Eulautal

Bünauburg

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Schneeberg

Eulau

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Tyssa

 

 

Bünauburg

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Die Gemeinde Bünauburg im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus den Ortschaften Bünauburg und Neudorf. Die Gemeinde Bünauburg liegt im Eulautal an den Ausläufern der Südostabdachung des Hohen Schneeberges. Die Gemeinde selbst verfügte über keinen Wald, war aber ganz mit Wald umgeben, der zum größten Teil zur Domäne Tetschen gehörte. Der Boden ist an den Hängen sandig, im Tale lehmig und im allgemeinen wenig ertragreich. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 1.507 ha. Das ganze Gemeindegebiet wurde vom Eulaubach durchflossen. Der Anteil der Bevölkerung an Land- und Forstwirtschaft war mit 2 % sehr gering. Über 66 % der Bünauburger hatten ihre Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk. Dieser hohe Anteil lag daran, dass seit den 1830er Jahren die Ansiedelung zahlreicher Industrien in Bünauburg erfolgte. Im Bereich Handel und Verkehr waren 14 % der Erwerbsbevölkerung tätig.

Bünauburg und Neudorf gehörten ursprünglich zum Pfarrsprengel Rosawitz und im 16. Jahrhundert angeblich zeitweise zur Pfarrei Schönborn, seit 1786 gehörte Bünauburg zur Kirche „Hl. Franz Xaver” in Biela (Biela selbst gehörte zum Pfarrsprengel in Rosawitz und wurde 1786 eine Filialkirche dieses Sprengels, bis es 1852 zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde). Von 1933 an besaß Bünauburg eine eigene Kirche (die als Filialkirche von Biela geführt wurde). Die Matriken liegen wie alle Kirchenbücher von Biela seit 1788 vor. Ältere Eintragungen sind seit 1595 in den Matriken von Rosawitz zu finden.

Das Dorfgericht befand sich bis 1850 in Neudorf. Später waren Bünauburg und Neudorf 59 Jahre nach Biela eingemeindet, hatten aber eigene Ortsvorsteher. 1908 wurde Biela eine politisch selbständige Gemeinde. Auf dem Gelände der Ortschaften Bünauburg und Neudorf befand sich ehedem das Hammerwerk „In der Bienweide”, welches wahrscheinlich Ende des 15. Jahrhunderts auf einem 60 ha großen obrigkeitlichem Grunde eingerichtet worden war. 1605 ließ der Grundherr Günter von Bünau ein Schlösschen als Herrensitz bauen, das schließlich den Anlass für den neuen Namen „Bünauburg” gab. Der Ortsname Bünauburg ist eindeutig auf die Herren von Bünau zurückzuführen. Die Familie von Bünau selbst schrieb sich bis zu ihrer aus religiösen Gründen erfolgten Auswanderung 1628 „Bünau von Bineburg, Binenberg oder Bünenberge”.

Die Urzelle der späteren Gemeinde Bünauburg war das Hammerwerk „In der Bienweide” auf obrigkeitlichem Grund. Der erste überlieferte Hammermeister war 1524 bis 1540 der Tetschner Bürger Peter Hasche. Ihm folgten Kaspar Sternadt, Walter Fritsche, Josef Richter und Thomas Fritsche. Letzterer verkaufte das Hammerwerk 1570 an den Grundherrn Günter von Bünau, der aber den Betrieb einstellte und 1572 an dessen Stelle einen Meierhof gründete, der 1602 und 1629 durch den Ankauf von zwei Gärtneranwesen vergrößert wurde. Allerdings war der Betrieb des Meierhofes wenig rentabel, so dass es schon im 18. Jahrhundert zu einer Verpachtung und 1792 zur Aufteilung der Flächen kam.

Neudorf
Neudorf geht auf die Gründung im Jahre 1572 zurück, als der Ort als Arbeitersiedlung mit dem Bau des Meierhofes entstand und so zum Unterschied zum älteren Ort Bienweide als neues Dorf bzw. Neudorf benannt wurde. Im Urbar von 1624 werden in „Bünweyda” und „Newdörffel” folgende Einwohner aufgeführt: Fäller, Fritsche, Hickisch, Schade, Barsche bzw. Parsche, Frolopp, Harnisch, Hiecke, Jähnel, Rottberger, Werner und Weygandt. In der Steuerrolle von 1654 sind „Bineburg” und „Newdörffel” mit 18 Häusern auf Bauerngrund verzeichnet. 1713 gab es 22 Häuser, in denen 21 Wirte und ein Häusler lebten. 1787 bestanden in Bünauburg 21 und in Neudörfel 34 Hausnummern, womit die Gemeinde 55 Häuser aufwies. 1833 gab es in Bünauburg 38 Häuser mit 257 Einwohnern und in Neudorf standen 35 Häuser, in denen 230 Einwohner lebten. Ingesamt verzeichnete die Gemeinde somit 73 Häuser und 487 Bewohner. Seit den späten 1830er Jahren siedelten sich eine Reihe von Industriebetrieben in Bünauburg an und die Einwohnerzahl erhöhte sich deutlich. Die Volkszählungen von 1869 und 1890 wiesen 720 bzw. 768 Bewohner auf. 1910 lebten schon 1.575 und 1939 bereits 1.739 Menschen in der Gemeinde Bünauburg (davon 1.349 in Bünauburg und 390 in Neudorf).

Von den Familiennamen waren 1934 am häufigsten in Bünauburg: Hieke, Walter, Klement, Kunert, Arlt, Fiedler, John Rauchfuß, Wagner, Baumann, Beer, Fritsche, Hacker, Hübner, Michel, Mitreiter, Strache, Eichler, Hahnel, Nowatschek, Rösler, Storch und Theissig und in Neudorf: Fritsche, Hieke, Richter, Arlt, Beher, Fuchs, Heller, Strache, Thiele und Walter.

Das heutige Bynov (= Bünauburg) gehört zusammen mit Nova Ves (= Neudorf) dem Stadtbezirk IX von Děčín (= Tetschen-Bodenbach) an. 1961 hatten Bynov 1.345 und Nova Ves 234 Bewohner.

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Eulau

Die Marktgemeinde Eulau im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Eulau mit dem Ortsteil Ober-Eulau samt „Rübendörfl”, dem Ortsteil Neu-Eulau und der einschichtigen Jahnhütte auf dem Hegeberg sowie der Ortschaft Gesteinigt und der Ortschaft Merzdorf mit den Ortsteilen Steinhof, Dönermühle (oder Neumühle), Froschmühle (oder Alte Hütte) und Rote Mühle. Die aneinander stoßenden Ortschaften Eulau, Gesteinigt und Merzdorf werden auf 4 km Länge von der Staatsstraße Bodenbach-Teplitz durchzogen, die auf der Trasse der mittelalterlichen Handelsstraße von Nürnberg in die Lausitz verläuft. Das Gemeindegebiet von Eulau liegt zum größten Teil in einem prächtigen Talkessel des Eulautales, zieht sich aber auf beiden Talseiten weit die Berghänge hinan. Der nordwärts gelegene Teil gehört zum Elbsandsteingebirge, im Süden von Eulau beginnt das Böhmische Mittelgebirge. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 1.425 ha, davon waren Eulau 1.121 ha und Merzdorf 303 ha zuzurechnen. Die Landwirtschaft nahm etwa 64 % und die Forstwirtschaft rund 30 % der Gesamtfläche ein. Infolge der seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung überwogen in der Gemeinde die Wirtschaftsbereiche Industrie und Handwerk, in welchen fast 60 % der Erwerbsbevölkerung beschäftigt waren. Der Anteil an der Land- und Forstwirtschaft betrug nur 8 % und die Bereiche Handel und Verkehr beschäftigten 15 % der Einwohner.

Eulau gehört zu den in der Blütezeit des deutschen Landausbaus im 13. Jahrhundert errichteten Pfarreien. Die Kirche war der Hl. Dreifaltigkeit geweiht. Von 1570 an bis 1628 war die Pfarrei lutherisch. Zur Zeit der Rekatholisierung wurde Eulau ab 1628 von Königswald aus verwaltet, 1682 wurde es eine Expositur und 1832 eine Filiale von Königswald. 1849 wurde die Pfarrei kirchlich wieder selbständig. Der Pfarrsprengel umfasste seit altersher Eulau, Gesteinigt, Merzdorf, Riegersdorf (mit Steinsdorf), ab 1788 auch Schneeberg, ferner bis 1853 (mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung um 1800) die Gemeinde Ohren. Die Matriken der Pfarrei Eulau sind seit 1669 erhalten.

Seit ältester Zeit befand sich ein Erbgericht in Eulau. Das älteste, nur fragmentarisch erhaltene Gerichts- und Grundbuch begann 1481 – es ist heute verschollen. Erhalten blieb das zweite, 1527 begonnene Grundbuch. Die Namen der Richter sind lückenlos bekannt - es hatten dieses Amt von 1563 bis 1780 inne: Berke, Rudiger, Erlemann, Soldan, Nickel und Jäckel sowie später Fleischer, Kargel, Tampe, Werner, Perten, Löbel und Braut. Die seit 1850 eingerichtete Gemeinde Eulau umfasste zunächst den gleichen Bereich wie das alte Gericht Eulau - nämlich Eulau, Gesteinigt, Merzdorf und Riegersdorf mit Steinsdorf - wovon aber Riegersdorf 1856 als selbständige Gemeinde abgetrennt wurde. Vermutlich zwischen 1713 und 1749 wurde die Ortschaft Eulau zum Marktflecken erhoben. Die Gründung des deutschen Dorfes Eulau als zweireihige vollbäuerliche Siedlung mit Waldhufenanlage dürfte im 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts erfolgt sein. Es könnte sich um eine vom Johanniterorden veranlasste Rodung gehandelt haben, nachdem der Orden seit dem Jahre 1169 im Gebiet nördlich von Aussig siedlerisch tätig war. Beim Namen dürfte es sich um eine slawische Namenswurzel, der auf einen vordeutschen Geländenamen zurückgeht, handeln oder die ersten Siedler haben den Namen aus dem sächsischen Raum mitgebracht. Herrschaftlich war das Dorf vom 14. bis 17. Jahrhundert zweigeteilt, bis es 1630 durch die Familie Thun-Hohenstein aufgekauft wurde und bis 1850 (mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung von 1653 bis 1671) bei dieser Herrschaft verblieb und dann in den Gerichtsbezirk Tetschen eingegliedert wurde.

Trotz des seit 1580 bestehenden Wappens mit einer Eule dürfte der Name nicht auf den Vogel zurückzuführen sein. Die älteste bekannte Nennung Eulaus erfolgte in einer lateinischen Urkunde von Aussig aus dem Jahre 1348, in der von „Eulow” die Rede ist.

Von der Zeit zwischen 1537 und 1599 sind die Familiennamen Blumentritt, Hechel, John, Kern, Klement, Klotz, König, Künzel, Petzelt, Pfützner, Schmied, Schmidt, Schwemmer, Simon, Wenig, Winter und Zinke erhalten. 1654 hatte „Eylaw” mitsamt Gesteinigt, Merzdorf und Riegersdorf 110 Häuser. In Eulau alleine gab es 34 Bauern, 12 Gärtner und 15 Häusler - also 61 Häuser insgesamt. Die in der Steuerrolle von 1654 aufgelisteten Namen lauten Klement, Fritsche, Paul, Drechsler, Jäger, Nickel, August, Giersig, Guth, Hampe, Hieke, Hüttel, Jähnel, Kargel, Luprich, Petzelt, Schmidt, Simon, Sengbarth, Tampe, Thiele, Tschech (?), Werner, Panke, Funke, Gaube, Ochse, Paul, Zinke, John und Lange. 1713 hatte der Gutsbezirk Eulau 145 Häuser, worauf 75 auf das Dorf Eulau entfielen. 1787 sind für den Marktflecken „Eule oder Eula” 107 Hausnummern angegeben und 1833 bestand der Ort aus 145 Häusern, in denen 947 Einwohner lebten. Innerhalb des Marktfleckens wurden „Ober-Eulau” und der 1771 entstandene Ortsteil „Rübendörfl” unterschieden. Neu-Eulau kam erst nach Auflösung des Schlossmeierhofes ab etwa 1850 hinzu. 1869 und 1890 hatte sich die Bevölkerungszahl der Ortschaft Eulau auf 1.202 bzw. 1.311 deutsche Einwohner erhöht und war bis 1930 als Folge der Industrialisierung, die ab 1842 mit der Errichtung der Schafwollspinnerei Josef Münzberg im Schlossgebäude eingeleitet wurde, auf 1.760 Personen gestiegen. 1934 waren die häufigsten Familiennamen Fritsche, Nickel, Klement, Jäger, Thiele, Jahnel, Rotsch, Tampe, Lösel, Werner, Dörre, Hampe, Hamprecht, Hieke, Seidel, Stroche, Windrich, Kretschmer, Löbl, Blumtritt, Drexler, Focke, Hübsch, Hortsch, Michel, Schamfuß und Wolf.

Gesteinigt
Gesteinigt wurde ab 1530 von den Grundbesitzern, den Herren von Bünau, angelegt, vermutlich um den Arbeitern des vergrößerten Eulauer Meierhofes und des damals gegründeten Brauhauses eine Wohnung zu geben. Der Ortsname beruht offensichtlich auf den steinigen Böden des Geländes. 1654 wurde der Ort nicht eigens in der Steuerrolle ausgewiesen, doch standen zu dieser Zeit 21 Häuser, deren Zahl sich bis 1690 auf 24 erhöhte. An Familien gab es zu dieser Zeit Paul, Petzelt, Schmidt, Vogel, Winkler, Dörre, Girsig, Grubner, Hartsch, Hieke, Luprich, Schröter, Schütz, Schwarz, Simon, Strache und Werner. 1787 wurden für Gesteinigt 61 Hausnummern angegeben und 1833 standen 73 Häuser, in denen 448 Menschen lebten. Bis 1869 und 1890 war deren Anzahl auf 717 bzw. 748 Einwohner gestiegen. 1930 wurden 1.044 Bewohner gezählt. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Fritsch(e), Löbel, Nickel, Thiele, Schlösinger, Lösel, Tampe, Hampe, Hübsch, Jäger, Hübner, Schicktanz, Schmidt, Werner, Hieke, Hortsch, Jahnel, Kargel, Klement, Kühnel, Peschke, Rotsch und Windrich.

Merzdorf
Die Gründung von Merzdorf dürfte während des 14. Jahrhunderts erfolgt sein. Der Ortsname scheint ziemlich eindeutig auf den Personennamen Martin zurückzugehen. Die beiden ältesten namentlichen Nennungen finden sich in tschechischen Urkunden von 1455 und 1544; sie lauten „Martinovicze” bzw. „w Martiniewßy”. Aus der Zeit 1550 bis 1595 sind die Namen der Bauern Fritsche, Hieke, Hofmann, Höschel, Jäger, Kettner, Klement, Künzel und Zinke sowie der Gärtner Kargel bekannt. Im Urbar von 1650 kamen die Familien Jäger, Franke, Hamann, Hein, Thiele und Tscheche vor. Für 1654 und 1713 fehlen getrennte Nachweise für Merzdorf, da nur das Gut Eulau insgesamt ausgewiesen wurde. 1787 wurde Merzdorf mit 46 Hausnummern angegeben, zuzüglich den zwei Nummern der Froschmühle. 1833 lebten 354 Einwohner in 53 Häusern. Bis 1869 und 1890 hatte sich der Bevölkerungsstand auf 647 bzw. 730 Personen erhöht. 1930 waren es wegen der zunehmenden Industrialisierung schon 953 Einwohner. Die häufigsten Merzdorfer Familiennamen von 1934 waren Windrich, Franze, Fritsche, Hübner, Jäger, Schicktanz, Klement, Löbel, Rotsch, Thiele, Walter, Werner, Lösel, Berger, Böhm, Hacker, Hesche, Hieke, Hofmann, John, Kühnel und Paul.

Die tschechische Stadtgemeinde Jilové (= Eulau) hatte 1961 insgesamt 3.058 Einwohner, davon entfielen auf die Ortschaft Jilové 1.317 Personen, auf Kamenná (= Gesteinigt) 967 Personen und Martiněves (= Merzdorf) 774 Personen. Am 03.07.2006 lebten 5.321 Menschen in der Stadtgemeinde Jilové, zu der seit 1976 auch die Ortschaft Sněžník (= Schneeberg) und seit 1980 die beiden Ortschaften Modrá (= Riegersdorf) und Kamenec (= Steinsdorf) gehören.

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Königswald

Die Gemeinde Königswald im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus den Ortschaften Königswald und Oberwald. Zur Ortschaft Königswald gehörten die Ortsteile Neu-Königswald (auch Tyß-Loch oder Tyßbach-Häuser genannt) und Holzgrund sowie die einschichtig gelegenen Ortsteile „Rabenhaus”, „Unterm Rabenhaus”, „Bei der Gruft”, „Lackfabrik” und „Pfarrhäusel”. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 1.740 ha. Das Eulautal bei Königswald wird von den Höhen dreier verschiedener Gebirgsformationen begrenzt: im Norden vom Elbsandsteingebirge, im Westen von den Ausläufern des Erzgebirges und im Süden vom Böhmischen Mittelgebirge. Das alte Bauerndorf Königswald hatte durch zahlreiche Industriegründungen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine gemischte agrarisch- gewerbliche Wirtschaftsstruktur und nur 15 % der berufstätigen Einwohner lebten von der Land- und Forstwirtschaft. Überdurchschnittlich hoch mit über 50 % war der Anteil von Berufsangehörigen in Industrie und Handwerk. Der Anteil der von Handel und Verkehr lebenden Einwohner betrug 15 %. Viele Arbeiter fanden in den zahlreichen Industriebetrieben von Königswald selbst Arbeit.

Die Pfarrei Königswald ist mit der Rodung des Dorfes im 13. Jahrhundert entstanden. Die Pfarrkirche ist den Hl. Drei Königen geweiht – dieses Patrozinium ist im deutschen Sprachraum äußerst selten. Nach etwa 1628 betreute die Pfarrei auch den Pfarrsprengel Eulau (einschließlich Ohren). Nachdem Tyssa 1787 und Eulau 1832 den Status von Lokalien erhalten hatten, wurden diese Kirchen 1848 bzw. 1849 zu selbständigen Pfarreien erhoben. Die Taufmatriken von Königswald sind ab 1695, die Trauungsmatriken ab 1657 und die Sterbematriken ab 1654 erhalten. Seit alter Zeit war Königswald Sitz eines Erbgerichtes, zu dem auch sämtliche Dörfer des ehemaligen Gutes Schönstein (Schönstein, Tyssa, Raiza, Oberwald, Schneeberg und Eisenhammer Eiland) gehörten. Das Erbgericht besaß aufgrund eines Freibriefes, der 1511 ausgestellt worden war, das Recht des Backens, Bierschenkens, Salzverschleißes, des Schlachtens und des Vorspannes an der Steilstrecke nach Tyssa. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts gab es ein Ortsgericht im Hause Nr. 1.

Königswald
Die Gründung des zweireihigen Waldhufendorfes Königswald erfolgte im Zuge des deutschen Landausbaues wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts, wobei auch der in Aussig wirkende Johanniterorden eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Der Ortsname Königswald erinnert daran, dass die Rodung des Ortes auf königlichem Besitz bzw. am Rand der ausgedehnten königlichen Wälder erfolgte, welche das ganze Gebiet bis nach Königstein in Sachsen bedeckten. Die ältesten bekannten urkundlichen Nennungen von Königswald sind die Papstzehentregister von 1352 bis 1405, in denen es lateinisch „Regis silva” geschrieben wurde. Aus dem Jahre 1552 sind folgende Königswalder Familiennamen überliefert: Schuster, Fleischer, Rotsch, Laube, Gentsch, Löbel, Krause, Rupricht, Weigend, Hentschel und Tischler. Dazu kommen für 1589 noch Baumann, Lögl (?), Paust, Hamann, Hanichen und Kinzel. Laut der Steuerrolle von 1654 gab es 114 Häuser. Die Namen der 53 Bauernfamilien lauteten: Walter, Löbel, Wagner, Weigend, Baumann, Fritsche, Hanichen, Rotsch, Schmied bzw. Schmidt, Fischer, Weckend, Berger, Kahlhaupt, Krause, Künzel, Klement, Laube, Leupold, Teufel, Tietze, Viekl oder Hieke, Vogel und Werner. Dazu kamen noch 24 Gärtner- und 37 Häuslerfamilien. 1713 wies „Königswaldt” 139 Häuser aus, zu denen noch die einschichtige, etwa seit der Mitte des 16. Jahrhunderts bestehende Gärtnerwirtschaft „Rabenhäuser” kam. 1787 bestand Königswald einschließlich Rabenhäusel aus 185 Hausnummern und besaß zudem ein „verfallenes Schlösschen”. 1833 gab es 225 Häuser, in denen 1.282 Menschen lebten.

Bei den Volkszählungen von 1869, 1890 und 1910 hatte die Gemeinde Königswald einschließlich der Ortschaft Oberwald 1.510 bzw. 1.818 bzw. 2.019 Einwohner – mit wenigen Ausnahmen Deutsche. Der starke Anstieg um ein Drittel innerhalb von nur 40 Jahren beruhte auf der Ansiedlung von Industriebetrieben seit etwa 1870. Die häufigsten Familiennamen in Königswald waren 1934 Weigend, Löbel, Walter, Wagner, Püschner, Umlauft, Hiebsch, Dröschel, Fritsche, Klement, Müller, Krauspenhaar, Rotsch, Wolf, Kühnel, Ritschel, Hieke und Heidenreich.

Oberwald
Diese Ortschaft ist eine Spätrodung aus dem Jahre 1545. Im Jahre 1595 wird ein gewisser Marks und 1602 ein Mann namens Künzel in Oberwald erwähnt. Um 1654 erscheinen als Bewohner die Familien Berger, Böhm, Hacker, Kriesche, Kühnel, Mitreiter, Neumann und Umlauf. Zu dieser Zeit standen sieben Häuser, ebenso wie 1713. 1787 gab es wiederum sieben und 1833 acht Häuser mit 53 Einwohnern. Bis 1890 hatte sich die Häuserzahl auf zehn erhöht. 1934 kamen nur zwei Familiennamen mehrfach vor: Krauspenhaar und Bernhart.

Die tschechische Gemeinde Libouchec (= Königswald) hatte im Jahre 1961 1.581 und 2006 dann 1.778 Einwohner. Die Ortschaft Oberwald existiert nicht mehr. Libouchec gehört heute zum okres Usti (= Kreis Aussig).

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Riegersdorf

Die Gemeinde Riegersdorf im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus den Ortschaften Riegersdorf und Steinsdorf. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 443 ha. Das Gemeindegebiet hat seinen tiefsten Punkt am Eulaubach bei etwa 260 m und steigt im Süden an den Hängen des Hegeberges bis gegen 500 m und im Norden mit dem Gipfel des Kahlen Berges bis 528 m an. Vom gesamten Gemeindegebiet entfielen etwa 70 % auf landwirtschaftliche Flächen und 24 % auf Forsten. Der ursprüngliche landwirtschaftliche Charakter der Ortschaft Riegersdorf wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Ansiedlung von Industriebetrieben stark verändert. 1939 gehörten nur noch 6 % der Bevölkerung dem Bereich Land- und Forstwirtschaft an, dafür waren 61 % im Wirtschaftsbereich Industrie und Handwerk sowie 13 % in Handel und Verkehr beschäftigt.

Kirchlich war Riegersdorf nach Eulau eingepfarrt und gehörte mit dieser Pfarrei von 1628 bis 1832 zur Pfarrei Königswald. Die Matriken für Riegersdorf sind wie alle Matriken von Eulau seit 1669 erhalten. Am sogenannten „Alten Weg” bestand eine uralte hölzerne Kapelle, die aber schon vor 1914 abgerissen wurde. In Steinsdorf gab es eine alte Ortsglocke, die an einer Holzgabel hing und früh, mittags und abends sowie bei Todesfällen geläutet wurde. Bereits 1481 soll Riegersdorf ein Grundbuch gehabt haben, was auf ein Erbgericht schließen lassen könnte, vermutlich handelt es sich dabei jedoch um Reste des ältesten Grundbuchs von Eulau, in welchem Riegersdorf in einem eigenen Abschnitt geführt wurde. Sicher hatte Riegersdorf viele Jahrhunderte zum Gericht in Eulau gehört und wurde auch bei Errichtung der politischen Gemeinden im Jahre 1849 der Gemeinde Eulau angegliedert. Schon 1850 wurde es eine eigene Katastralgemeinde (= eine in Österreich in einem Grundbuch zusammen gefasste Verwaltungseinheit bzw. Steuergemeinde) und 1856 eine eigene politische Gemeinde.

Riegersdorf
Riegersdorf ist eine deutsche Waldhufenrodung aus dem 13. oder beginnenden 14. Jahrhundert. Wahrscheinlich erfolgte die Gründung vom Gut Eulau aus, denn nur so ist die enge Bindung des Ortes an Eulau erklärbar. Der Ortsname geht zweifellos auf einen deutschen Personennamen zurück, jedoch ist nicht ganz klar, ob der Träger dieses Namens Richard, Rutger, Rüdiger oder ähnlich hieß. Zur Zeit seiner Gründung gehörte Riegersdorf wahrscheinlich zum Bereich des Johanniterordens. 1348 war es Bestandteil des Gutes Eulau. Die älteste bekannte urkundliche Nennung erfolgte 1422 sowie 1455 in der Hoflehentafel als „Rygersdorff”. Der älteste bekannte Familienname ist Blumentritt von 1530. In der Steuerrolle von 1654 und im Theresianischen Kataster von 1713 wurde Riegersdorf nicht eigens aufgeführt, sondern war in Eulau eingeschlossen. Im Zinsregister von etwa 1650/1660 lauteten die Namen der Bauern Vogel, Kargel, Klement, Blumentritt, Fritsche, Hamann, Heidenreich, Hieke, Jäger, Laube, Petzelt, Pfützner und Schmidt. 1787 hatte Riegersdorf 53 Häuser und 1833 schon 64 Wohngebäude und 417 Einwohner.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte in Riegersdorf die Industrialisierung ein und ließ viele bedeutende Betriebe im Ort entstehen. 1857 gab es 481 und 1890 schon 766 Einwohner. Die häufigsten Familiennamen in Riegersdorf waren 1934 Klement, Fritsche, Böhm, Höhne, Nickel, Dörre, Reichelt, Hübner, Nitsche, Schönbach, Walter, John, Kretschmer, Paul, Sille, Tampe, Thiele, Heidenreich, Hofmann, Jäger, Maier, Püschner, Richter, Schubert, Schwarz, Werner, Windrich und Wolf.

Steinsdorf
1830 wurde Steinsdorf gegründet, als von der Herrschaft Tetschen von den steinigen Hutweidegründen des Meierhofes je 100 Quadratklafter (= 360 qm) an 40 Siedler in einer Art Erbpacht vergeben wurden. Erst nach der Bodenreform in den 1920er Jahren konnten die Grundstücke käuflich erworben werden. Die Siedler, meist Hausweber, stammten überwiegend aus den umliegenden Ortschaften. Der Besitzer des Hauses Nr. 1 namens Sommer forderte die Ortsbezeichnung „Sommerdörfel” für den Ort, doch einigte man sich wegen der steinigen Beschaffenheit des Baugeländes auf „Steinsdorf”. 1857 hatte der Ort 257 Einwohner und 1879 70 Häuser mit 489 deutschen Bewohnern, die ihren Lebensunterhalt überwiegend durch Weberei verdienten. Durch die Industrieentwicklung in Riegersdorf und Königswald verbesserten sich die Erwerbsverhältnisse beträchtlich. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Nickel, Schiechel, Höhne, Kühnel, Sommer, Werner, Fritsche, Löbel, Jäger, Paul, Perthen, Günther, Preis, Seliger, Thiele, Tschernatsch und Wagner.

Zur zuerst gebildeten politischen Gemeinde Modrá (= Riegersdorf) gehörten die Ortschaften Modrá und Kamenec (= Steinsdorf). 1961 lebten in Modra 560 und in Kamenec 300 Einwohner. Heute gehören Modrá und Kamenec zur Stadt Jilové (= Eulau).

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Schneeberg

Schneeberg   Schneeberg: Grünzners Gasthaus, Kirche, Turm, im Winter, Schule   Schneeberg: Schneeberghaus
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Die Gemeinde Schneeberg im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Schneeberg mit dem 2 km nördlich gelegenen Weiler „Waldhaus” (= Gasthaus und Zollamt) sowie der 2 km westlich gelegenen Einschicht „Hoher Schneeberg” und der Ortschaft Eiland. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 1.831 ha. Das Gebiet der Gemeinde Schneeberg wird im wesentlichen vom „Schneeberger Plateau” eingenommen, welches im Südostteil von dem oben ebenfalls flachen, 2 km langen und rund 500 m breiten Bergstock des Hohen Schneebergs überragt wird, der mit 721 m der höchste Gipfel des Elbsandsteingebirges ist. Der Hohe Schneeberg trägt seit 1864 einen 33 m hohen Turm, von dessen Plattform man zum Riesengebirge, zum Böhmischen Mittelgebirge, zum Erzgebirge und bis Dresden schauen kann. Die Gemeindefläche war zu 85 % bewaldet. Landwirtschaft wurde wegen des wenig ertragreichen Sandbodens nur auf 10 % der Fläche betrieben. Schneeberg und Eiland waren in ihren Anfängen keine bäuerlichen Siedlungen und sind es wegen ihrer Hochlage und der geringen Bodenbonität nie geworden. In der Land- und Forstwirtschaft waren 1939 17 %, im Wirtschaftsbereich Industrie und Handwerk fast 48 % und in Handel und Verkehr knapp 20 % der Bevölkerung tätig.

Bei ihrer Gründung Anfang des 15. Jahrhunderts wurden Schneeberg und Eiland der Pfarrei zur Hl. Dreifaltigkeit in Eulau zugewiesen. Von 1628 bis 1682 gehörten die Orte zur Pfarrei Hl. Drei Könige in Königswald und danach wieder zu Eulau. 1848 wurde Eiland der neu errichteten Pfarrei St. Anna in Tyssa zugewiesen. Die Matriken für Schneeberg und Eiland sind, wie alle Eulauer Kirchenbücher, seit 1669 erhalten. Ursprünglich gehörten die beiden Ortschaften zum Erbgericht bzw. späterem Ortsgericht in Königswald. Um 1675 wurde in Schneeberg ein eigener Ortsrichter bestellt. 1708 wurde in dem neu ausgebauten Eiland ein Richter (Christoph Nickel) installiert.

Schneeberg
Die Ortschaft Schneeberg dürfte gleichzeitig mit dem Hammer „im Elend” (= Eiland) Anfang des 15. Jahrhunderts entstanden sein, als man dort eine Liegestätte von Brauneisenstein abzubauen und Wohnstätten für die Häuer zu errichten begann. Aus dem Jahre 1489 ist der Familienname Risack für einen Häuer überliefert. Bereits bald nach 1600 scheinen die Erzvorkommen erschöpft gewesen zu sein. Der Name des Ortes hängt eindeutig mit der Gebirgslage und dem häufig beträchtlichen Schneereichtum zusammen. 1483 hieß es „uff dem Sneberge”. In der Steuerrolle von 1654 sind 20 Häuser aufgelistet, davon lagen - als Folge des Dreißigjährigen Krieges - vier „wüst”. Zwischen 1656 und 1700 erscheinen als Schneeberger Familien die Bauern Böhnisch, Dörre, Enderlein, Ehrbach, Fischer, Focke, Fritsche, Hauschild, Hübsch, Hieke, Hietel, König, Löbel, Pfützner, Püschner, Richter, Schams, Thiele, Tschöche, Vogel, Walter und Werner. 1713 gab es 22 Häuser. Um 1700 ließ Graf Maximilian von Thun auf herrschaftlichem Grund 14 neue Häuser und zwischen 1720 und 1730 die Gräfin Philippine von Thun geb. von Harrach weitere 12 Häuser bauen, die wegen ihrer einheitlichen Bauweise „die 12 Apostel” genannt wurden. Von den Namen der neuen Ansiedler sind bekannt: Focke, Fritsche, Hieke, Hübner, Hähnel, Löbel, Pfützner, Schlattner, Thiel und Werner. 1787 hatte Schneeberg 63 Häuser und 1833 standen 86 Wohngebäude mit 561 Einwohnern. 1869 bzw. 1890 hatte der Ort 542 bzw. 497 deutsche Einwohner. 1939 waren es noch rund 400. Mit der Motorisierung seit Ende der 1920er Jahre und der Verbreitung des Wintersports stieg die Zahl der Gäste auf über 11.000 im Jahre 1939 an. Die häufigsten Familiennamen in Schneeberg waren 1934 Werner, Löbel, Hietel, Walter, Fritsche, Hampe, Hamprecht, Hauschild, Hiebsch, Hieke, Hübner, Kinzel, Müller, Nickel, Petter, Tampe und Vater.

Eiland
Die erste Siedlung in Eiland war ein Hammerwerk, das etwa zur gleichen Zeit wie das Dorf Schneeberg entstand, nämlich Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Name dürfte vom mittelhochdeutschen Wort „ellende” stammen, was soviel wie „fremder oder abseits gelegener Ort” bedeutet. Im Laufe der Zeit erfolgte dann die Umformung zu Eiland. 1555 lautete die Schreibung „Hammer Eulandt”. In der Steuerrolle von 1654 ist Eiland wegen seiner Lage auf Dominikalgrund nicht aufgeführt. Bald nach 1700 verteilte die Gräfin Adelheid Thun geb. Preysing die Gründe (auf denen seit 1674/75 eine Glashütte stand, die aber 1680 geschlossen wurde) an 13 Ansiedler. Dadurch entstand das eigentliche Dorf Eiland. 1713 ist „Eylandt” mit 13 Häusern verzeichnet. 1787 hatte „Eyland” 24 Nummern, 1833 schon 38 Häuser mit 230 Einwohnern, die sich durch Spinnen, Holzfällen und Taglohnarbeit ernährten. Später kam auch die Herstellung von Knöpfen dazu. 1869 hatte Eiland 265 und 1890 273 Einwohner. Die häufigsten Familiennamen in Eiland waren 1934 Baumann, Löbel, Kinzel, Ehrt, Hiebsch, Ritschel, Schlatner, Tausmann, Umlauft und Weigend.

Die tschechische Gemeinde Sněžník (= Schneeberg) wurde nach 1945 alleine aus der Ortschaft Sněžník gebildet. 1961 hatte sie 118 Einwohner. Die Ortschaft Ostrov (= Eiland) wurde zur Gemeinde Tísa (= Tyssa) umgegliedert und gehört nun mit dieser zum Kreis Aussig. Tísa hatte 1961 mit 18 Einwohner. Sněžník (= Schneeberg) wurde 1976 in die Stadt Jilové (= Eulau) eingemeindet.

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Tyssa

Tyssa   Tyssa: Kirche, Pfarrei, Kaiser-Joseph-Platz   Tyssa: Strandbad Ziegelteich
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Die Gemeinde Tyssa im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus den Ortschaften Tyssa und Raiza. Zu Tyssa gehörten die Einschicht Touristenbaude sowie ein Haus in Oberwald. Der an Tyssa westlich anschließende Ortsteil Antonsthal (10 Häuser, gegründet 1873) und der an Raiza ebenfalls westlich anschließende Ortsteil Neuhof (32 Häuser, 1822 gegründet) gehörten zur Gemeinde Peterswald im Kreis Aussig. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 1.139 ha. Das Gemeindegebiet von Tyssa ist hochgelegen und bergig. Schön und berühmt sind die Tyssaer Wände (610 m), die aus den Großen Wänden (Steinwand) und den Kleinen Wänden bestehen, beide steigen direkt oberhalb der Ortsmitte von Tyssa auf. Sie nehmen eine Länge von fast 1 km ein und sind bis zu 60 m hoch. Zu den originellsten dieser fast 80 Felsbildungen gehören „Doktor” und „Apotheker”, „Schildkröte”, „Schlange”, „Kamel” und viele andere mehr. Von der Gesamtfläche der Gemeinde waren fast 50 % bewaldet und knapp 40 % wurden landwirtschaftlich genutzt. Tyssa und Raiza hatten wegen ihrer Gebirgslage nie eine blühende Landwirtschaft, sondern waren von Anfang an kleinbäuerlich strukturiert. 1939 machte der landwirtschaftliche Anteil nur knapp 7 % aus; auf die Wirtschaftsbereiche Industrie und Handwerk kam der hohe Anteil von über 67 % und auf Handel und Verkehr noch 10 %. Tyssa besaß eine hochentwickelte Industrie.

Tyssa und Raiza gehörten von ihrer Gründung an bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Pfarrei Königswald. Im Jahre 1786 wurde in Tyssa eine Lokalie errichtet, die 1848 von Königswald abgetrennt und unter Zuteilung von Eiland und Raiza zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde. 1876 kam auch der Peterswalder Ortsteil Antonsthal dazu. Die Matriken für Tyssa und Raiza sind seit 1784 erhalten. Ältere Eintragungen befinden sich in den Königswalder Kirchenbüchern, u.z. Taufen seit 1695, Trauungen seit 1657 und Sterbefälle seit 1654. Die Pfarrkirche zur Hl. Mutter Anna wurde 1785 bis 1787 in spätbarockem Stil errichtet. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts gehörten Tyssa und Raiza zum Erbgericht in Königswald. Seit 1670 hatte Tyssa und bald darauf auch Raiza ein eigenes Ortsgericht.

Das Gebiet der späteren Gemeinde Tyssa gelangte im Jahre 1169 in den Besitz des im Raume nördlich von Aussig siedlerisch tätig gewesenen Johanniterordens. Eine Schenkungsurkunde enthält die Örtlichkeiten „Tesk” (= Waldgebiet mit Eibenbeständen; von slawisch „tes” oder „tis” = Eibe) und „Rufus puteus” (= roter Graben).

Tyssa
Als älteste Nennung gilt das Jahr 1340. 1541 heißt es „Dissa” und 1581, 1590 und 1620 „Diesse”. Nach der Steuerrolle von 1654 hatte „Tisa” 20 Häuser. Im Jahre 1675 hießen die Bauern Umlauft und Schütze (vorher Paust) und die Gärtner Weigend, Hübsch, Rühr, Kahlhaupt, Püschner, Rauchfuß, Tauschmann, Teufel und Weber. 1713 gab es 20 Wirte. Eine bedeutende Vergrößerung erfuhr Tyssa, als die Gräfin Philippine von Thun geb. von Harrach zwischen 1720 und 1732 den Ortsteil Philippineck anlegen ließ und 1757 weitere 60 Baustellen auf herrschaftlichen Gründen an Ansiedler vergeben wurden. 1787 hatte Tyssa auch schon 122 Hausnummern. 1833 standen 227 Häuser, in denen 1.456 Einwohner lebten. Mit dem dazugehörigen Schönstein, das 37 Häuser umfasste und 347 Einwohner zählte, lebten 1.703 Personen in Tyssa, wo die Knopf- und Schnallenindustrie viele Arbeitskräfte beschäftigte. 1869 hatte Tyssa 1.652 Einwohner, 1890 waren es bereits 2.178 und 1910 genau 2.346 deutsche Bewohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Hiebsch (der Name kam 62 Mal vor) und Püschner (51 Familien). Es folgten Löbel, Weigend, Walter, Kinzel, Hieke, Rühr, Wolf, Kühnel, Böhm, Paul, Ritschel, Umlauft, Weckend, Fritsche, Hacker, Hahmann, Jäger, Perthen, Rauchfuß, Schwarz, Focke, Grohmann, Klement, Kraut, Laube, Ruprecht, Baumann, Birk, Jahnel, Langer, Müller, Peter, Rotsch, Teufel, Wend, Werner, Hocke, Rehn, Ruhmich, Rüster, Sedlak und Thiele.

Raiza
Auch für Raiza wird 1340 als Erstnennung angegeben. An ältesten bekannten Schreibungen gibt es 1581 „Ratzdorff”, 1589 „Raicz”, 1589 „Rötzsch” und 1592 „Raitzdorff”. Die frühesten überlieferten Familiennamen sind Hippisch (1591), Hohfießel (1611) und Hübsch (1613). Im Dreißigjährigen Krieg wurde Raiza völlig zerstört. Um 1690 lauteten die Namen der Besitzer Hübsch, Fritsche, Müller, Rauchfuß und Walter (als Gärtner) und Klement, Patzelt, Walter und Weckend (als Häusler). 1713 gab es 13 Häuser und 1787 hatte „Reitza” 39 Nummern. 1833 wurden 51 Häuser mit 329 Einwohnern registriert. In den Volkszählungen von 1869, 1890 und 1910 hatte Raiza 342 bzw. 358 bzw. 364 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Hiebsch, Rauchfuß, Hieke, Weckend, Weigend, Focke, Baumann, Fritsche, Settmacher und Wolf.

1961 hatte die tschechische Gemeinde Tísa (Tyssa) 1.011 und die Ortschaft Rajec (Raiza) 26 Bewohner, zusammen also 1.037 Bewohner, die in 242 Häusern lebten. Die politische Gemeinde Tyssa einschließlich der Gemeinde Raiza und der hierher umgemeindeten Ortschaft Eiland wurden (ebenso wie Königswald und Rongstock) in den okres Usti (= Kreis Aussig) um-gegliedert. In der Gemeinde leben 2007 etwa 770 Einwohner.

 

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