Wernstadt

Biebersdorf

Reichen

Schönau

Wernstadt

Blankersdorf

Tschiaschel

 

 

 

Biebersdorf

Die Gemeinde Biebersdorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der Ortschaft Biebersdorf und der kleinen Ortschaft Groß-zinken mit dem Zinkensteinhaus (bzw. Tetschner Baude). Die in der Nähe des Zinkensteins gelegene Einschicht Zinkenbauer gehörte zur Ortschaft Althummel der Gemeinde Saubernitz im Kreis Aussig. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 619 ha, wobei 555 ha auf Biebersdorf und 64 ha auf Großzinken entfielen. Biebersdorf liegt im höchsten Teil des Biebertales, nahe beim Ursprung des Bieberbaches. Die höchste Erhebung der Umgebung ist der im Westen gelegene Zinkenstein (684 m). Die beiden Orte hatten bis 1945 eine ausgesprochen ländliche Struktur mit Acker- und Grünlandnutzung sowie starker Viehhaltung. Dem Bereich Land- und Forstwirtschaft waren knapp 60 % der Bevölkerung zugehörig, von Industrie und Handwerk lebten knapp 24 % der Einwohner. Im Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr waren nur 5 % der Erwerbstätigen tätig. Die meisten Arbeiter waren in Bensen und Tetschen-Bodenbach beschäftigt. Eine handwerkliche Tradition im Ort war das Korbflechten im Winter.

Biebersdorf gehörte stets zur Pfarrei St. Bartholomäus in Reichen. Die Matriken sind seit 1784 erhalten. Ältere Eintragungen sind seit 1669 in den Wernstädter Kirchenbüchern zu finden. Das älteste erhaltene Grundbuch stammt aus der Zeit von 1651 bis 1670. Gemäß seiner Anlage als zweireihiges Waldhufendorf ist Biebersdorf eine Ansiedlung, die im Zuge des deutschen Landausbaus im 13. Jahrhundert entstand. Die ältesten bekannten urkundlichen Nennungen bietet die tschechisch geführte Landtafel; sie datieren von 1421, 1543 und 1573 („Przibram”). Ab 1567 und 1575 taucht die Namensform „Bibersdorff”, „Bybersdorf” und „Biberstorf” auf. 1591 erscheint im Mertendorfer Schöppenbuch für „Biberstorf” der Familienname Schneider. 1654 hatte Biebersdorf, das im Dreißigjährigen Kriege arg zu leiden hatte, 21 Bauernstellen, davon sechs „wüst” (= unbesetzt) gelegene sowie zehn Gärtner- und drei Häusleranwesen. Somit standen 34 Häuser im Ort. 1697 lauteten die Hausbesitzer Redlich, Ehrlich, Kusebauch, Trautsch, Stahr, Dinnebier (seit 1570 im Ort ansässig), Riedel, Tausch, Prautsch, Staude, Ringel, Tutte, Richter, Weber, Senger, Wagner, Harm, Panke, Fiedler und Dörffler. 1713 gab es im Ort 35 Wirte und 16 Häusler, also insgesamt 51 Häuser. 1787 hatte Biebersdorf (das seit 1760 dem Grafen Pachta auf Drahobus gehörte) 94 Hausnummern und 1833 schon 114 Häuser, in denen 636 Menschen lebten. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 zählte die Ortschaft 654 bzw. 650 deutsche Einwohner. Einschließlich Groß-Zinken waren es in der gesamten Gemeinde 692 bzw. 685 Einwohner. Aufgrund der fehlenden Industrie gingen die Einwohnerzahlen dann allmählich auf 526 Bewohner im Jahre 1939 zurück.

Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Fiedler, Schneider, Redlich, Richter, Tröster, Weigel, Kusebauch, Prautsch, Ehrlich, Bönisch, Heller, Riedel, Staude und Zaschke.

Großzinken
Obwohl erstmals 1622 urkundlich datiert, dürfte die kleine Ortschaft als Spätrodung in der Zeit nach den Hussitenkriegen und vor 1500 angelegt worden sein. Ursprünglich gehörte das Dorf zur Herrschaft Scharfenstein und kam 1511 an die Herrschaft Liebeschitz. Kirchlich gehörte Großzinken stets zur Pfarrei Reichen. Über den Namen gibt es verschiedene Versionen, so die Ableitung von „Stinka” (d.h. von „stena” = Felswand der nahen Vogelsteine) oder von „stenice” (= Wanze). 1654 hatte Groß-zinken sechs Häuser. 1713 wohnten im „Dörffl Zinken” sechs Wirte, deren Namen Hanke, Riedel, Richter, Rößler, Sander und Wurm lauteten. 1787 hatte Großzinken ebenfalls sechs Hausnummern und 1833 standen acht Häuser, in denen 48 Einwohner lebten, die sich vorwiegend durch Flachsbau und Spinnerei ernährten. Davon entfielen aber zwei Häuser mit etwa 12 Einwohnern auf das um 1780 angelegte und später nach Reichen eingemeindete Kleinzinken, sodass Großzinken allein sechs Häuser und 36 Einwohner zählte. Nach den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte Großzinken 38 bzw. 35 deutsche Bewohner. 1934 verzeichnet das Adressbuch zehn Familien, wovon vier Familien den Namen Richter trugen.

Das tschechische Přibram (= Biebersdorf) hatte 1961 nur 160 Einwohner und ist keine eigenständige Gemeinde mehr, sondern gehört mit Rychnov (= Reichen), Rytířov (= Rittersdorf), Loučky (= Schönau) und Časlav (= Tschiaschel) zur Gemeinde Verneřice (= Wernstadt). Großzinken ist heute nicht mehr bewohnt.

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Blankersdorf

Die Gemeinde Blankersdorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der Ortschaft Blankersdorf und der einschichtig unterhalb des Dorfes gelegenen Blankersdorfer Mühle. Früher wurde in einem Liebeschitzer Teil und einen Ploschkowitzer Teil unterschieden. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 455 ha. Das Gemeindegebiet nimmt eine Talmulde ein, die sich von Süden nach Norden neigt. Die Gesamtfläche der Gemeinde wurde zu über 80 % landwirtschaftlich genutzt, nur gut 10 % entfielen auf Waldflächen. Bis 1945 war Blankersdorf auch ein echtes Bauerndorf geblieben und bis zur Volkszählung von 1939 gehörten 54 % der Bevölkerung dem Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft an. Der Anteil der in Industrie und Handwerk Beschäftigten betrug gut 30 %, während in Handel und Verkehr nur knapp 5 % Erwerbstätige waren.

Blankersdorf gehörte seit altersher zum Kirchsprengel Reichen und deren Pfarrei St. Bartholomäus und war deshalb auch mit der Mutterkirche in Reichen zwischen 1621 und 1787 als Fililkirche zur Pfarrei Wernstadt angegliedert. Die Matriken sind seit 1784 erhalten, ältere Eintragungen finden sich in den Wernstädter Matriken ab 1669. Blankersdorf hatte eine alte Kapelle mit Bildstock. Als altes Waldhufendorf hatte Blankersdorf auch ein freies Erbgericht, vielleicht sogar ein Edelgut. Als der Ort im 16. Jahrhundert auf zwei Grundherrschaften aufgeteilt wurde, bestanden sogar zwei Erbgerichte im Dorf. Ab 1680 wurde der Koblitzer Teil dem Ortsrichter von Schönau zugeteilt.

Blankersdorf ist eine deutsche Rodungssiedlung, die wahrscheinlich im 13. Jahrhundert entstanden ist. Der Ortsname dürfte auf den deutschen Personennamen „Blankart” oder „Blankhart” zurückgehen, dessen Träger vermutlich der Lokator, also der Ortsgründer, war. Die ältesten urkundlichen Erwähnungen in den tschechisch geführten Zentralarchiven lauten 1427, 1454 und 1543 (für 1532) „Blankarticze” und „Plankarticze”. 1567 steht im Auscha-Wernstädter Urkundenbuch „Blanckersdorff”. Gemäß der Steuerrolle von 1654 waren in Blankersdorf auf dem Liebeschitzer (seiner Zeit Niederkoblitzer) Teil acht Bauern, fünf Gärtner und fünf Häusler und auf dem Ploschkowitzer Teil acht Bauern, drei Gärtner und sieben Häusler ansässig - insgesamt bestanden also 36 Häuser. 1713 gehörten zum Liebeschitzer Teil 24 Häuser und zum Ploschkowitzer Teil 26 Häuser - insgesamt wies der Ort somit 50 Häuser aus. Die Familiennamen der Bauern des Liebeschitzer Teils lauteten Heller, Röllich, Schubert, Wagner und Wurm. 1787 hatte Blankersdorf 92 Hausnummern und 1833 standen 105 Häuser, in denen 560 Einwohner lebten. Davon entfielen 55 Häuser mit 304 Einwohnern auf den Liebeschitzer Teil. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte Blankersdorf 654 bzw. 571 deutsche Einwohner.

Die häufigsten Familiennamen in Blankersdorf waren 1934 Fiedler, Wagner, Wurm, Hanke, Heller, Hortig, Schuberth, Bendel, Böhm, Jänich, Krause, Redlich, Hahn, Klein, Richter, Roschig, Storch, Weigel und Wolf.

Die tschechische Ortschaft Blankartice (= Blankersdorf) hatte 1961 genau 137 Einwohner. Heute bildet die Ortschaft zusammen mit den Orten Heřmanov (= Hermersdorf) und Vojtovice (= Voitsdorf) die politische Gemeinde Heřmanov, in der 2006 knapp 500 Menschen lebten.

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Reichen

Reichen
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Die Gemeinde Reichen im ehemaligen Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der Ortschaft Reichen und dem einschichtigen Ortsteil Klein-Zinken. Vor dem Ersten Weltkrieg galt auch die aus zwei Häusern bestehende Einschicht „Weigl” im amtlichen Gebrauch als eigener Ortsteil. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 687 ha. Das Gemeindegebiet liegt auf der Reichen-Munkerer Hochebene zwischen 450 m und 680 m Meereshöhe. Zu gut 80 % wurde das Gebiet landwirtschaftlich genutzt, auf Waldflächen entfielen 13 %. Die Böden bestehen gegen Süden aus einem Gemisch von Lehm und Sand, das sehr steinig ist und gegen Nordosten aus einem Gemisch von Lehm und Letten, das zwar sehr fruchtbar, aber schwer zu bearbeiten ist. Bis 1945 war Reichen rein agrarisch geblieben, denn 40 % der Bevölkerung lebten von der Land- und Forstwirtschaft. 43 % gehörten zu Industrie und Handwerk und 6 % der Einwohnerschaft war im Bereich Handel und Verkehr tätig.

Die Pfarrei Reichen dürfte im 13. Jahrhundert gegründet worden sein. Ab 1621 war Reichen eine Filialkirche von Wernstadt und wurde erst 1787 wieder selbständig. Seit jeher gehörten die Orte Biebersdorf mit Groß-Zinken und Blankersdorf sowie später auch Klein-Zinken zum Pfarrsprengel. Die Matriken sind seit 1784 erhalten, ältere Eintragungen finden sich in den Wernstädter Matriken ab 1669. Die Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde 1713 auf Veranlassung der Kirchenpatronin Fürstin Wilhelmine von Lobkowitz in einfachem Barock neu erbaut. Die seit 1945 verfallende Kirche wurde 1975 abgerissen. Seit 1792 gab es auch eine Kapelle im Ort.

Früher bestand in Reichen ein altes Erbgericht, vermutlich im „Weigelhof” Nr.16, der östlich von Ober-Reichen etwas abseits in Richtung Wernstadt stand. Dieses große Bauerngut war ursprünglich der Freihof des Ortes, von diesem Bauernhof stammt ein Großteil der Weigel- und Weigl-Familien der ganzen Umgebung ab. Vom 18. Jahrhundert bis 1849 war das Ortsgericht beim Hof Nr. 1 (Palme). Das Marktrecht erhielt Reichen 1803. Das Wappen von Reichen, das im Siegel des Bürgermeisters geführt wurde, stellt auf rotem Grund einen von rechts nach links schreitenden weißen doppelschwänzigen Löwen dar, welcher ein Schwert senkrecht in den Pranken hält.

Reichen ist eine deutsche Rodungssiedlung mit zweireihiger Waldhufenanlage aus der Blütezeit des Landausbaus Mitte des 13. Jahrhunderts. Nicht ganz auszuschließen ist, dass neben den deutschen auch einige Siedler slawischer Herkunft aus Innerböhmen mit angesetzt worden waren. Einzelne der ältesten überlieferten Familiennamen aus dem Reichener Grundbuch von 1590 bis 1614 scheinen darauf hinzuweisen – so Rozyk, Grycyl, Sehak und Wondra. Es könnten aber auch tschechische Siedler gewesen sein, die von der Grundherrschaft Liebeschitz oder Drahobus auf frei gewordene Bauernstellen in Reichen angesetzt worden waren. Sie kommen nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr vor. Der Ortsname Reichen dürfte aus „Reichenau” entstanden sein, wie die ältesten lateinisch und tschechisch geschriebenen Urkunden erkennen lassen („Richnow”). Die älteste bekannte Nennung stammt aus den Papstzehentregistern aus den Jahren 1352 bis 1405, in denen es „Rychnov” und „Richnow” geschrieben wurde. Der älteste überlieferte Familienname ist der des Richters Peter Neumann, der von 1576 bis 1579 im Amt war. In dem tschechisch geführten Grundbuch aus den Jahren 1590 bis 1614 sind die Familiennamen Richter, Wagner, Hartig, Hortig, Harnisch, Weigel, Burghart, Hoffmann, Kunz, Stor, Vohri, Wurm, Neumann und Watzel zu finden.

1654 gab es in Reichen 21 Bauern, 14 Gärtner und 10 Häusler, also insgesamt 45 Häuser. 1713 waren es schon 56 Häuser. Die Namen der Bauern zu dieser Zeit lauteten Weigel bzw. Weigl, Wagner, Richter, Janda, Fohri bzw. Vohri, Hartig bzw. Hortig, Worm, Arnold, Neumann, Pohlig und Ullrich. 1787 hatte „Reichen, sonst auch Reichenau genannt” bereits 146 Häuser. 1833 standen 171 Häuser, in denen 1.016 Einwohner lebten. 1869 wurden 1.106 und 1890 noch 1.001 deutsche Einwohner gezählt. Infolge der Industrieferne und ungünstigen Verkehrslage war der Bevölkerungsstand bis 1939 auf 790 Personen gesunken. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Weigel, Richter, Wagner, Hortig, Neumann, John, Jande, Fohry, Eckert, Heller, Hanke, Gaube, Kaulfuß, Philipp, Pöhlig und Schicktanz.

Koschtitz - eine Tochtersiedlung von Reichen
Koschtitz bei Laun, an dessen Gut 1626 Reichen gekommen war, hatte um 1650 durch eine Epidemie den größten Teil seiner Einwohner verloren. Auf Veranlassung der Herrschaft wurden die leerstehenden Hofstellen und Häuser vorwiegend von Reichen aus neu besetzt. 1833 sprachen die 367 Einwohner „teils Teutsch und teils Böhmisch”. Bei der Volkszählung von 1910 hatte die Gemeinde Koschtitz ausschließliche tschechische Einwohner.

Die heutigen Ortschaften Rychnov (= Reichen) und Rytířov (= Rittersdorf) gehören nun zusammen mit den Ortschaften Příbram (= Biebersdorf), Časlav (= Tschiaschel) und Loučky (= Schönau) zur politischen Gemeinden Verneřice (= Wernstadt). 1961 hatte Rychnov 178 und Rytířov 31 Einwohner.

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Schönau

Die Gemeinde Schönau im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus den Ortschaften Oberschönau (dies waren die Hausnummern 1 bis 19 und 54 bis 138) und Niederschönau (mit den Hausnummern 20 bis 53) mit der Einschicht „Beim Förster”. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 737 ha. Im Süden wird die Schönauer Talmulde von der Hundorfer Beule (598 m) und im Norden vom Motzenberg (566 m) überragt. In der Nähe des Ortes ist der Boden lehmig und tiefgründig, auf den Höhen felsig und leicht. Rund 80 % der Gemeindefläche wurden bis 1945 landwirtschaftlich genutzt und 16 % waren bewaldet. Noch 1939 waren über 50 % der erwerbstätigen Einwohner in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, 27 % in Industrie und Handwerk und nur 4 % im Bereich Handel und Verkehr.

Kirchlich war Schönau seit altersher in die Pfarrei St. Anna in Wernstadt eingepfarrt. Die Tauf-, Trau- und Sterbematriken sind, wie alle Matriken von Wernstadt, seit 1669 erhalten. In ältester Zeit hatte Schönau ein Erbgericht mit Sitz in Niederschönau. Seit 1557 sind Namen von Richtern überliefert (1557 Peter Pöltzel, 1562 – 1572 Mathes Krolop, 1572 – 1592 Jakob Pischel, 1594 – 1610 Georg Krolop). Ab 1596 gehörten zum Gericht auch die Hälfte von Blankersdorf sowie das Dorf Groß-Zinken dazu. Das älteste Gerichtsbuch von Niederschönau stammt von 1563 und enthält auch ältere Nachträge. Die ursprünglich bestehenden zwei Ortschaften Ober- und Niederschönau wurden bereits 1770 als Einheit betrachtet.

Ihrer Siedlungsform nach sind Ober- und Niederschönau doppelreihige Waldhufendörfer aus der Frühzeit der deutschen Rodungsperiode von der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die älteste bekannte urkundliche Nennung von Schönau erfolgte 1464. Der Name entstammt eindeutig von der Geländebezeichnung einer „schönen Au”. Die im Grundbuch aus der Zeit von 1563 bis 1610 überlieferten Namen der Schöppen und Richter lauten Böhme, Elger, Eybicht, Fiebiger, Friedrich, Heller, Hickel, Hirsch, Hoffmann, Icker, Kammel, Krolop, Moser, Pauler, Pischel, Pöltzel, Rascher, Renner, Ritschel, Sachse, Schelle, Schicketanz, Scholte, Schretter, Seiler, Sonntag, Strasche, Temmerich, Weber, Weigel, Wetzel und Wunder. Für 1590 sind an weiteren Familiennamen bezeugt Bönsch, Kastner, Hom, Mattausch, Schönfeld und Wolf. 1654 waren 58 Häuser vorhanden, für Oberschönau waren dies 26 Bauern, sieben Gärtner und sechs Häusler, für Niederschönau sieben Bauern, sechs Gärtner und sechs Häusler. 1713 standen 98 Wohngebäude - davon 71 in Oberschönau und 27 in Niederschönau. Die Familiennamen der Bauern lauteten 1713 in Oberschönau Kammel, Ham, Böhnisch, Krolop, Mattausch, Ditrich, Hase, Krahl, Meisner, Püchl, Redlich, Tausche, Weishaupt und Wolff sowie in Niederschönau Krolop, Schönfeld, Seler, Kastner, Knie, Kretschmar, Richter und Weißhaupt.

1787 hatte „Schöna” 128 Hausnummern und 1833 gab es 138 Häuser, in denen 738 Einwohner lebten. Bei den Volkszählungen wurden von Schönau im Jahre 1869 830 und 1890 755 deutsche Bewohner gezählt. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Krolop, Weishaupt, Weigel, Horn, Kammel, Heller, Bönsch, Hanke, Krombholz, Mache, Schöneld, Sehler, Dobiasch, Haase, König, Storch und Werner.

Heute gehört die tschechische Ortschaft Loučky (= Schönau) zusammen mit den Ortschaften Přibram (= Biebersdorf), Rychnov (= Reichen), Rytířov (= Rittersdorf) und Časlav (= Tschiaschel) zur politischen Gemeinde Verneřice (= Wernstadt). 1961 lebten in Loučky 164 Menschen.

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Tschiaschel

Die Gemeinde Tschiaschel im Gerichtsbezirk Bensen bestand allein aus dem Ort Tschiaschel. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 88 ha, Tschiaschel war damit der kleinste Ort im Kreis Tetschen. Durch Bodenkäufe und Pacht in anderen Gemeinden bewirtschafteten die Landwirte jedoch rund 250 ha Fläche. Südlich der Ortschaft erhebt sich der Berg „Zimmers Beile” (614 m), von dem man in etwa 30 Minuten den Matrelig (666 m) und schließlich den Zinkenstein (684 m) erreicht. In nordöstlicher Richtung jenseits der Biebersdorfer Straße erhebt sich auf Wernstädter Gebiet der Gottesberg (554 m) mit einer bekannten Wallfahrtskirche. Rund 94 % des Gemeindegebietes wurden landwirtschaftlich genutzt. Der Waldanteil war mit nur 1 % sehr gering. Tschiaschel war bis 1945 ein reines Bauerndorf geblieben, denn rund 75 % der Bevölkerung gehörte dem Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft an und nur 18 % dem Bereich Industrie und Handwerk. Handel und Verkehr hatten lediglich einen Anteil von 3 %.

Bei seiner Gründung wurde Tschiaschel der angeblich schon um das Jahr 1000 errichteten Pfarrei Munker im Kreis Leitmeritz zugeteilt und blieb dort bis ins 19. Jahrhundert. Dadurch hat Tschiaschel auch die rund 150 Jahre dauernde Zugehörigkeit von Munker zur Pfarrei Algersdorf nach der Reformation bis 1786 mitgemacht. 1884 wurde Tschiaschel nach Wernstadt umgepfarrt. Die Matriken für Tschiaschel sind wie alle Munkerer Kirchenbücher durchwegs seit 1656 erhalten. Im Ort befand sich eine Kapelle.

Tschiaschel ist trotz seines nicht deutsch klingenden Namens eine deutsche Rodung, jedoch ist die Datierung schwierig. Lage und Ausmaß sprechen für eine Spätrodung des 15. Jahrhunderts, als nicht mehr unbeschränkter Raum für Neusiedlungen vorhanden war. Wesentlich älter als die Ansiedlung ist der Name. Allem Anschein nach war es ein aus einem Personennamen entstandener Geländename. 1057 gab der Adelige Grosnata der Leitmeritzer Kirche das Gebiet „Ceaslau” (= Csaslau), 1319 heißt das Gebiet in einer Abschrift dieser Urkunde „Cesslav” und 1374 handelt es sich in einer Landtafeleintragung um einen Wald, der „Czastolow” genannt wurde – das Dorf Tschiaschel bestand damals noch nicht. Die ältesten bekannten Nennungen des Ortes datieren von 1619 und 1620. Damals ist in der ältesten Mertendorfer Matrik ein gewisser Kaulfuß aus „Tzschesla” bzw. „Tzschaslaw” genannt. Gemäß der Steuerrolle von 1654 hatte „Czasl” elf Gärtner und einen Häusler, also insgesamt zwölf Häuser. Im Thesianischen Kataster von 1713 waren elf Wirte und elf Häusler verzeichnet, somit standen schon 22 Wohngebäude im Ort. Die Namen der Wirte lauteten Hegenbarth, Kaulfuß, Ringelhan, Dobiasch, Fiedler, Möser, Sander und Storch. 1787 sind 40 Nummern angegeben und 1833 44 Häuser und 248 Einwohner. Die Volkszählungen von 1869 und 1890 wiesen für Tschiaschel 198 bzw. 207 deutsche Einwohner nach. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Kaulfuß, Kammel, Partsch, Haase, Hocke, Hegenbarth, Kral, Kusebauch, Marek, Pompe, Sander, Teufel und Wrba.

1965 war das tschechische Časlav (= Tschiaschel) keine selbständige Gemeinde mehr, sondern zählte zusammen mit Příbram (= Biebersdorf), Rychnov (= Reichen), Rytířov (= Rittersdorf) und Loučky (= Schönau) zur politischen Gemeinde Verneřice (= Wernstadt). Als Ortschaft hatte Časlav 1961 nur noch 30 Bewohner.

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Wernstadt

Wernstadt   Wernstadt: Unterer Marktplatz
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Die Stadtgemeinde Wernstadt im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus dem geschlossenen Stadtgebiet, den nordwestlich gelegenen Häusern am Gottesberg, dem Töpferhäusel, dem Friedhof, der Ziegelei und den Ortsteilen „Haus der ehemaligen Frischglückzeche”, „Alte Fabrik”, Bahnhof, Herminenbad und Schützenhaus. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 855 ha. Das Gemeindegebiet nimmt eine hochgelegene, von Westen nach Osten geneigte Mulde ein und liegt im Böhmischen Mittelgebirge. Wegen des rauhen Klimas waren die Ernteerträge mäßig, dafür hatten Viehzucht und Milchwirtschaft eine größere Bedeutung. Seit 1880 wurde der Eislauf und seit 1900 der Skilauf gepflegt, als der damals in Trondheim lebende Wernstädter Ferdinand Schindler ein Paar norwegische Ski mitbrachte. Wernstadt besaß die landwirtschaftliche Struktur eines Landstädtchens in Industrienähe. Der in der Landwirtschaft tätige Bevölkerungsteil betrug rund 12 %, der Anteil an industriellen und handwerklichen Berufen belief sich auf über 40 % und war für eine Stadt relativ niedrig. Der Anteil der Bewohner am Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr lag bei 18 %. Viele Arbeiter pendelten zu Arbeitsplätzen in Tetschen, Bensen, Franzenthal, Pömmerle und Schreckenstein.

Kirchliche Verhältnisse
Die Pfarrei von Wernstadt wurde sicher mit Gründung des Ortes Wernersdorf etwa Mitte des 13. Jahrhunderts eingerichtet. Nach der lutherischen Zeit von 1573 bis 1623 wurden die alten Pfarreien Saubernitz (mit acht Ortschaften) bis 1723 und Reichen (mit vier Ortschaften) bis 1787 als Filialen an Wernstadt angeschlossen. Das ursprüngliche Kirchspiel umfasste neben Wernstadt selbst auch Ober- und Niederschönau. Ab 1835 wurde Klein-Jober im Kreis Böhmisch Leipa und 1883 Tschiaschel, welches vorher bei Munker im Kreis Leitmeritz gewesen war, eingepfarrt. Die Matriken sind durchwegs seit 1669 erhalten, jene von Tschiaschel (die in Munker geführt wurden) seit 1656. Die Wernstädter Pfarrkirche St. Anna wurde in den Jahren 1563 bis 1565 in gotischem und Renaissancestil anstelle eines kleineren Gotteshauses errichtet und nach dem Stadtbrand von 1709 barock überbaut. Die Wallfahrtskirche zur Hl. Dreifaltigkeit stand auf dem Gottesberg etwa 1,5 km nordwestlich von Wernstadt, die sich rasch zu einer viel besuchten Wallfahrtsstätte entwickelte.

Geschichtliche Entwicklung
Das ursprüngliche Wernersdorf hatte seit seiner Gründung in der Mitte des 13. Jahrhunderts als zweireihiges Waldhufendorf ein deutschrechtliches Erbgericht. Die älteste bekannte urkundliche Nennung beinhalten die lateinisch geführten Papstzehentregister von 1352 bis 1405, in denen „Wernherivilla” (= Wernersdorf) aufgeführt ist. 1497 wurde Wernersdorf mit gleichzeitiger Einführung des Namens Wernstadt zur Stadt erhoben. An der Spitze der Stadtverwaltung standen zwölf „Ratmannen”, aus deren Mitte der Bürgermeister gewählt wurde. Der Ortsname geht eindeutig auf den Personennamen Werner zurück. Das Gebiet um Wernstadt kam 1283 zur damals errichteten Herrschaft Scharfenstein der Herren von Michelsberg. Besitznachfolger waren die Herren von Wartenberg (die auch südlich gelegene Gebiete der späteren Herrschaft Liebeschitz erwarben) und die im Jahre 1511 ihren Besitz verkauften. Dabei trennten sie das Gebiet um Wernstadt von Scharfenstein ab und vereinigten es mit der noch in ihrem Besitz gebliebenen Herrschaft Liebeschitz. 1537 folgte der Ritter Karl Dubansky von Duban auf Auscha als Grundherr für Liebeschitz und damit auch für Wernstadt. Im 16. Jahrhundert kam es zu einer Aufsplitterung des Gebietes in einen Liebeschitzer Teil (mit einem Drittel von Wernstadt und der Hälfte von Groß-Zinken), in einen Koblitzer Teil (Ober- und Niederkoblitz), der dann nochmals in die zwei Güter Oberkoblitz (bzw. Ploschkowitz) mit einem Drittel von Wernstadt und der Hälfte von Blankersdorf sowie Ober- und Niederschönau und Niederkoblitz (mit einem Drittel von Wernstadt und je der Hälfte von Blankersdorf und Groß-Zinken) geteilt wurde. Im Jahre 1850 wurden alle drei Teile von Wernstadt wieder vereinigt und in den Gerichtsbezirk Bensen eingegliedert.

Familiennamen aus dem 16. und 17. Jahrhundert
Die ältesten Nennungen von Familiennamen sind 1530 Michel Dietrich, 1546 Veit Ehrlich (aus Tetschen zugezogen), um 1550 Fock, Kanneberger, Melzer, Pöschel und Reiff (alle aus Tetschen bzw. Bensen); 1552 Bönsch, Deutschel, Hacker, Knöchel, Neumann, Peck, Riedel, Riemer, Ritter, Schneider, Wagner, Wanutz und Werner; 1576 Hein, Kunz, Motz, Schmied und Smolnik; 1610 Kreibich; 1645 Mattausch, Mittag und Renftel. Nach der Steuerrolle von 1654 standen 99 Häuser in der auf drei Herrschaften aufgeteilten Stadt. Die Familiennamen der Ackerbürger waren Mattausch Weiß, Bönsch, Knöchel, Krolop und Werner. Die übrigen Bürger hießen Reiff, Bönsch, Goldammer (tschechisch „Strnad” bezeichnet), Kammel, Kreibich, Kriesche, Markert, Matzke, Müller, Purkert, Piesche, Richter, Sander und Weigel. Von den fünf Häuslern trugen zwei den Namen Kammel und je einer den Namen Kral, Kreibich und Richter. 1713 hatte die Stadt 151 Häuser. Die Familiennamen waren (nach der Häufigkeit) Reiff, Hein, Richter, Knöchel, Lehmann, Bönsch, Mattausch, Wagner, Klein, Krolop, Müller, Purkart, Fiedler, Kreibich, Kunze, Schneider, Weber, Weiß, Gabriel, Horn, Kammel, Kummer, Markert, Palme, Porsche und Renftl. 1787 hatte Wernstadt - bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung, den die Gründung der Kattundruckerei durch Johann Josef Leitenberger 1770 auslöste - 211 Häuser. 1833 standen 251 Häuser, in denen 1.453 Einwohner lebten. 1910 wohnten 2.078 Bewohner in der Stadt und 1930 waren es nach einem wirtschaftlichem Rückgang noch 1.587 Einwohner. 1939 betrug die Zahl dann 1.400.

Familiennamen 1934
Die häufigsten Familiennamen 1934 lauteten Richter, Knöchel, Mattausch, Kammel, Thum, Wagner, Markert, Krolop, Matzke, Mittag, Renftel, Bönsch, Sander, Werner, Bittner, Hein, Heller, Reiff, Schilhabel, Schneider, Weigel, Ankert, Hortig, Ihme, Jande, Kaufluß, Krombholz, Lehmann, Müller, Neumann, Ostermann, Pieke, Pompe, Schimke, Stelzig, Storch, Wihan, Woite und Zenker.

Die ersten Vertreibungen der deutschen Bevölkerung erfolgten Ende Juni 1945 und betrafen rund 500 Einwohner, welche zu Fuß über Herrnskretschen ihre Heimat verlassen mussten. Es folgten drei große Aussiedlungstransporte, von denen der letzte Mitte August 1946 die Stadt verließ.

1961 gehörten zur tschechischen politischen Gemeinde Verneřice (= Wernstadt) auch die früher selbständigen Gemeinden Loučky (= Schönau), Příbram (= Biebersdorf), Rychnov (= Reichen) und Rytířov (= Rittersdorf). Am 28.08.2006 wurden in der gesamten Stadtgemeinde 1.088 Personen gezählt.

 

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