Gebiet Elbe rechts

Altstadt

Hortau

Neschwitz

Tichlowitz

Babutin

Kolmen

Politz

 

Birkigt

Krischwitz

Rittersdorf

 

 

Altstadt

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Die Gemeinde Altstadt im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Altstadt und dem Ortsteil Theresienau. Altstadt liegt unweit der Einmündung des Polzenflusses in die Elbe direkt an das Stadtgebiet von Tetschen angrenzend. Das Gemeindegebiet umfasste 283 ha und ist im Norden und Westen eben. Im Süden ist das Gelände bergig und steigt die Abhänge der Kolmer Scheibe bis zu deren Gipfel (441 m) hinan. Von den Höhen südlich von Altstadt bietet sich ein herrlicher Ausblick auf den Tetschen-Bodenbacher Talkessel und die ihn nach Westen und Norden begrenzende Gebirgslandschaft. Zwecks Verbindung mit dem westlichen Ufer der Elbe bestand seit alter Zeit eine Überfuhr, im Verlauf der mittelalterlichen Handelsstraße von Nürnberg in die Lausitz gelegen, die aber auch zum Übersetzen des Verkehrs zwischen dem Polzen- und Eulautal diente. Die Verbindung nach Tetschen stellte die seit 1567 bestehende Sandsteinbrücke dar. 1915 wurde daneben eine Stahlbetonbrücke über den Polzen gebaut. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich Altstadt vom kleinen Bauerndorf zum großen Arbeitnehmerwohnort entwickelt, was auf die Industrialisierung in Tetschen sowie in Altstadt selbst zurückzuführen ist. In der Land- und Forstwirtschaft waren 1945 nur knapp 2 %, in Industrie und Handwerk über 45 % und in Handel und Verkehr 25 % der Erwerbsbevölkerung der Gemeinde tätig. 1939 hatte Altstadt 2.838 Einwohner und war damit die größte Dorfgemeinde des Kreises Tetschen.

Altstadt gehörte seit seiner Gründung zur Stadtpfarrei Tetschen. Die Matriken sind seit 1596 erhalten. Ursprünglich hatte Altstadt eine eigene Kirche St. Bartholomäus, die beim Schwedeneinfall 1639/40 zerstört worden sein soll. 2004 wurden Fundamente der Kirche gefunden. Altstadt war seit Anfang an bis (mindestens) ins 16. Jahrhundert dem Gericht der Stadt Tetschen unterstellt. Mitte des 17. Jahrhunderts besaß der Ort eine eigene Ortsrichterei. 1849 schlossen sich zur Gemeinde Altstadt acht Ortschaften zusammen.1872 verselbständigte sich aber die Gemeinde Birkigt mit den Ortschaften Bachelsdorf und Liebwerd und im Jahr 1891 die Gemeinde Krischwitz mit der Ortschaft Mariannaberg. 1924 schließlich trennte sich die Gemeinde Kolmen mit den Ortschaften Stabigt und Steinbach.

Altstadt dürfte im 13. Jahrhundert als deutsches Dorf mit einreihiger Waldhufenanlage gegründet worden sein. Die früheste halb lateinische/halb tschechische Nennung ist die Eintragung in die Hoflehentafel von 1454 mit „Stare Miesto”; der Landtafeleintrag von 1543 (für 1515) hat die gleiche Schreibweise. Die älteste deutsche Urkunde von 1520, ein Kaufvertrag, lautet auf „Aldenstadt”. Die frühesten genannten Familiennamen sind in den Tetschner Stadtbüchern zu finden. Belegt sind für 1510 Philipp und Wunderlich (Windrich), 1520 Preidel, Rehnelt und Weigel, 1527 Fraise, 1529 Domst, Heyma, Goldammer und Prautsch, 1531 Nitsche, 1535 Brettschneider und Kluge, 1537 Parsche und Veit, 1538 John, 1540 Ficker, Focke und Knorre, 1541 Böhm, 1542 Kamtzer (Kemnitzer), Lux und Ritschel, 1547 Michel und Möller, 1554 Laube, 1560 Grimmer und (ohne genaue Jahresangaben) in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Hofmann, Melzer und Ringelhan.

Im Urbar von 1620 sind als Bauern genannt: Philipp, Goldammer, Hegenbart, Kemnitzer und Lorenz, als Gärtner sind angeführt: Gärtner, John und Schäfer. Müller waren Möller und Werner. Außerdem gab es noch zehn Häusler. In der Steuerrolle von 1654 werden in den 37 Häusern von „Aldt Stadt” als Bauern und Gärtner genannt: Philipp, Goldammer (als „Strnad” = Ammer ins Tschechische übersetzt), Lorenz, Parsche, Welke (oder Wilke), Werner und Vogel. 1713 hatte sich Altstadt auf 47 Häuser vergrößert. Bei den Bauern erschienen statt der alten Familien Goldammer, Wilke und Werner die Namen John, Knorre und ein zweiter Lorenz. 1787 hatte der Ort 60 Hausnummern und 1833 standen 62 Häuser, in denen 331 Einwohner lebten. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wies der Ort 838 bzw. 1.852 Einwohner auf. 1910 lebten 2.908 Menschen in Altstadt. Diese beträchtliche Zunahme war vor allem eine Folge der starken industriellen Entwicklung. 1921 wurde der Höchststand an Einwohnern mit 3.109, darunter 123 Tschechen, gezählt.

Die häufigsten Familiennamen in Altstadt waren 1934: John, Richter, Lorenz, Walter, Heller, Hieke, Müller, Böhm, Fritsche, Philipp, Wagner, Kunert, Zahn, Bendel, Dörre, Knorre, Nowotny, Parsch(e), Re(h)nelt, Ahne, Hawel, Hegenbart(h), Kliemannel, Laube, Riedel, Wanke, Wenzel, Windrich, Winkler, Zaschke, Cristofolini, Dittrich, Hortig, Neumann, Seidel, Schandra, Sluschny und Stelzig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der deutschen Bewohner blieb die 1942 erfolgte Eingliederung von Altstadt in die Stadt Tetschen-Bodenbach unter der Bezeichnung „Děčín III” erhalten. 1961 lebten 2.660 Bewohner in dem Stadtteil von Děčín

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Babutin

Babutin   Babutin mit Sperlingstein   Babutin mit Sperlingstein   Babutin mit Sperlingstein
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Die im Gerichtsbezirk Tetschen gelegene Gemeinde Babutin bestand aus der Ortschaft Babutin sowie den einschichtigen Ortsteilen Seidelmühle und Sperlingstein. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 195 ha. Babutin liegt beiderseits des von Reichen kommenden Schmelzbaches, sehr reizvoll eingebettet in den engen Talgrund am Fuße des steil aufragenden Sperlingsteins, einem Basaltfelsen mit einer alten Burgruine. Wegen seiner Abgeschiedenheit war Babutin bis 1945 ein reines Bauerndorf geblieben, obwohl viele Einwohner auch industrielle und handwerkliche Berufe insbesondere in Politz, Pömmerle, Großpriesen, Tetschen und Bodenbach ausübten. Auf den Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft entfielen knapp 28 % der Bevölkerung, auf industrielle und handwerkliche Berufe fast 50 % und auf Handel und Verkehr 17 %.

Babutin ist seit jeher nach Tichlowitz eingepfarrt und war mit dieser Pfarrei von 1585 bis 1621 evangelisch. Die Matriken sind seit 1674 erhalten. Über die Gründung des Ortes liegen keine urkundlichen Nachweise vor. Es scheint sich jedoch um einen kleinen slawischen Rodungskern zu handeln, der seit dem 13. Jahrhundert durch deutsche Siedler ausgebaut wurde. Für den Ortsnamen gibt es keine schlüssige Erklärung, wobei Deutungen eine Ableitung sowohl vom tschechischen Wort „baba” (= Großmutter) als auch vom Personennamen „Babata” zulassen. Die älteste bekannte urkundliche Nennung lautet „Bavrozonice” und stammt aus dem Jahr 1515. In der tschechisch geführten Landtafel ist der Ortsname 1543 „Babytyn” und „Babietyn” geschrieben. Diese Form verwenden auch deutschsprachige Urkunden aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 1571 hatte „Pathenn” neun „Mann” (= Wirte). In den Herrschaftsurbaren von 1620 und 1624 sind neun Wirte und vier Häusler verzeichnet. Die Namen lauteten Kunert, Steppan, Bertman, Jörchel, Pechanz, Schimpke und Skieball. Die Steuerrolle von 1654 weist 14 Häuser aus, in denen neun Bauern und fünf Häusler lebten. 1713 gab es neun Wirte und zehn Häusler im Ort, somit standen 19 Häuser. Die Bauern hießen damals Klimb, Kunrich, Preidel, Schimke, Stephan, Walter und Weigl. 1787 gab es 23 Häuser, die zwei Chaluppen beim Sperlingstein gehörten damals zu Neschwitz. 1833 lebten in „Babuthin” 163 Einwohner in 28 Häusern.

Im Jahre 1850 wurde Babutin der Gemeinde Rittersdorf angeschlossen, wozu es bis zu seiner politischen Selbständigkeit 1930 blieb. Nach den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte der Ort 188 bzw. 170 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Böhm, Klimt, Kubelka, Hortig, John, Kliemannl, Lösel, Rösler, Schneider und Steppan.

Burg Sperlingstein
Die Burg Sperlingstein wurde 1402 bis 1404 von Johann von Tichlowitz erbaut. Während der Lausitzer Fehden wurde die gleichnamige Burg auf dem hochgelegenen Felsen Sperlingstein 1444 zur Ruine, war später zeitweise wieder bewohnt und war ab 1515 erneut verlassen. In der Nähe des Sperlingsteins befand sich die Gärtnerwirtschaft „Oberes Sperlinghaus” (die spätere Nr. 22 von Babutin), wo ursprünglich die Bediensteten der Burg gewohnt haben sollen. Um 1600 herum wurden diese Grundstücke von der Herrschaft Tetschen samt Burgruine einem Hans Schimpke und 1653 einem Strache aus Kartitz verkauft, der sie wiederum an die Familie Gaube aus Schöras weiter veräußerte, welche dort viele Jahre ansässig war. Das „Untere Sperlinghaus” wurde erst 1869 gebaut und war nach Nieder-Wellhotten eingemeindet.

Das tschechische Babetin (= Babutin) ist heute keine selbständige Gemeinde mehr, sondern gehört nun zur Gemeinde Těchlovice (= Tichlowitz). 1961 lebten 51 Bewohner in Babetin.

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Birkigt

Birkigt   Birkigt   Birkigt: Bachelsdorf   Birkigt, Villa Bergfrieden
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Die Gemeinde Birkigt bestand aus den Ortschaften Birkigt, Liebwerd und Bachelsdorf und war dem Gerichtsbezirk Tetschen zugehörig. Das Gemeindegebiet umfasste 444 ha und wird mit Ausnahme der Polzenniederung und deren Weitung bei Liebwerd von einem hügeligen bis bergigen Gelände eingenommen. Oberhalb von Bachelsdorf am Nordrand des Laskenberges (420 m) befindet sich die weltbekannte Feldspat-Basalt-Steinwand oder Laskenwand. Sie besteht aus mehreren Decken der frühbasaltischen Serie mit reicher Einschaltung von Diatomeenschiefern an der Basis und beinhaltet aquitanische und voraquitanische Flora und Fauna (= Versteinerungen). Das Gemeindegebiet wurde zu 60 % von der Landwirtschaft genutzt, die auf schwerem, lehmhaltigen Boden betrieben wurde. In Birkigt und Bachelsdorf haben sich die landwirtschaftlichen Betriebe fast ungeschmälert bis 1945 erhalten. Trotzdem waren beide Orte nicht mehr rein bäuerlich, sondern auch zu Wohnsitzen von Arbeitnehmern geworden. In der Land- und Forstwirtschaft waren 1939 12 %, in Industrie und Handwerk 38 % und in Handel und Verkehr 22 % der Erwerbsbevölkerung beschäftigt. Viele Einwohner arbeiteten in den Industrie- und Handelsbetrieben in Tetschen-Bodenbach. Bedeutend war in Birkigt der Obstbau. Nach einer Zählung vom Jahre 1900 gab es insgesamt 8.500 Obstbäume im Gemeindegebiet.

Birkigt, Liebwerd und Bachelsdorf gehörten stets zur Stadtpfarrei St. Wenzel und später zu Heilig Kreuz in Tetschen. Die Matriken sind wie sämtliche Tetschner Kirchenbücher seit 1596 erhalten. Birkigt besaß eine gegenüber dem Wirtshaus (Nr. 1) stehende Kapelle in Oberbirkigt. Eine weitere kleine Kapelle stand in Liebwerd. Als deutsches Rodungsdorf war Birkigt ursprünglich mit einem Freigericht ausgestattet gewesen, das dem Stadtgericht in Tetschen unterstellt war. Auch Bachelsdorf gehörte zu diesem Gericht. Bei der Bildung der modernen Verwaltungseinteilung 1849 kamen Birkigt, Liebwerd und Bachelsdorf zunächst zur politischen Gemeinde Altstadt und wurden erst 1873 eine selbständige politische Gemeinde.

Birkigt
Birkigt dürfte im 14. Jahrhundert als deutsches Dorf entstanden sein. Die von Anfang an bestehende Untergliederung der beiden nur einen km entfernten Ortsteile Oberbirkigt und Niederbirkigt beruht wohl auf Geländeverhältnissen. Der Ortsname Birkigt wurde sicher wegen der ursprünglich vorhandenen Birkengehölze gegeben, wobei die Silbe –igt eine Gesamtheit darstellt. 1478 erscheint der Ort als „Birkicht” in einer Tetschner Stadturkunde. Die ältesten Nachweise von Familien sind Zaschke (1478), Renhold (Renelt) und Vogel (beide 1525), Knorre (1528), Beckel, Bruthansel, Hüttl (alle 1531), Winkler (1540) und Heinzschke (1556). 1571 hatte Birkigt elf Häuser. Im Urbar von 1620 hießen die Wirte Philipp, Zeischke, Rehnelt, Kunert, Hietel, Winkler, Hörnisch, Knorre und Stolze. Insgesamt standen damals 13 Häuser. Die Steuerrolle von 1654 weist 14 Häuser nach, in denen sieben Bauern, zwei Gärtner und fünf Häusler lebten. Der Gärtner Preidel (seit 1630 ansässig) wurde später zu Bachelsdorf gezählt. Die Namen der Bauern waren die gleichen wie 34 Jahre vorher außer Hörnisch und Stolze. 1713 gab es in „Pirkicht” 20 Häuser mit 13 Wirten und sieben Häuslern. 1787 wurden 31 Hausnummern registriert und 1833 lebten in 39 Häusern 233 Einwohner. Nach den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte der Ort 341 bzw. 513 fast ausschließlich deutsche Einwohner. Einige zugewanderte Tschechen hatten Arbeit in der Papierfabrik gefunden. 1930 lebten 873 Personen im Dorf. Seit 1888 entwickelte sich am linken Polzenufer gegenüber von Niederbirkigt der Ortsteil Neubirkigt, der im Jahre 1900 bereits 36 Häuser umfasste gegenüber 30 in Ober- und 24 in Niederbirkigt. Die häufigsten
Familiennamen in Birkigt waren 1934 Böhm, Hegenbart, John, Marschner, Tröschel, Jordan, Preidel, Zaschke bzw. Zeischke, Ahne, Hietel und Richter.

Liebwerd
Der ursprüngliche Meierhof Liebwerd wurde 1401 erstmals urkundlich benannt. Es dürfte sich jedoch um einen viel älteren Wirtschaftshof handeln, der bereits in der Burgmannenzeit des 11. bis 13. Jahrhunderts zur Versorgung der Gauburg Tetschen errichtet worden war. Am Namen Liebwerd kennzeichnet das Grundwort „Werd” das am Wasser gelegene Gelände. Die Silbe „Lieb” ist schwerer zu deuten; entweder liegt ein verkürzter Personenname zugrunde oder es handelt sich um eine Ableitung von Lehm, was mit der Bodenbeschaffenheit im Ort in Einklang stünde. In den Urkunden von 1401 und 1407 lautet die Schreibung „Zu Liebenwerde” bzw. „lieben Werde”. Im Jahre 1850 stellte Graf Franz Anton Thun die Meierhofgebäude zur Unterbringung der ersten deutschen Ackerbauschule in Böhmen zur Verfügung, aus der 1920 die landwirtschaftliche Hochschule Tetschen-Liebwerd hervorging.1880 hatte Liebwerd acht Gebäude mit 118 deutschen Einwohnern. 1910 wurden 65 und 1930 59 Einwohner gezählt.

Bachelsdorf
Hier dürfte es sich um eine Zurodnung handeln, die nach den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert erfolgte. Wahrscheinlich hat der Ortsname mit einem Bach nichts zu tun – er müsste sonst „Bacheldorf” heißen. Vielmehr scheint ein Personenname, der „Bechl” oder ähnlich lautete, den Ortsnamen geprägt zu haben. Vielleicht war es ein Träger des Namens „Beckl” der von 1518 bis 1909 im Ort vorkam. Familiennamen des 16. Jahrhunderts waren in Bachelsdorf Beckel (1518), Beutel (um 1537), Krombholz (1540), Walter (1556), Hietel (1580) sowie Knorre und Kühnel (1596). Im Urbar von 1620 sind die Gärtner Böckel, Fleck, Hietel, Hoffmann, Knorre, Rehnelt und Walter genannt. 1654 standen wie schon 34 Jahre vorher acht Häuser im Dorf. 1713 lebten zwölf Familien (sieben Wirte und fünf Häusler) dort. 1787 standen 16 Häuser und 1833 wohnten in den 16 Häusern 112 Einwohner. Die Volkszählungen von 1869 und 1890 ergaben 116 und 132 deutsche Einwohner. Allerdings verdoppelte sich die Zahl bis 1910 durch die Entstehung des neuen Ortsteiles „Hinterbachelsdorf”. 1942 standen 46 Anwesen. Die häufigsten Familiennamen in Bachelsdorf waren 1934 Fritsche, Rasche, Ritschel, Dinnebier und Walter.

Die tschechische Gemeinde Březiny (= Birkigt) bestand außer dem Ort Březiny selbst auch aus Libverda (= Liebwerd), Bechlejovice (= Bachelsdorf), Folknáře (= Falkendorf), Horní Chlum (= Kolmen), Dolní Chlum (= Stabigt) und Kamenicka (= Steinbach) und hatte 1961 insgesamt 1.161 Einwohner. Auf Březiny entfielen dabei 579 und auf Bechlejovice 204 Personen. Heute sind alle Orte in die Stadt Děčín (= Tetschen) eingemeindet.

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Hortau

Hostitz
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Die Gemeinde Hortau im Gerichtsbezirk Tetschen setzte sich aus den Gemeinden Hortau und Hostitz zusammen. Zur Gemeinde Hortau gehörte noch die Buschmühle, zu Hostitz die Einschichten Helleralois, Seidelwenzel und Bergasthaus Netterskoppe sowie die drei kleinen Ortschaften Schöras mit der Einschicht Hittine, Schmorda mit der Einschicht Prautsch und schließlich Vogelgesang. Bis 1880 schloss die Ortschaft Buschmühle fünf Häuser mit ein, die 1821 direkt angrenzend, aber auf Grundstücken der Nachbargemeinde Größ-Wöhlen gebaut worden waren. Sie wurden ebenfalls Buschmühle oder „Nusshackerdörfel” genannt, zu dem auch die Einschicht „Sonnenhügel” gehörte. Die Ortschaften Hortau und Buschmühle nehmen eine in nördlicher Richtung offene Talmulde ein. Das Gebiet um Hortau war zu etwa 70 % landwirtschaftlich genutzt, das Gebiet der Gemeinde Hostitz zu etwa 60 %. Die Flächenanteile der Wälder betrugen 25 bzw. 35 %. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 602 ha, davon hatte Hortau 346 ha und Hostitz 256 ha Anteil. Hortau hatte bis zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46 seinen agrarischen Charakter bewahrt, was vor allem der hohe Anteil von fast 50 % der Bevölkerung im Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft zeigte. In Industrie und Handwerk waren 33 % und im Handel und Verkehr 6 % der Einwohner tätig.

Sämtliche Ortschaften der Gemeinde Hortau gehörten stets zur Pfarrei Neschwitz und waren mit dieser von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Dreißigjährigen Krieg evangelisch; die Matriken sind wie alle Neschwitzer Kirchenbücher seit 1703 erhalten. Das alte Erbgericht von Hortau und dessen umliegenden Ortschaften wurde 1550 von der Herrschaft in ein lehenspflichtiges Ortsgericht umgewandelt. Überliefert ist der Name des Erbrichters Lux (vor 1550) sowie des ersten Ortsrichters Andreas Schaufuß und seiner Nachfolger Neumann (1607) und John (1644). Hortau einschließlich Hostitz besaß eine Dorfruge aus dem Jahr 1664.

Hortau
Hortau ist eine deutsche Rodungssiedlung aus der Zeit um 1300. Im Ortsnamen steckt die alte deutsche Bezeichnung „Hart” für einen dichten Wald, daraus entstand „Hart-au” – die Au im Wald. Die älteste bekannte urkundliche Nennung von Hortau ist in der tschechischen Landtafel im Jahr 1543 (für 1515) zu finden und lautet „w hartie”. 1571 und 1581 hatte „Hartte” 15 Mann bzw. 13 Wirte, wobei die damals noch einschichtige Buschmühle jeweils eingeschlossen war. Im Herrschaftsurbar von 1620 sind 20 Häuser, in denen 16 Wirte und vier Häusler lebten, nachgewiesen; die Wirte hießen Harnisch, Herlitze, Hoffmann, Illmann, John, Kliemannl, Kunigt, Kunert, Lerche, Matzke, Neumann, Perten, Schröter, Strache, Tappicht und Walter. Gemäß der Steuerrolle von 1654 zählte „Hartha” ohne die eigens nachgewiesene Buschmühle wiederum 20 Häuser, in denen sechs Bauern-, fünf Gärtner- und neun Häuslerfamilien wohnten. 1713 ist der Ort mit 12 Wirten und 22 Häuslern, also 34 Häusern insgesamt, verzeichnet. Die Namen der Bauern waren John, Kunert, Richter und Schröter. Die Gärtner hießen John, Kemmer, Partsch, Schröter und Dörre. 1787 wurden 44 Hausnummern und ein Meierhof registriert. 1833 gab es 54 Häuser und 282 Einwohner. 1869 und 1890 lebten 325 bzw. 277 ausschließlich deutsche Einwohner in Hortau. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Klemmer, Schröter, John, Böhm, Gaube und Hanke.

Meierhof Hortau
Der herrschaftliche Meierhof entstand in der Zeit von 1580 bis 1612 durch Ankauf mehrerer Höfe durch die Herren von Bünau. Noch bevor die Gebäude um die Mitte des 19. Jahrhunderts niederbrannten, waren die etwa 150 ha Ländereien bereits verpachtet. In dem Meierhof ging das kleine Dorf „Kunatsdorf” auf. Im Jahre 1543 wird es noch als Kunersdorf (vom Namen Konrad abgeleitet) bezeichnet.

Buschmühle
Bis Ende des 16. Jahrhunderts stand an dieser Stelle nur eine Mühle. Der Name Buschmühle bedeutet Waldmühle. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden mehrere Häuser errichtet, so dass „Puschmühl” 1713 bereits zwei Wirte (Parthen und Laube) und acht Häusler hatte. 1787 standen 17 Häuser und 1812 wurden die fünf auf Groß-Wöhlener Grund gelegenen Buschmühlhäuser erbaut, die aber nach einem Streit wegen der Neschwitzer Kirchenrenovierungskosten um 1880 endgültig an Groß-Wöhlen kamen. 1833 gab es 18 Häuser und 107 Einwohner. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1880 hatte die Ortschaft 102 bzw. 97 deutsche Einwohner. Im Jahre 1934 kam in Buschmühle der Name John fünfmal vor.

Hostitz
Hostitz könnte schon im 11. oder 12. Jahrhundert gegründet worden sein und wurde um 1300 gleichzeitig mit Hortau von deutschen Siedlern ausgebaut. Seinen Namen hat der Ort wahrscheinlich von einer früheren slawischen Gründung. In der tschechischen Landtafel heißt es 1543 „in Hosticzich”. 1571 und 1581 waren sieben Wirte ansässig (vermutlich mit Schöras). Die Namen der fünf Wirte (vier Bauern und ein Gärtner) waren 1620 Fleck, Neumann, Preidel, Schaufuß (= Schams) und Siebiger. Dazu kam der Häusler Hertzig - somit standen sechs Häuser. 1713 sind fünf Wirte und ein Häusler verzeichnet, die Familien hießen Behmel, Fleck, Gaube, Hübner, Partsch und Hertzig. 1787 wurden acht Häuser gezählt und 1833 hatte Hostitz 29 und bei den Volkszählungen von 1869 und 1880 39 bzw. 55 deutsche Einwohner. 1934 lauteten die Namen Hecht, Klein, Liehmann, Zeischke und Schröter.

Schöras
Dieses kleine Dorf nur 100 m über der Elbe gelegen dürfte einer der ältesten Siedlungsplätze im Gemeindegebiet sein. Wahrscheinlich geht er auf einen vordeutschen Rodungsversuch des 11. oder 12. Jahrhunderts zurück. In den Jahren 1374 und 1383 wurde „Scheraz” als Bestandteil des Gutes Tichlowitz genannt. 1581 lebten die Wirte Partsch und Gaube im Ort. In der Steuerrolle von 1654 sind zwei Bauern verzeichnet und 1713 hießen die Familien Partsch, Gaube und Windrich. 1787 hatte „Scheras” vier Hausnummern und 1833 nur drei Häuser mit 18 Einwohnern. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1880 lebten in Schöras 20 bzw. 27 deutsche Einwohner, jeweils einschließlich Hittine. Die Anzahl der Einwohner stieg bis 1930 auf 52 an. Die mehrfach vorkommenden Familiennamen waren 1934 Portsch und Behmel.

Schmorda
Nach den Fluren zu schließen, könnte Schmorda aus der gleichen Zeit stammen wie Hostitz und Schöras. Vielleicht liegt dem Ort der Personenname Smrd oder Smord zugrunde, es gibt aber auch andere Deutungen. 1620 trugen die Wirte die Namen Löffler, Preidel und Richter. 1654 sind zwei Gärtner verzeichnet und 1713 hießen die drei Wirte und zwei Häusler Seidl, Wagner und Fleck. 1787 umfasste der Ort sieben Häuser und 1833 standen ebenfalls sieben Häuser, in denen 54 Einwohner lebten. Einschließlich der Einschicht Prautsch hatte Schmorda 1869 und 1880 41 bzw. 37 deutsche Einwohner. Die Familien 1934 hießen Schneider und Jugel.

Vogelgesang
Dieser Weiler ist möglicherweise eine Gründung des 16. Jahrhunderts. Der Ortsname dürfte 100 Jahre älter sein, denn er beruht auf einen Geländenamen, der noch aus der Zeit der Ritter von Tichlowitz herrührt, da diese dort einen Vogelherd unterhielten. 1558 sollen die zwei Wirte Kliemannl und Mäuszopf ansässig gewesen sein. 1620 hießen die Wirte laut Herrschaftsurbar Krebs und Matzke. 1654 steht der Ort mit zwei Gärtnern in der Steuerrolle verzeichnet. 1713 schließlich wohnten die Familien Fleck und Kunigt in Vogelgesang. 1787 und 1833 sind zwei Häuser erwähnt, im letzten Jahr mit neun Einwohnern. 1880 waren es nur sieben und 1930 17 deutsche Einwohner. 1934 lauteten die Namen Heller, Werner und Zeischke.

Die tschechische politische Gemeinde Lesná (= Hortau) bestand aus den Ortschaften Lesná, Lesni Mlyn (= Buschmühle), Hoštice (= Hostitz) und Smordov (= Schmorda) sowie Vseraz (= Schoras). Die Ortschaft Vogelgesang und die Netterskoppen-bauden existieren nicht mehr und auch vier andere Einschichten sind in dem tschechischen Gemeindeverzeichnis nicht mehr aufgeführt. Heute gehören alle Orte zur Stadt Děčín (= Tetschen). 

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Kolmen

Kolmen   Bergwirtschaft Kolmener Kippe, Kolmen und Tetschen-Bodenbach, Hopfen-Lotter, Hutberg   Kolmen
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Die Gemeinde Kolmen im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Kolmen, zu der auch der früher einschichtige Hof Pflugenbauer gehörte sowie die Ortschaften Stabigt und Steinbach. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 345 ha. Das Gemeindegebiet liegt in einem Bergland zwischen 300 und über 500 m Meereshöhe. Seine Gipfel sind die Kolmer Kippe (508 m), die Kolmer Scheibe (441 m) und der Laskenberg (429 m). In das dortige Eruptivgestein sind u.a. 30 bis 60 cm lange Flöze von Pechglanzkohle eingesprengt, die von 1805 bis 1850 abgebaut wurden. Das Gemeindegebiet wurde zu 57 % von landwirtschaftlichen Flächen eingenommen, zu 40 % war es bewaldet. Kolmen ist wegen seiner Gebirgslage frei von jeglicher Industrialisierung geblieben und hatte sich dadurch seinen kleinbäuerlichen Charakter bewahrt. Von der Land- und Forstwirtschaft lebten knapp 30 %, von Industrie und Handel knapp 40 % und von Handel und Verkehr etwa 20 % der Bevölkerung.

Die Ortschaften Kolmen und Stabigt haben stets zur Stadtpfarrei St. Wenzel bzw. ab 1824 Heilig Kreuz in Tetschen gehört. Die ab 1854 entstandene Ortschaft Steinbach war von Anfang an der Pfarrei St. Laurentius in Neschwitz zugewiesen. Die Matriken für Kolmen sind seit 1596 lückenlos erhalten. Die Dorfkapelle in der Dorfmitte mit dem Glockentürmchen wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Von seiner Gründung bis ins 17. Jahrhundert gehörte Kolmen mit Stabigt zum Gericht der Stadt Tetschen und hatte seit 1653 ein eigenes Ortsgericht. Bei der Einrichtung der modernen Gemeindeverwaltung 1850 wurde Kolmen mit einem eigenen Ortsvorsteher der politischen Gemeinde Altstadt angegliedert. 1924 wurde Kolmen eine selbständige politische Gemeinde.

Kolmen
Die Ortschaft Kolmen scheint eine deutsche Ausbausiedlung zu sein, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand, als der Raum für großzügige Dorfanlagen bereits knapper geworden war. Der Ortsname bedeutet einfach „Berghöhe” und entspricht der Geländebeschaffenheit. „Kolm” verweist dabei auf ein von den deutschen Siedlern übernommenes Wort aus dem sorbischen Sprachgebrauch (die alttschechische Form hätte „chlum” heißen müssen). Die erste sichere Namensnennung stammt vom Jahr 1392 wo es heißt „dy leite czum Kolmen”. In den Jahren 1571 und 1581 kamen in Kolmen zwölf Familien mit den Namen Walter, Kretschmer, Tschiche, Zeschke, Cunradt, John, Klemandl, Knorr, Lohre, Hauckisch und Thombke vor. Die Familie Kliemannel ist sogar schon 1554 in Kolmen nachzuweisen. Von 1532 ist eine Familie Matzke, von 1543 eine Familie Lange und von 1544 eine Familie Krombholz bekannt. 1654 gab es in „Kollmen” 13 Gärtner, drei Häusler auf Bauerngrund und sechs Häusler auf Gemeindegrund - insgesamt standen 22 Häuser. 1713 lebten in den 34 Häusern 17 Wirte und 17 Häusler. Letztere waren alle als Tagelöhner beschäftigt. Die Familiennamen der größeren Wirte lauteten Knorre, Walter, Hüttel, John, Fischer, Gaube, Kliemannl, Preidel und Wagner. 1787 gab es 26 Wohngebäude und 1833 lebten in den 26 Häusern 155 Einwohner. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden in Kolmen 169 bzw. 141 deutsche Einwohner registriert. 1934 waren die folgenden Familiennamen am häufigsten vertreten: Knorre, Schieche, Kunert und Hietel.

Stabigt
Stabigt ist erst ab 1580 entstanden, wahrscheinlich als eine Zurodung von Kolmen. Der Ortsname dürfte auf „Stab” (= Stock) zurückzuführen sein. Die Silbe –igt kennzeichnet eine Gesamtheit, also hier eine Gesamtheit Stäbe bzw. Stöcke. 1787 waren in „Stabig” zwölf Hausnummern vorhanden, 1833 werden 14 Häuser mit 74 Einwohnern aufgeführt. Die Volkszählungen von 1869 und 1890 ergaben 105 bzw. 90 deutsche Einwohner, 1910 wurden 150 Bewohner gezählt. Die häufigsten Familiennamen in Stabigt im Jahre 1934 waren Blech, Zaschke, Parthen, Steinmetzer, Strache und Werner.

Steinbach
Die 1854 entstandene Ortschaft Steinbach erhielt ihren Namen vom Gewässer des Steinbaches, an dessen Ufer sie liegt. Siedlungsmäßig ist Steinbach eigentlich eine Erweiterung der am linken Bachufer liegenden Ortschaft Buschmühle (die zur Gemeinde Hortau gehörte), allerdings liegt der Ort eindeutig auf Kolmener Gebiet. In den Jahren 1869 und 1890 wohnten in den vier Häusern von Steinbach 22 bzw. 24 deutsche Einwohner. 1930 waren es 30 Bewohner. Die 1934 vorkommenden Familiennamen waren Heide, Rühr, Strache und Werner.

Heute gehören die drei Ortschaften Horní Chlum (= Kolmen), Dolní Chlum (= Stabigt) und Kamenicka (= Steinbach) zusammen mit den Ortschaften Libverda (= Liebwerd), Bechlejovice (= Bachelsdorf), Březiny (= Birkigt) und Folknáře (= Falkendorf) zur Stadt Děčín (= Tetschen). 1961 lebten in Horní Chlum 57, in Dolní Chlum 45 und in Kamenicka fünf Einwohner.

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Krischwitz

Krischwitz   Krischwitz: Vitello-Werke
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Die Gemeinde Krischwitz im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Krischwitz mit der Einschicht Gutschenke(l) (auch Gutschengel oder Kutschengel) und der Ortschaft Mariannaberg mit den Ortsteilen Meierhof Mirabell und Ufer. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 388 ha. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der bei Krischwitz etwa ein Kilometer breiten, nur sanft geneigten Niederung entlang der Elbe bis knapp unterhalb der Höhen der Kolmer Kippe. Rund 60 % der Gesamtfläche wurde landwirtschaftlich genutzt – dies waren die Lößböden der Tal- und unteren Hanglagen. Tausende Obstbäume standen in langen Reihen in den Feldern und Wiesen. Rund ein Viertel der Gemeinde war bewaldet. Aus dem alten Bauerndorf Krischwitz und der Meierhofansiedlung Mariannaberg sind durch die Entwicklung im 20. Jahrhundert ausgesprochene Wohndörfer für Arbeitnehmer geworden. Nur 6 % der Bevölkerung war in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, 60 % lebten von Industrie und Handwerk, wobei gut die Hälfte der Einwohner im Ort selbst in den Centrawerken Beschäftigung fand. Für 12 % der Ortsbewohner diente der Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr als Existenzgrundlage.

Krischwitz gehörte seit seiner Gründung zur Stadtpfarrei St. Wenzel bzw. seit 1824 zu Heilig Kreuz in Tetschen. Die Matriken sind (wie alle Tetschner Kirchenbücher) seit 1596 erhalten. Die Ortskapelle wurde 1830 wahrscheinlich als Dank für die Verschonung von der damaligen Cholera-Epedemie von Johann Georg Preidel in neubarockem Stil mit Glockentürmchen errichtet. Zur Kirchweih wurde in der Kapelle eine Messe gelesen. Seit seiner deutschrechtlichen Gründung hatte Krischwitz ein Erbgericht (erwähnt 1430), dem auch die Ortschaft Politz angegliedert und das seinerseits dem Stadtgericht Tetschen unterstellt war. Die alte Richterei befand sich wahrscheinlich ebenso wie das seit 1653 bestehende Ortsgericht im Bauernhof Nr. 4 (Hausname „Richter”), der von etwa 1600 bis 1945 durch 13 Generationen im Besitze der Familie Preidel war. 1850 wurde Krischwitz zunächst der Gemeinde Altstadt angegliedert und erlangte 1891 seine politische Selbständigkeit.

Krischwitz und Gutschengel
Allem Anschein nach ist das deutsche Dorf Krischwitz im 13. Jahrhundert unter Einbeziehung einer damals schon vorhanden gewesenen älteren Kleinsiedlung entstanden, von der es auch den Namen übernommen hat. Die deutsche Ortsnamensform „Krisswicz” tritt erstmals 1392 auf, muss sich aber den Lautregeln zufolge („r” an Stelle des späteren tschechischen „r' ”) mindestens 100 Jahre früher gebildet haben. Der Name scheint auf den vordeutschen Namen „Kresch” zurückzugehen. Die Familiennamen in Krischwitz waren 1554 Richter, Meßner, Weigel, Balzer, Bartel, Grünzner, Nitschner, Renelt und Seifert. In den Jahren 1620 und 1624 lauten die Namen der Bauern Preidel, Meßner, Fritsche, John, Pehe, Hübner, Bartel, Ringelhahn, Teufel, Kunert und Grünzner. 1654 standen 18 Häuser im Ort und 1713 sind für „Krysswicz” 29 Häuser überliefert. 1787 hatte Krischwitz 38 Häuser, zu denen die zwei Häuser in „Kutschenke” und das Ufergut kamen, wodurch sich der Häuserbestand auf 41 erhöhte. 1833 lebten 260 Einwohner in Krischwitz in immer noch 41 Häusern. Die Einschicht Gutschengel war zwischen 1540 und 1566 durch den Krischwitzer Schenker Melchior Gut als Gärtnerwirtschaft errichtet worden und hieß nach ihm „Gut-Schenke”. Gemäß den Volkszählungen hatte Krischwitz 1869 und 1880 258 bzw. 256 deutsche Einwohner. Erst 1890 und 1900 wuchs die Bevölkerung auf 314 bzw. zehn Jahre später auf 486 Einwohner. Im Jahre 1939 hatte Krischwitz wegen der Industrialisierung im benachbarten Politz und in Neschwitz schon 1.473 Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 John, Kliemannl, Böhm, Krombholz, Kunert, Laube, Tröster, Hieke, Neumann, Preidel, Walter, Dörre, Hampe, Hegenbart, Hortig, Kreibich und Richter.

Elbegut Slawik, Meierhof Mirabell und Ufergut
Unterhalb von Mariannaberg befand sich einst die kleine Burg Slawik. Der Name der Burg bedeutet soviel wie Nachtigall. Anfang des 16. Jahrhunderts erfolgte eine Teilung des Rittersitzes, dessen einen Teil unter der Bezeichnung „Ufergut” der aus Altstadt stammende Thomas Wunderlich im Jahre 1510 übernahm. Der andere Teil, das eigentliche Slawik, wurde 1538 von Antonius John aus Altstadt gekauft. Die Familie Wunderlich (später Namensentwicklung zu Windrich) bewirtschaftete das Ufergut 354 Jahre lang, bis es 1864 von der Thun'schen Domäne Tetschen angekauft wurde. Der Slawikhof blieb in den Händen der Familie John. Der alte Name Slawik trat später gegenüber dem neuen Namen „Mirabell” (= wunderschön) zurück.

Mariannaberg
Die Ortschaft Mariannaberg wurde 1785 auf herrschaftlichen Gründen angelegt und nach der Gräfin Maria Anna Thun geb. Gräfin Kolowrat-Liebsteinsky benannt. 1787 standen schon 13 Häuser, 1833 war der Ort von 77 Menschen bewohnt. 1890 lebten 108 Einwohner im Dorf und 1930 wohnten (ausgelöst durch den Bau der Großmolkerei) bereits 311 Einwohner in Mariannaberg. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Dörre, Gatter, Hermann, John, Köckert, Laube, Rehnelt und Schramm.

Die tschechische Ortschaft Křesiče (= Krischwitz) bildete früher mit Marjanin (= Mariannaberg), Boletice (= Politz) und Nebočady (= Neschwitz) die politische Gemeinde Boletice. 1961 lebten in Křesiče 997 und Marjanin 169 Personen. Heute gehören Křesiče (mit Marianin), Boletice nad Labem (= Politz an der Elbe) und Nebočady zur Stadt Děčín (= Tetschen).

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Neschwitz

Neschwitz mit Netterskoppe   Neschwitz: Ortsplatz mit Kapelle   Neschwitz: Fleischerei und Gasthaus zum Junfgernstein   Topkowitz, Jakuben mit Jungfernstein
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Die Gemeinde Neschwitz im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus den beiden Ortschaften Neschwitz und Jakuben. Zu Neschwitz gehörten die Einschichten „Elend” und „Medschgn”. Die Einschicht „Mühl-Seidel” hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg zu dem vom Volksmund so genannten Ortsteil „Neu-Serbien” entwickelt. Früher gab es außerdem die Einschichten „Seidelanton” (zu Neschwitz gehörend) und „Schmiedestolz”, das zu Jakuben zählte. Das Gemeindegebiet von Neschwitz am rechten Elbeufer reicht von den Niederungen der Elbe bis hinauf auf die halbe Höhe der Berghänge. Bei Jakuben reichen die Berge nahe an das Elbufer heran. Am schmalsten ist das Ufer bei dem zwischen den beiden Ortschaften liegenden „Jungfernstein”, auch „Jungfernsprung” oder „Metschen” genannt, ein 40 m hoher, steil zur Elbe abfallende Basalt- und Klingsteinfelsen, dem auch gerne die Bezeichnung „Elbeloreley” beigelegt wurde. Die seit Jahrhunderten dort befindlichen drei Holzkreuze erinnern an die Sage von den drei Jungfrauen, die vor ihren Verfolgern in die Elbe gesprungen sein sollen. Gut 50 % der Gemeindefläche wurde landwirtschaftlich genutzt, 25 % war bewaldet und etwa 15 % waren unproduktive, meist felsige Flächen. Bis zur Errichtung der Industriebetriebe um die Wende zum 20. Jahrhundert im benachbarten Politz war der Ort ein reines Bauerndorf gewesen. Knapp 15 % der Erwerbsbevölkerung lebte 1939 von der Land- und Forstwirtschaft, 54 % von Industrie und Handwerk und gut 16 % von Handel und Verkehr.

Die Pfarrei Neschwitz dürfte zu den ältesten Pfarreien des Gebietes um Tetschen gehören. Der alte Neschwitzer Pfarrsprengel umfasste die rechtselbischen Orte Neschwitz, Politz, Buschmühle, Steinbach, Hortau, Vogelgesang, Hostitz, Schmorda, Schöras und Jakuben sowie auf der linken Elbseite Bohmen, Gleimen, Kartitz, Malschwitz, Barken, Prosseln und Topkowitz. Von den letzteren kamen Bohmen und Gleimen 1853 zur neu errichteten Pfarrei Ohren. Die Pfarrkirche Hl. Laurentius wurde 1713/14 nach einem Brand im Barock-Renaissance-Stil neu aufgebaut. Gegenüber dem Gasthaus „Zum Jungfernstein” stand eine 1704 erbaute Kapelle. Auf dem Jungfernsprungfelsen oder Metschen waren mindestens seit dem 17. Jahrhundert drei Kreuze errichtet. Vermutlich war der Felsen in alter Zeit ein heidnischer Platz zur Götterverehrung. Früher hatte Neschwitz ein Ortsgericht. Die Gemeinderuge von 1671 und ein 1689 begonnenes Gemeinderechnungsbuch sind erhalten. Ab 1850 gehörte außer Neschwitz und Jakuben auch Politz bis zu seiner politischen Selbständigkeit 1903 zur Gemeinde Neschwitz.

Neschwitz
Vor der deutschen Rodung im 13. Jahrhundert bestand vermutlich ein älterer „Stammhof”, der als Wirtschaftshof der slawischen Burgmannenzeit des 11. bis 12. Jahrhunderts anzusehen ist. Davon dürfte auch der Ortsname übernommen worden sein. Die älteste Nennung lautet 1352 „Nebuczan”. Von 1554 sind die Namen Deutsch, Jesnik, Krombholz, Neumann, Seidel und Walter überliefert. 1571 und 1581 hatte der Ort 16 Wirte. Laut Herrschaftsurbar von 1620 gab es 19 Häuser, die Namen der größeren Wirte waren Seidel, Prautsch, Rehnelt, Siebiger und Strache; die der kleineren Wirte lauteten Banke, Heger, John, Pechanz, Seidel und Teufel. Außerdem kamen noch die Familien Strache, Gärtner, Seidel, Teufel und Zappe vor – vermutlich die Häusler des Ortes. Auch 1654 standen 19 Häuser - sieben Bauern, sechs Gärtner und sechs Häusler. An den Bauernunruhen 1680 waren Neschwitzer Einwohner führend beteiligt. 1683 und erneut 1712 brannte der Ort fast vollständig nieder. 1713 standen 21 Häuser im Dorf, in denen 14 Wirte- und sieben Häuslerfamilien lebten. Die Namen der Bauern waren Prautsch, Pechanz, Hora, Stolze, Herzig, Hübsch, Hütl und Lößl. 1787 hatte Neschwitz 30 Häuser. 1833 waren es 194 Einwohner in 29 Häusern, einschließlich der Einschicht „Elendhäuser”. Es bestand eine Elbfähre nach Kartitz. Nach den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte die ganze Gemeinde 263 bzw. 313 durchwegs deutsche Bewohner. Durch die Industrialisierung erhöhte sich die Zahl sprunghaft auf 741 Personen im Jahre 1910. Die häufigsten Familiennamen von Neschwitz waren 1934 Seidel, Wagner, Richter, Arlt, Hauptmann, Hübner, Stolze, Focke, Hanke, Heller, John, Komma, Neumann und Werner.

Jakuben
Vermutlich stammt der Name von dem Bauerngut eines Jakob ab, dessen Besitz aber schon Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts de
m Tichlowitzer Meierhof einverleibt wurde. Auf den Fluren „Jakuben” wurde 1781 eine Siedlung angelegt, die anfangs auch „neues Dörfel” genannt wurde. 1833 wohnten 52 Einwohner in 11 Häusern dort. Die Volkszählungen von 1869, 1890 und 1910 zeigen ein Ansteigen der Einwohnerzahl von 59 über 62 auf 101 Personen. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Stolze, Arlt, Lösel, Klepsch und Struppe.

Die tschechischen Ortschaften Nebočady (= Neschwitz) und Jakuby (= Jakuben) gehörten früher zur politischen Groß-Gemeinde Boletice (= Politz), wozu neben Boletice selbst auch noch die Ortschaften Lesná (= Buschmühle), Křesiče (= Krischwitz) und Marianin (= Mariannaberg) gehörten. 1961 lebten in Nebočady 484 und in Jakuby 45 Menschen. Heute sind die Orte in die Stadt Děčín (= Tetschen) eingemeindet.

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Politz

Politz vom Bergschloss aus   Politz   Politz: Ansichten
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Die Gemeinde Politz an der Elbe im Gerichtsbezirk Tetschen bestand ausschließlich aus der Ortschaft Politz, zu welcher der Ortsteil „Kliemannl” gehörte. In Politz ist einerseits das alte Bauerndorf entlang des Steinbaches und andererseits die seit 1899 durch die Industrialisierung entstandene Erweiterung des Ortes entlang der Elbtalstraße sowie das Fabrikgelände am Elbufer zu unterscheiden. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug bis 1945 259 ha. Das Gemeindegebiet liegt auf den sich weit zur Elbe hinstreckenden Ausläufern einer das Elbetal begrenzenden Bergkette, die zum Böhmischen Mittelgebirge gehört. Die Gemeindefläche bestand zu knapp 60 % aus landwirtschaftlichen Flächen, zu gut 20 % aus Waldboden und der Rest war bebaut und Industrieland. Mit einer Wohnbevölkerung von 2.733 Einwohnern im Jahre 1939 war Politz nach Altstadt die größte Dorfgemeinde im Kreis Tetschen. Politz hatte, gefördert durch seine günstige Verkehrslage, zahlreiche Produktionsbetriebe in verschiedenen Wirtschaftsbereichen. Von 1890 bis 1930 hatte sich die Einwohnerzahl auf über 3.000 Personen verzehnfacht. 1939 gehörten nur noch knapp 3 % der Bevölkerung zum Bereich Land- und Forstwirtschaft, 68 % aber zu Industrie und Handwerk und 13 % zu Handel und Verkehr.

Politz war seit alters her nach Neschwitz eingepfarrt gewesen. Die Matriken beginnen im Jahre 1703. Bis ins 15. Jahrhundert war für Politz das Gericht in Krischwitz und Ufer zuständig, später besaß es einen eigenen Ortsrichter. Seit 1849 hatte der Ort zur politischen Gemeinde Neschwitz gehört und war 1903 zur selbständigen Gemeinde geworden.

Der Ortsname Politz dürfte auf den slawischen Personennamen Bolata (von Boleslav oder Bolemil) zurückzuführen sein. Es muss von einer früh-mittelalterlichen altslawischen Siedlung des 10. oder 11. Jahrhunderts ausgegangen werden, die durch die deutsche Rodung im Deutschtum aufgegangen ist. Die älteste bekannte urkundliche Nennung datiert nachweisbar von 1454. Politz gehörte stets zur Bannmeile der Stadt Tetschen. Eine Urkunde von 1515 erwähnt einen Lukas Hyeke (Hieke). Außerdem sind an Namen überliefert Laube und Richter (1531), Ermisch (1532), Möller (1544), Hegenbarth und Kliemannl (1546), Balzer, Böhm, Bendix, Grams, Holmik und Hora (1556) sowie John (1599). Die Familiennamen der Bauern in den Urbaren von 1620 und 1624 waren Hora, Fischer, Gaube, John, Kliemannl, Laube, Prautsch, Walter, Werner und Wirtlicher.

Die Steuerrolle von 1654 zählt für „Polticz” zehn Bauern, einen Gärtner und drei Häusler auf – zusammen standen somit 14 Häuser. Die Bauern hießen Hora, Prautsch, Kliemannel, Laube, Partsch, Walter, Gaube und Parsche. 1662 kommt auch der Name Preidel vor. 1713 gab es 23 Häuser mit 112 Einwohnern. 1787 standen 30 Häuser und 1833 waren es 29 Häuser mit 194 Einwohnern. Bei den Volkszählungen von 1689 und 1890 wurden 180 bzw. 292 ausschließlich deutsche Einwohner gezählt. Seit der Errichtung der Emaillierwerke Haardt & Co (später Sphinx AG) 1892, der chemischen Fabrik Hermann Ehret (später Stolle & Kopke) 1899 und der Konkordia-Spinnerei Stöhr & Co. im Jahre 1903 entwickelte sich aus dem Dorf Politz schnell eine Industriegemeinde, die 1910 bereits 2.920 Einwohner hatte. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Wagner, Böhm, Richter, Hieke, Fiedler, Franz, John, Walter, Preidel, Riedel, Wenzel, Grüntzner, Kreß, Krombholz, Weigel, Werner, Dreher, Prautsch, Strowick und Zeißmann.

Die tschechische Ortschaft Boletice (= Politz) gehörte erst mit den Ortschaften Lesná (= Buschmühle), Nebočady (= Neschwitz), Jakuby (= Jakuben), Křesiče (= Krischwitz) und Marianin (= Mariannaberg) zur politischen Groß-Gemeinde Boletice. 1961 lebten in der Ortschaft Boletice 2.115 Menschen. Heute ist Boletice nad Labem (= Politz an der Elbe) mit seinen Ortsteilen in die Stadt Děčín (= Tetschen) eingemeindet.

Zur Gemeinde Politz an der Elbe existiert noch die private Heimatseite www.politz-elbe.de.

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Rittersdorf

Rittersdorf
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Die Gemeinde Rittersdorf im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Rittersdorf mit den einschichtigen Ortsteilen Drehe, Kühllochschenke, Riedelmühle und Watzke. Seit 1849 hatte zunächst auch Babutin dazugehört, das jedoch in den 1920er Jahren politisch selbständig wurde. Die gesamte Fläche der Gemeinde betrug 157 ha. Der Ort ist ein gegen Wind und Wetter ungeschützt liegendes Gebirgsdorf mit rauhem Klima. Etwa 60 % der Gemeindeflächen waren Felder und Wiesen, 33 % waren bewaldet. Infolge der verkehrsmäßigen Abgelegenheit war Rittersdorf bis 1945 ein reines Bauerndorf ohne jegliche Industrie geblieben. Auf den Bereich Land- und Forstwirtschaft entfielen über 40 % der Einwohner, auf Industrie und Handwerk nur gut 30 %. In Handel und Verkehr waren 13 % der Bevölkerung beschäftigt. Die Arbeitsplätze befanden sich hauptsächlich in Politz, Pömmerle und Großpriesen.

Rittersdorf gehörte immer zur Pfarrei Johannes der Täufer in Tichlowitz. Mit dieser war es von 1621 bis 1873 eine Filiale von Neschwitz. Die Matriken sind seit 1674 vollständig erhalten. Die Kapelle in Rittersdorf war dem Hl. Florian geweiht, in dessen Türmchen sich eine Dorfglocke befand. Ursprünglich hatte Rittersdorf zum Schöppengericht und später zum Ortsgericht in Tichlowitz gehört, bis es 1849 eine selbständige politische Gemeinde einschließlich der Katastralgemeinde Babutin wurde, welche aber nach dem Ersten Weltkrieg selbständig und von Rittersdorf verwaltungsmäßig abgetrennt wurde.

Das Gebiet der Gemeinde Rittersdorf war aller Wahrscheinlichkeit nach schon in der vordeutschen Zeit im 11. oder 12. Jahrhundert vom Elbetal her besiedelt worden. Dass es sich dabei um eine kleine altslawische Rodung handelte, ist aus dem früheren Ortsnamen „Libecz” sowie einer ganzen Reihe von Flurnamen zu schließen. Vermutlich ist diese alte, weilerartige Siedlung um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert aus einem nicht bekannten Grund, vielleicht durch eine Epidemie, entvölkert worden. Die Besitzer des Ortes, die Ritter von Bünau, haben daraufhin eine Neubesetzung des Dorfes mit Deutschen bei gleichzeitiger Zurodung vorgenommen. Das alte „Libecz” hatte seinen Namen möglicherweise von einem slawischen Personennamen „Lubek” oder „Lubecz”. Das neue Rittersdorf bekam seinen Namen von den für die Gründung maßgeblichen Grundherren, dem schon genannten Adelsgeschlecht der Ritter von Bünau. Die älteste bekannte urkundliche Nennung (außer „Libecz”) lautet in der tschechischen Landtafel von 1543 (für 1515) „Rytierzow”. 1571 sind acht Wirte verzeichnet, die Herrschaftsurbare von 1620 und 1624 führen 17 Häuser auf. Die Bauern und Gärtner hießen damals Gaube, Schimpke, Hübsch, Lahre, Skieball und Grüntzner. 1654 hatte Rittersdorf immer noch 17 Häuser, 1713 waren 13 Wirte und zehn Häusler ansässig. Die Bauern hießen Schimke und Gaube, die Gärtner lauteten Fleck, Schimke, Seidl und Watzke. 1787 standen 44 Häuser und 1833 lebten in „Rittersdorf, im Gebirge gelegen” 238 Einwohner in 41 Häusern. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden 278 bzw. 240 deutsche Einwohner gezählt. Wegen der fehlenden Industrie nahm die Bevölkerung in den Folgejahren langsam ab. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 John, Hanke, Gaube, Schimpke, Hortig, Weigel und Wolf.

Die tschechische Ortschaft Rytířov (= Rittersdorf) gehört zusammen mit Časlav (= Tschiaschel), Loučky (= Schönau), Přibram (= Biebersdorf) und Verneřice  (= Wernstadt) zur politischen Gemeinde Verneřice. 1961 hatte Rytířov 31 Einwohner.

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Tichlowitz

Tichlowitzv mit Hohem Schneeberg   Tichlowitz mit Sperlingstein   Nieder-Wellhotten mit Sperlingstein   Nieder-Wellhotten mit Sperlingstein
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 13. und 14. Jahrhundert wurde der Name ins Deutsche übernommen. Der Name des Ortsteils „Kaute” scheint dessen versteckte Lage im Tal zu verzeichnen und st

Die Gemeinde Tichlowitz im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus fünf Ortschaften: 1. Tichlowitz mit den einschichtigen Ortsteilen Kaute und Hörnl, 2. Nieder-Wellhotten mit den einschichtigen Ortsteilen Humpreska, Weberberg und Sperlingstein (hier nur „Kliemannel”, denn Böhm gehörte zur Gemeinde Babutin), 3. Ober-Wellhotten, 4 Pschüra nördlich des Grenzbaches (der südliche Teil gehörte zur Gemeinde Kleinpriesen im Kreis Aussig) mit dem einschichtigen Ortsteil Kohlloch und 5. Mühlörzen. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 857 ha. Die Ortschaften der Gemeinde Tichlowitz zogen sich teilweise am Elbufer hin, teilweise erstreckten sie sich in die Seitentäler der Elbe und an Berghängen hinauf. Das mit Buchen- und Nadelwald bestandene Bergland gehört zum Böhmischen Mittelgebirge. Der höchste Berg der Umgebung ist der Zinkenstein mit 684 m, der aber bereits auf Biebersdorfer Gebiet liegt. Die Gesamtfläche der Gemeinde war zu 32 % landwirtschaftlich genutzt worden und zu 62 % bewaldet. 16 % der Bevölkerung hatten ihre Existenz in landwirtschaftlichen Berufen. Die Hauptnutzung war der Obstbau. In Industrie und Handwerk waren 48 % und in Handel und Verkehr 19 % der Einwohner tätig. Die in Tichlowitz wohnenden Arbeiter fuhren nach Tetschen-Bodenbach, Politz und Aussig-Schreckenstein zur Arbeit.

Tichlowitz wurde erstmals 1360 als Pfarrei erwähnt. 1384 erscheint es als Filiale der Pfarrei Neschwitz. 1412 war es selbständig und wurde nach der Rekatholisierung um 1621 wieder eine Filiale von Neschwitz. Die erneute Selbständigkeit erlangte die Pfarrei in Tichlowitz 1873 wieder. Zum Pfarrbezirk gehörten Tichlowitz, Mühlörzen, Nieder- und Ober-Wellhotten, Pschüra, Babutin, Rittersdorf und Wittine (welches schon im Kreis Aussig lag). Sämtliche Kirchenbücher sind seit 1674 erhalten. Das Patrozinium der Pfarrkirche von Tichlowitz „Johannis Enthauptung” könnte von der ursprünglichen Zugehörigkeit zum alten Johanniterbesitz herrühren. Die Kirche soll bereits 1284/85 als Kapelle errichtet worden sein. Das gotische Presbyterium stammt aus dem 15. Jahrhundert, als das kleine, vorhussitische Holzkirchlein niedergerissen worden war. Außerdem gab es eine Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes, eine Dorfkapelle bei Ober-Wellhotten, die Dreifaltigkeitskapelle in Nieder-Wellhotten und eine Kapelle in Mühlörzen. Das alte Tichlowitz hatte ein auch für Rittersdorf und Babutin zuständiges Schöppengericht, das sich im Hause Nr. 1 (= Erbschenke) befand.

 

Tichlowitz
Der älteste Kern der Ortschaft Tichlowitz dürfte auf einen kleinen slawischen Siedlungsanfang im 10. oder 11. Jahrhundert zurückgehen, der als Wirtschaftshof zur Versorgung der Tetschner Burgmannschaft angelegt wurde. Vielleicht kamen auch bald einzelne Anwesen dazu. Mit dem Beginn des Landausbaues im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Ansiedlung in das größere, nach deutschrechtlicher Art mit einem Erbgericht ausgestattete Dorf Tichlowitz mit einbezogen. An diese älteste, vordeutsche Zeit erinnern hauptsächlich Flurnamen und die Siedlungsform, die keine Waldhufen erkennen lässt. Der Name dürfte auf einen Personennamen „Techla” zurückgehen und bedeutet „Ort der Leute des Techla”. Im
ammt aus dem altslawischen „kout” (= Winkel). Die erste urkundliche Nennung von 1363 lautet „Tyechlouicz”. 1571 wies der Ort 11 angesessene Mann aus und 1581 gab es 12 Wirte. Gemäß dem Herrschaftsurbar von 1624 standen 24 Häuser. Die Namen der neun Bauern lauteten Marx, Sasym, Bartsch, Groy, Hüttig, Jörkel und Wendt. Die übrigen Wirte und Häusler hießen Bartsch, Kunert, Borde, Grünzner, Gruner, Günther, Hora, Murre, Seidel, Steppan, Stolze, Strache und Tappicht. Weitere alte Tichlowitzer Namen waren zu jener Zeit nicht mehr vertreten, nämlich Schaffarsch (belegt 1515), Hanusch und Kunesch (1540) sowie Klim (1603). 1654 standen 26 Wohngebäude und 1713 sind 33 Häuser verzeichnet, darunter drei Bewohner, die Schiffer waren. Die Namen der Bauern waren Jäger, Jugel, Marx, Morre und Petzelt. Andere altansässige Namen kamen nur noch unter den Häuslern vor - so Hüttig, Stolze und Sasim. Der Name Pechanz trat damals zum ersten Male auf. 1787 wurden 43 Häuser sowie ein „prächtig gebauter Mayerhof, darinn viele schöne Gewölbe, die von Obst- und Getraidehändlern gemiethet sind” aufgelistet. 

1833 gab es 52 Häuser und 296 Einwohner in Tichlowitz sowie einen Meierhof und eine Schule. 1869 lebten 355, 1890 schon 472 und 1910 schließlich 661 Bewohner im Ort. Maßgeblich für diese Entwicklung war das Aufblühen der Elbedampfschifffahrt, die Errichtung der Schiffswerft, der Obstexport und der Bau der Österreichischen Nordwestbahn 1873/74. Die häufigsten Familiennamen in Tichlowitz waren 1934 Gaube, Jahn, Richter, Jäger, Hüttig, Lösel, Stolz(e), Fohry, Fritsche, Jahnel, Pieke, Portsch, Wolf. Amstätter, Schmidt, Cerney, Dörre, Heier, Hein, Hetzler, Hübsch, Laube, Leisner, Preidel, Theißig und Wagner.

Nieder-Wellhotten
Der Name Wellhotten lässt erkennen, dass es sich nicht um einen so alten Ort wie Tichlowitz, sondern um eine Rodungssiedlung einer frühen Ausbauperiode handelt, die seinerzeit hinsichtlich der Steuerabgaben eine mehrjährige Befreiung genoss wie zahlreiche andere Dörfer in Böhmen, die den gleichen Ortsnamen-Stamm (altslawisch „we lhote” = in der lhota gelegen). Der Name wurde dann beim mittelalterlichen Ortsausbau in verballhornter Form ins Deutsche übernommen. Obwohl die Anfänge des Ortes wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts liegen, stammt die älteste bekannte Nennung erst von 1543 (für 1515) und lautet in der tschechisch geführten Landtafel „przedny Lhota” (= Vorder-Wellhotten). 1571 und 1581 gab es in Nieder-Wellhotten fünf angesessene Mann - also fünf Bauern - und in den Urbaren von 1620 und 1624 waren in „Förder Wellhotta” bzw. „Nieder Wellhotta” bereits acht Häuser vorhanden. Die drei Bauern hießen alle Hüttig, der Gärtner Murre und die vier Häusler Perthen, Hüttig und Tappich. Um 1568 soll eine Familie Grund ansässig gewesen sein. 1654 standen sieben Häuser, in denen drei Bauern, ein Gärtner und drei Häusler mit ihren Familien lebten. 1713 sind wiederum sieben Wohngebäude verzeichnet. Die vier Wirte hießen Hantschmann, John, Morre und Theißig. Dazu kamen noch drei Häusler. 1787 hatte der Nieder-Wellhotten zehn Hausnummern und 1833 gab es elf Häuser mit 73 Einwohnern. 1869 wohnten 138 und 1890 schon 151 ausschließlich deutsche Bewohner in Nieder-Wellhotten. Der Höchststand wurde 1930 mit 190 Menschen (einschließlich 17 zugewanderten Tschechen) erreicht. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Lösel, Richter, Schneider, Bendel, Fohry, Gaube, Glanz, Kliemannel, Schröter, Stolz, Tepper, Trödel und Ungermann.

Die meist zu Nieder-Wellhotten gezählte Einschicht Humpreska wurde 1543 (für 1515) als „Humprechticze” urkundlich genannt. Der Ortsname dürfte auf den deutschen Personennamen Humprecht zurückzuführen sein. Besitzer des einzigen Bauernhofes war 1624 und 1713 die Familie Lösel.

Die Einschicht Sperlingstein, auch „Unteres Sperlingsteinhaus” oder „Kliemannel” genannt, wurde 1869 gegründet. Die Einschicht Weberberg oder Gröschelsberg ist wahrscheinlich um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden - 1848 ist sie noch nicht aufgeführt.

Ober-Wellhotten
Für die Gründerzeit und der Entstehung des Ortsnamens gelten die Ausführungen wie bei Nieder-Wellhotten sinngemäß. Bei der frühesten urkundlichen Nennung 1543 (für 1515) wurde der Ort als „Zadnij Lhota” (= Hinter-Wellhotten) bezeichnet. Erst 1624 beginnt die Bezeichnung Ober-Wellhotten. 1571 und 1581 gab es vier Häuser. In den Urbaren von 1620 und 1624 wohnten die zwei Bauern Hegenbarth und Seidel und die beiden Häusler Perthen und Hantschke im Ort. Gemäß der Steuerrolle von 1654 setzte sich „Welhota Wrchni” unverändert aus vier Häusern zusammen. 1713 waren es dann sechs Wohngebäude. Die Wirte hießen Donat, Matzke, Peißig und Seidel, die Häusler Gaube und Morre. 1787 standen acht und 1833 ebenfalls acht Häuser, in denen 51 Menschen lebten. 1869 hatte Ober-Wellhotten 55, 1890 schließlich 70 und 1910 dann 73 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen in Ober-Wellhotten waren 1934 Pöhlig, Büschel, Fohry und Heller.

Pschüra
Die Ansiedlung Pschüra scheint ebenso wie Tichlowitz auf einen kleinen altslawischen Siedlungsanfang im 10. oder 11. Jahrhundert zurückzugehen. Der Ortsname dürfte soviel wie „vor dem Graben” oder „Ausschwemmung” bedeuten und steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem zwischen Lechenberg und Ziegenrücken herabstürzenden Kohlbachgraben. Die älteste Nennung Pschüras, das Anfang des 15. Jahrhunderts durch eine nachträgliche Besiedlung des rechten Kohlbachufers, wodurch sich die Ortschaft Pschüra (Tetschner Teil - im Unterschied zu einem auf Kleinpriesener Gebiet im Kreis Aussig gelegenen Teil) bildete, datiert von 1543 (für 1515) und lautet in der Landtafel „Przirow”. 1571 und 1581 gab es drei Wirte („angesessene Mann”) in Pschüra. Im Urbar von 1624 war der Ort auf sechs Häuser angewachsen und hatte als Bewohner die zwei Bauernfamilien Kunert und Panicke, die beiden Gärtnerfamilien Donat und Wagner sowie die beiden Häuslerfamilien Hanusch und Seidel. Auch 1654 gab es wie auch 1713 sechs Häuser im Dorf. Die Namen der Wirte waren 1713 Fritsche und Richter (als Bauern), Füger und Sengebarth (als Gärtner) sowie Fritsche, Kunigt und Seidel (als Häusler). Der andere Pschüraer Teil gehörte damals zur Herrschaft Teplitz und umfasste elf Häuser, in denen die Familien Hecht, Arlt, Borde, Herlitz, Hieke, Ehrlich und Weigel wohnten. 1787 ist „Pschira” mit 14 Hausnummern verzeichnet und 1833 werden elf Wohngebäude mit 56 Einwohnern genannt. 1869 hatte der Ort 62, 1890 nur noch 60 und 1910 dann 73 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Weigel, Dörre, Armstätter, Bilay, Hecht und Zeischke.

Die Einschicht „Kohlloch” bestand schon im 18. Jahrhundert, denn auf der Josefinischen Karte von 1781/82 ist der „Kohlbauer” eingetragen.

Berühmt-berüchtigt war die „Pschüraer Bande”, eine Räuber- und Schmugglerbande im 19. Jahrhundert, die ihr Unwesen in der ganzen Gegend trieb und den Wahlspruch gehabt haben soll „Den Reichen zum Trutz und den Armen zum Nutz”.

Mühlörzen
Als ständiger Wohnplatz ist Mühlörzen erst im 17. Jahrhundert - vielleicht 1610 - entstanden, doch ist der Name der Örtlichkeit viel älter und wahrscheinlich auf eine früher dort bestehende Köhlerei zurückzuführen (altslawisch „milirz” = Meiler). Erster namentlich bekannter Bewohner war 1632 der Heger Tausig. 1787 gab es in „Milerzen” elf Häuser und 1833 dann zwölf Häuser, in denen 93 Menschen lebten. 1869 hatte der einsam gelegene Ort 62, 1890 nur noch 55 und 1910 gar nur 47 deutsche Einwohner. Die einzigen in Mühlörzen mehrfach vorkommenden Familiennamen waren 1934 Schneider und Gaube.

Zur heutigen tschechischen Gemeinde Těchlovice (= Tichlowitz) gehört neben der Ortschaft Těchlovice selbst auch die ehemals selbständige Gemeinde Babetin (= Babutin). 1961 wiesen die einzelnen Ortschaften der Gemeinde die folgenden Einwohnerzahlen auf: Těchlovice 505, Předni Lhota (= Nieder-Wellhotten) 62, Zadni Lhota (= Ober-Wellhotten) 36, Přerov (= Pschüra) 28 und Milirsko (= Mühlörzen) sechs. Babetin hatte 51 Einwohner. In der gesamten Gemeinde Těchlovice lebten am 28.08.2006   512 Menschen.

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