsnamens lassen auf einen von den deutschen Siedlern übernommenen altwendischen Personennamen „Vschemil” schließen. Die älteste urkundliche Nennung lautet 1381 „Schemel” im Kamnitzer Stadtbuch. An Familiennamen sind aus dem 14. bis 16. Jahrhundert überliefert: 1381 Milner, Mulner, Swab, Budezicz, Haschke, Koldicz, 1465 Schuster und Engilhart, 1555 Grißmann sowie 1556 Christoph Grüßel. In der Steuerrolle von 1654 ist „Ssemel” mit 24 Häusern verzeichnet. Die Bauern hießen Grüßel, Michel, Wagner, Hieke, Rütschel und Vatter, der einzige Gärtner hatte den Namen Kreibich. 1713 standen 30 Häuser in Schemmel, 1787 gab es 54 Häuser und 1833 schon 81 Häuser und 477 Einwohner. Nach den Volkszählungen von 1869 bzw. 1890 hatte der Ort 558 bzw. 510 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Fiedler, Günther, Röllig, Grüßel, Rößler, Wagner, Niklaus, Vater und Zeckert.

Weiler Schemmler Folgen
Der Flurname „Folgen” ist seit dem 16. Jahrhundert in Schemmel belegt. Wahrscheinlich kam es seit der Mitte des 18. Jahrhunderts auf den Folgenfluren zur Errichtung von sechs selbständigen Gärtnerstellen, die in drei Gruppen angeordnet waren: Vordere, Hintere und Niedere Folge.

Die heutige Ortschaft Všemily (= Schemmel) gehört zusammen mit Jetřichovice (= Dittersbach), Rynartice (= Rennersdorf) und Vysoka Lipá (= Hohenleipa) zur politischen Gemeinde Jetřichovice. Všemily hatte 1961 nur noch 113 Bewohner.

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Stimmersdorf mit Rainwiese

Stimmersdorf: Blick auf Flügelwände und Gabrielensteig   Stimmersdorf: Blick auf Rosenberg
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Die Gemeinde Stimmersdorf im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Stimmersdorf und der einschichtigen Sommerrestauration Edmundsklamm sowie der Ortschaft (früher Einschicht) Rainwiese. Die Gesamtfläche der Gemeinde belief sich auf 1.038 ha. Stimmersdorf liegt inmitten der Böhmischen Schweiz und ist bis heute wegen seiner landschaftlichen Schönheit und seines Waldreichtums ein beliebtes touristisches Ziel und ein lohnendes Erholungsgebiet. Im nördlichen Teil, entlang der sächsischen Grenze, liegen reizvolle Sandsteinfelsbildungen, zwischen denen zahlreiche Schluchten, die „Gründe”, eingeschnitten sind. Durchquert wird dieses Wald- und Felsengebiet in west-östlicher Richtung von dem beim Prebischtor beginnenden „Gabrielensteig” und in nord-südlicher Richtung von dem schon im 16. Jahrhundert bekannten, aus dem Kirnitzschtal in Sachsen kommenden „Großen Zschandweg”, von dem der „Stimmersdorfer Steig” nach Osten abzweigt. Auf der diesem Bergland im Süden vorgelagerten Hochfläche befindet sich die Ortschaft Stimmersdorf und der Luftkurort Rainwiese. Das Stimmersdorfer Plateau fällt nach Süden rund 200 m steil in die Schlucht des Kamnitzbaches ab und bildet hier die Klammen. Die 1 km lange Kahnpartie durch die seit 1890 öffentlich zugängliche Edmundsklamm beginnt beim sogenannten „Hohl”, wo die Felswände beiderseits des Baches bis zu 100 m hoch aufragen. Die markantesten Stellen der wildromantischen und durch erhabene Stille beeindruckenden Edmundsklamm sind die Mittelwände, der „Dastel” (mit Wasserfällen), der Leiertump, die Klammfamilie und der Schellheger. Das Gemeindegebiet war zu gut 80 % bewaldet, 8 % waren landwirtschaftlich genutzt und 9 % unproduktives Felsengebiet. Über 50 % der Bevölkerung war 1939 in Industrie und Handwerk beschäftigt, 30 % gehörten dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft und ebenfalls 30 % dem Bereich Handel und Verkehr an. Viele Bewohner waren auch, bedingt durch ein großes Gästeaufkommen, im Dienstleistungsbereich beschäftigt.

Stimmersdorf gehörte stets zum Pfarrsprengel Rosendorf und war nur in der Zeit von 1632 bis 1786 der Pfarrei in Arnsdorf angeschlossen. Von den Matriken sind die Tauf- und Sterbebücher seit 1658 und die Trauungsbücher seit 1670 erhalten. Bis 1850 bestand eine Dorfrichterei in Stimmersdorf.

Stimmersdorf
Stimmersdorf ist ein Rodungsdorf, das wahrscheinlich in der Spätzeit des deutschen Landausbaus zwischen 1350 und 1400 gegründet wurde, als zu dieser Zeit nur mehr wenige für eine landwirtschaftliche Nutzung geeignete Flächen vorhanden waren. Die Ansiedlung könnte von Rosendorf oder Jonsdorf aus erfolgt sein. Rainwiese dürfte seine Entstehung der Salhausen` schen oder Bünau` schen Waldwirtschaft im 16. Jahrhundert verdanken. Nach örtlicher Überlieferung existierte dort schon 1629 eine Försterei. Der Ortsname ist bisher nicht zu klären. Ob „Stimmer” auf einen Personennamen zurückzuführen ist oder ob dafür die Wörter „Stamm” (Mehrzahl Stämme), „stemmen” oder „Stumpf” (Mehrzahl „Stümpfe” – mundartlich „Stümpe”) eine Rolle gespielt hat, ist bisher nicht zu ermitteln gewesen. Rainwiese bedeutet „Grenzwiese” und meint die Abgrenzung des Gutes Hohenleipa von dem Besitz der Herrschaft Scharfenstein (bei Bensen). Die Erwähnung dieser Grenzfunktion ist für 1562 und 1583 überliefert. Die älteste bekannte Nennung von „Stymmersdorff” auf einer Urkunde im Dresdner Archiv stammt von 1446. Von 1583 ist der Familienname Keßler überliefert. Die Steuerrolle von 1654 verzeichnet insgesamt acht Gärtner und einen Häusler, also neun Häuser. Die Gärtner trugen die Namen Dünnbier, Ettrich, Hertig, Jäger und Keßler. 1713 hatte Stimmersdorf 15 Häuser. 1787 wurden 33 Hausnummern gezählt. 1833 wohnten 349 deutsche Einwohner in 46 Häusern (ohne Rainwiese, dafür mit Schule und Wirtshaus). 1842 wütete im Stimmersdorfer Forstrevier 14 Tage lang ein Waldbrand, dem rund 200 ha Wald zum Opfer fielen.

Rainwiese
Wann die erste ständige Ansiedlung entstand, ließ sich bisher nicht feststellen. 1742 wurde im Ziegengrund bei Rainwiese der letzte Luchs im Tetschner Gebiet erlegt. 1781/82 ist das Forsthaus mit dem Namen „Rainwiese” verzeichnet. Bald darauf kam das 1833 erwähnte „Gränzzollaufseherhaus” hinzu. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt die Örtlichkeit mit ihren zwei Häusern und rund zehn Einwohnern als Einschicht. Erst nachdem 1892 vom Fürsten Edmund Clary-Aldringen das Grandhotel Rainwiese mit 35 Fremdenzimmern, Bibliothek, Solbädern und anderen Einrichtungen gebaut wurde, entwickelte sich Rainwiese zu einem viel besuchten Luftkurort, der zur Nachkur von Aufenthalten in Karlsbad, Marienbad und Franzensbad empfohlen wurde. Bis 1945 bestand die Ortschaft aus vier Häusern, darunter das Hotel und das Forsthaus und hatte etwa 25 Einwohner.

Nach den Volkszählungen von 1869, 1890 und 1900 hatte die Gemeinde Stimmersdorf mit Rainwiese 402 bzw. 389 bzw. 422 deutsche Einwohner. Der mit Abstand häufigste Familienname in Stimmersdorf im Jahre 1934 war Ettrich, den 21 Familien trugen. Es folgten in der Häufigkeit Hille, Kleinpeter, Keßler, Nowak, Richter und Philipp.

Die tschechische Gemeinde Mezná (= Stimmersdorf) hatte 1961 einschließlich dem zugehörigen Mezni Louka (= Rainwiese) 80 Einwohner. Heute gehören die beiden Ortschaften zur politischen Gemeinde Hřensko (= Herrnskretschen).

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Windisch-Kamnitz

Windisch-Kamnitz   Windisch-Kamnitz mit Rosenberg   Windisch-Kamnitz
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Die Gemeinde Windisch-Kamnitz im Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz bestand aus der Ortschaft Windisch-Kamnitz mit den Ortsteilen Katzenberg, Rübengasse und Bornschlichte sowie dem einschichtigen Ortsteil Grundmühle, von dem aber nur ein Haus zu Windisch-Kamnitz gehörte (die anderen Häuser waren nach Kamnitzleiten eingemeindet). Die Gesamtfläche betrug 1.174 ha, die Gemeinde war damit eine der großflächigsten des gesamten Kreises Tetschen. Windisch-Kamnitz besitzt eine anmutige Lage in einem breiten, in nord-südlicher Richtung verlaufendem Wiesental. Im Westen wird es durch Hänge begrenzt, oberhalb derer sich die meisten Wirtschaftsstreifen der Bauern befanden und an die sich die Wälder des Rosenberges anschließen. Im Osten ist die Begrenzung des Tales felsig, sodass nur vier Wirtschaftsstreifen Platz fanden. Landschaftlich sehr reizvoll ist die Ferdinandsklamm mit der seit 1881 bestehenden Bootsfahrt. Die Klamm wird von der Dostwand, dem Hickschen- und Teufenstein sowie der Schwarzen Teufe eingeschlossen. Die Benennung der Klamm erfolgte nach dem Grafen Ferdinand Kinsky, dem damaligen Besitzer der Domäne Böhmisch Kamnitz. Das Gemeindegebiet wurde zu 35 % landwirtschaftlich genutzt und war zu 60 % bewaldet. Trotz der fehlenden Industriebetriebe war Windisch-Kamnitz 1945 kein reines Bauerndorf mehr. Auf den Bereich Land- und Forstwirtschaft entfielen 20 % der Bevölkerung, Industrie und Handwerk umfassten knapp 50 % und zu Handel und Verkehr zählten 13 % der Einwohner.

Die Pfarrei St. Wenzel in Windisch-Kamnitz wurde spätestens Ende des 13. Jahrhunderts gegründet und ist seit 1352 urkundlich nachgewiesen. Ab 1630 wurde die Pfarrei von der Stadtkirche in Böhmisch Kamnitz aus administriert. 1654 galt sie als Filiale der Stadtpfarrei. Seit 1761 wirkte ein „exponierter Kaplan” und 1856 wurde Windisch Kamnitz wieder zur selbständigen Pfarrei erhoben. Die Matriken sind durchwegs von 1712 an erhalten. Für die vorherige Zeit befinden sich Eintragungen in den 1630 beginnenden Kirchenbüchern von St. Jakob in Böhmisch Kamnitz. In alter Zeit bestand ein Erbgericht, 1488 war ein Bartil Weydel als Richter tätig. Für das 16. Jahrhundert ist eine Dorfruge bezeugt.

Windisch-Kamnitz ist seiner Ortslage nach ein zweireihiges Waldhufendorf aus der Zeit der mittelalterlichen deutschen Siedlungstätigkeit und entstand vermutlich um das Jahr 1300 an der Stelle einer schon bestehenden Kleinsiedlung, die als Wegestation am Lausitzer Steig eingerichtet war. Nach einer Überlieferung soll schon 1015 eine kleine Ansiedlung bestanden haben. Der Name könnte auf die hier siedelnden Wenden (= Sorben) hindeuten. In den ältesten schriftlichen Nachweisen, den Papstzehentregistern von 1352 bis 1405 heißt es „Slavica Kamenicz“. Das älteste Kamnitzer Stadtbuch benennt folgende Namen aus Windisch-Kamnitz: Engelhardt (1381), Milner und Peiker (1382), Kreusel (1387), Vater (1393), Lorenz (1406), Kny, Molner, Micksch und Rencze (1451), Kreuche und Hampe (1482), Vater, Koschik und Weydel (1488) sowie Menzel (1500). Von 1555 sind die Einwohner Hofmann und Krompholz überliefert. In der Steuerrolle von 1654 sind 25 Bauern, sieben Gärtner und 13 Häusler verzeichnet. Die Familiennamen der Bauern lauteten Michel, Füller, Hackel, Kny, Kühnel, Lößel, Bieber, Zeckert, Lorenz, Rentsch, Pilz, Wagner, Hanke, Krahl, Sturm, Hickisch und Böhml. Die Gärtner hießen Hocke, Michel, Kühnel, Hübel und Kreibich. 1713 hatte Windisch Kamnitz 32 Wirte und 26 Häusler, zusammen also 58 Häuser. 1787 gab es 113 Häuser und 1833 schon 151 Häuser mit 869 Einwohnern. Die Volkszählungen von 1869 und 1890 wiesen 1.044 bzw. 1.090 durchwegs deutsche Einwohner aus. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Kny, Richter, Wagner, Fiedler, Hackel, Tietze, Zekert, Michel, Pilz, Füller, Kühnel, Büchse, Dittrich, Storm, Heinrich, Hickisch, Hofmann, Mildner, Schubert, Wonka, Beutel, Vater, Bayer, Bendel, Hanke, Palme und Thomas.

Nach dem tschechischen Gemeindeverzeichnis von 1965 hatte die Gemeinde Srbská Kamenice (= Windisch-Kamnitz) 329 Einwohner, die in 88 Häusern lebten. Am 28.08.2006 bevölkerten nur noch 210 Menschen den Ort.

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